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Wie die Gedanken die Wahrnehmung bestimmen

Die beiden Redewendungen „Die Erscheinung resultiert aus den eigenen Gedanken und „Die Erscheinung wird im Herzen geboren verweisen darauf, dass unser jeweiliges Verständnis der Realität durch unseren Herzenszustand geprägt ist.

Eines Tages ging der junge Su Dongpo mit dem Mönch Foyin in einen Tempel, um zu meditieren. Nach der Meditation fühlte sich Su Dongpo sehr behaglich und entspannt. Er fragte den Mönch, wie er während der Meditation ausgesehen hätte. Dieser antwortete: „Wie eine Buddha-Statue hast du ausgesehen, so feierlich!“ Als Su Dongpo dies hörte, war er sehr zufrieden.

Dann fragte der Mönch den jungen Mann, wie er denn während der Meditation ausgesehen hätte. Su Dongpo antwortete als Spaß: „Du sahst wie ein Haufen Kuhmist aus!“ Mönch Foyin sagte nichts dazu. Als Su Dongpo bemerkte, dass der Mönch nicht böse auf ihn war, glaubte er, er hätte den geistigen Mann übertroffen.

Su Xiaomei war die jüngere Schwester von Su Dongpo. Als sie die Geschichte ihres selbstzufriedenen Bruders gehört hatte, dachte sie kurz nach und antwortete dann mit sanfter Stimme:
„Mein lieber Bruder, du hast verloren! Mönch Foyin hat das Herz eines Buddhas, deshalb sah er dich als einen Buddha. Du aber hast ihn angesehen mit einem Herzen voller Kuhmist, also sahst du auch nur Kuhmist.“

Darüber musste Su Dongpo eine Weile nachdenken. Er verstand, dass der Mönch seinen Geist so gut kultiviert hatte, dass er stets ein freundliches Herz bewahren konnte; selbst wenn ihm Unrecht geschah.

Aus dem Zhuan Falun Lektion 9, Kapitel Qigong und Sport, Seite 431
„ (…) Natürlich ist die Kultivierung ein sehr langsamer Vorgang; man muss sich viel Mühe geben und wird mit körperlichen Strapazen und seelischen Leiden konfrontiert. Das ist gar nicht einfach. Kann das Herz bei den zwischenmenschlichen Reibereien, welche die Xinxing betreffen, unbeweglich bleiben? Kann das Herz in Bezug auf persönliche Interessen unbewegt bleiben? All dies ist schwer zu schaffen. Deshalb ist es nicht so, dass einer dieses Ziel schon erreichen kann, nur weil er diesen Wunsch hat. Nur wenn sich die Xinxing und die Tugend eines Menschen durch die Kultivierung erhöht haben, kann dieses Ziel erreicht werden.”

Glossar:
Xinxing: Wesen des Herzens, Qualität des Herzens.
Wu Wei: absichtslos, tatenlos, Leere.

Zu den Personen:
Die Redewendung „Die Erscheinung resultiert au den eigenen Gedanken“ soll zum ersten Mal von dem chinesischen Philosophen Guiguzi (Xu Wang, 400-313 v. Chr) während der Zeit der Streitenden Reiche (475-221 v. Chr.) gebraucht worden sein. Er gründete die „Schule der Diplomatie“. Das Thema der Redewendung findet sich auch im Essay „Über Geist und Aussehen“ vom Daoisten Chen Xiyi aus der Song-Dynastie (960-1279 n. Chr.)

Su Dongpo (Su Shi, 1036-1101 n. Chr.) wurde in eine Familie von Prosa-Meistern geboren. Die Familie Su gehörte zum Kreise der Gelehrtenfamilien. 1057 bestand er das Jinshi-Examen. Seine Karriere als Beamter war wechselvoll, einerseits durch sich verändernde Machtverhältnisse am Hofe, andererseits in seinem eigenen Verhalten begründet. Su Dongpo zeigte sich unzufrieden mit den politischen und sozialen Zuständen seiner Zeit. Er zögerte nicht, in seiner Dichtung die Missstände aufzuzeigen. Dafür büßte er im Sommer 1079 sogar mit Gefängnis. Danach wurde er nach Huangzhou verbannt, wo er von 1080 bis 1084 lebte. Fern der Hauptstadt verkehrte er mit Menschen aus allen Gesellschaftsschichten. Dies fand Niederschlag in seinen Gedichten. 1085 kehrte er in die Hauptstadt zurück und kam zu hohem Ansehen und hohen Ämtern. Rastlos war er tätig zum Wohle der Bevölkerung. 1094 wurde er erneut verbannt, zuerst nach Guangdong, dann sogar auf eine entlegene Insel. Erst ein Jahr vor seinem Tode durfte er zurückkehren. Themen wie Trennung und Vergänglichkeit nehmen daher einen breiteren Raum in seinen Werken ein. Mit Huang Tingjian, Mi Fu und Cai Xiang zählt er zur Gruppe der „Vier großen Kalligrafen der Song“.

Quelle: Wenmin Wang / Epoch Times / 21.8.2013
Yuanming.net und Wikimedia für das Bild von Su Dongpo https://commons.wikimedia.org/wiki/File:Su_shi.jpg
Thumbnail: ricegirl / pixabay
Lexikon der chinesischen Literatur von Volker Klöpsch und Eva Müller, C.H.Beck Verlag 2004, Seiten 288-289

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