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Unverhofft zum Sieg gerutscht

Der Rennrodel-Olympionike Martins Rubenis dankt den Weisheiten des Ostens, die ihm den Weg auf das Medaillenpodest geebnet haben.

Wie hier in Sotschi gesehen, erreichte Rubenis auf olympischen Strecken Geschwindigkeiten von 150 km/h und mehr. Foto von Hugh Zhao

Martin Rubenis aus Lettland ist ein außergewöhnlicher Sportler. Er ist olympischer Rennrodelfahrer und dies auf seinem von ihm selbst gebauten Rodel. Zuletzt gewann er 2014 eine Bronzemedaille bei den Olympischen Winterspielen in Sotschi. Während seine Konkurrenten ihre Rodel BMW und Ferrari zu verdanken hatten, nahm Rubenis seinen Bronzemedaille nicht nur in seiner Eigenschaft als Rennfahrer, sondern auch als Konstrukteur und Ingenieur entgegen.

Ein Schlitten und eine Seele

Rubenis verliebte sich schon als Kind in den Rennrodelsport. „Was ist das Erste, was einem kleinen Kerl in den Sinn kommt? Man nimmt einen Schlitten, fährt in die Berge und hat Spaß. Und wenn jemand es einen Sport nennt, warum nicht?” erinnert sich der fünfunddreißigjährige Rubens lächelnd. Seine 25-jährige Karriere nahm im Jahre 1998 bei den Junioren-Weltmeisterschaften ihren Anfang. Er war das erste Mitglied der lettischen Mannschaft, das 2006 bei den Winterspielen in Turin auf dem Siegerpodest stand. Es sollten nicht die einzigen Gewinne bleiben; über die Jahre errang er weitere Medaillen bei europäischen und internationalen Meisterschaften.

Der Weg zu olympischem Ruhm ist nie leicht, vor allem in einem Land, dessen Kultur und Wirtschaft durch die sowjetische Besatzung zerschlagen wurde. Während Rubenis als Jugendlicher in einem Internat versuchte im Leben Fuß zu fassen, starb seine Mutter an Leukämie. „Die Verbindung zu den Eltern oder zu jemandem Geliebten zu verlieren”, sagt er, „lässt irgendwo tief im Inneren etwas zerbrechen.” Dank seinem unabhängigen Geist und der tatkräftigen Unterstützung seiner Großeltern, überwand er den Gedanken aufzuhören und verpflichtete sich zu den langwierigen, zermürbenden Übungs- und Crosstrainingseinheiten. Gleichzeitig schloss er die Schule ab und arbeitete in Nachtclubs, um finanziell über die Runden zu kommen.

Handwerkliche Größe

Rubenis entwarf und fertigte fast jedes Teil des Schlittens, der ihn zum Sieg bei Wettkämpfen trug. Foto von Hugh Zhao

Damals im Jahr 1999, als sein Schlitten dringend aufgerüstet werden musste, um eine Goldmedaille holen zu können, war niemand da, der ihm hätte helfen können. Mit seinem Großvater begann er mit dem Bau von Schiffs- und Motorradmodellen. „ Ich begann, meinen Schlitten zu betrachten und zu spüren, was geändert werden sollte. Da ich keine technische Ausbildung habe, versuche ich zu fühlen, wie sie funktionieren. Es ist eher ein künstlerischer als ein technischer Ansatz”, erklärt Rubenis.

„Viele Menschen denken, Rodeln bedeutet nur im Schlitten liegen und darauf warten, dass dieser einen runterbringt; so ist es nicht. Ein Schlitten ist wie ein lebender Organismus, der sich zusammen mit dem Körper des Athleten bewegt und arbeitet. Das Wichtigste ist, den Schlitten so zu bauen, dass er eins mit dem Körper ist.”

– Martins Rubenis

Eins mit dem Weg

Die Meditationskomponente von Falun Gong und ihre Leitprinzipien verschafften Rubenis einen Wettbewerbsvorteil. Foto von Hugh Zhao

Rennrodeln ist meist ein Einzelsport, und Teamkollegen sind auch gleichzeitig Rivalen. Früher hätte Rubenis seine bautechnischen Erkenntnisse nie mit den Teamkollegen geteilt. Dies änderte sich jedoch im Jahre 2005, als er begann „Wahrhaftigkeit, Güte, Nachsicht” zu praktizieren. Diese drei Grundsätze gehören zu Falun Gong, einer Selbstkultivierungspraxis für Körper und Geist. Das Denken an Andere steht dabei im Vordergrund. Inzwischen findet Rubenis seine Innovationen sogar auf den Schlitten der G8-Länder bei Wettbewerben auf der ganzen Welt. Er erklärt dies so: „Nachdem ich mit der Praxis begonnen hatte, verstand ich, dass Teilen die Dinge in einer noch breiteren Perspektive zurückbringt. Wissen ist eine Art von Energie. Wenn wir teilen, verbinden wir uns mit dem neuen Wissen; wir geben mehr Raum für neue Dinge, die kommen, und man weiß nie, wie groß sie sein werden.”

„Ich erinnere mich, dass ich früher gegen Andere gekämpft habe, um besser zu sein. Als ich anfing, Falun Gong zu üben, wurde mir klar, dass es etwas mit mir zu tun haben musste. Ich hatte einen ,inneren Kampf’ mit mir selbst, bei dem es darum ging, mich zu verbessern, meine Leistung zu steigern und meine jeweilige Herangehensweise zu optimieren.”

„Wenn ich in meinem Leben bei etwas wirklich stur werde, wenn ich einfach nur mit gesenktem Kopf geradeaus ziele, wird alles sehr hart. Beim Rodeln ist es genauso. Wenn ich denke, ,nur so kommt man runter’, dann lenke ich manchmal zu viel, aber die Kurve lässt mich nicht in diese Richtung gehen. Also muss ich lernen, die Strecke zu fühlen und zu spüren, wie sie mich führt. Ich muss lernen, die Art und Weise zu schätzen, wie sie mich leitet und auch einfach versuchen auf dem Weg zu bleiben.”

In Sotschi stand er ein letztes Mal auf dem Podium. Er sagt, er habe sich nun zurückgezogen. Vermutlich bedeutet dies nicht, dass man von Martin Rubenis und seinem bahnbrechenden Geist nun nichts mehr hören wird.

Quelle: https://www.magnifissance.com/sliding-to-victory/
Originaltext von Brett Price

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