Share on facebook
Share on twitter
Share on telegram
Share on google
Share on email
Share on print

Sun Zi und die Kunst des Krieges

Sun Zi ist vielleicht der berühmteste Stratege der Geschichte. Er kommandierte Armeen in den Kriegen zwischen den Staaten Chu, Wu und Yue, bevor er sich in die Berge zurückzog. Das in dem Buch „die Kunst des Krieges“ enthaltene Wissen ist über 2500 Jahre alt, und obwohl wir nicht mehr mit Schwertern und Speeren kämpfen, werden seine Taktiken von Militäroffizieren und Kaderleuten im Management auch in unserer Zeit gerne gelesen.

Dies ist die Geschichte eines Nachkommen Sun Zi’s:
Sun Bin und sein bester Freund und Weggefährte Pang Juan wurden beide von Meister Guigu Zi in Militärtaktik und -strategie ausgebildet. Pang Juan wurde vom König des Staates Wei in den Staatsdienst berufen und so waren nur Sun und sein Meister vor Ort.

Der Meister brachte Sun Bin ein Buch, das sehr alt und wertvoll war: eine Kopie der Texte Sun Zi’s: „die Kunst des Krieges“. Sun Bin war darüber sehr erfreut und machte sich eifrig daran, den ganzen Text auswendig zu lernen und zu verinnerlichen.


Nur kurze Zeit später wurde Sun Bin ebenfalls zum Militärdienst im Staate Wei einberufen. Dort traf er auf seinen Weggefährten Pang Juan. Der König hatte ursprünglich vor Sun Bin zum zweiten Befehlshaber der Armee zu machen. Pang intervenierte jedoch und wollte, dass Sun eine höhere Stellung bekäme. Also entschied der König Sun zum Berater zu ernennen.

Nun hatte Sun Bin zwar eine hohe Position inne, aber eine ohne wirkliche Befehlsgewalt. Wer hätte das gedacht, aber es war genau das, was Pang erreichen wollte: Er hatte im Verborgen ein kleines, neidvolles Herz, und dieses könnte es nicht ertragen, wenn Sun besser gestellt worden wäre als er.

Von alldem ahnte Sun Bin nichts. Er erzählte seinem besten Freund freimütig von dem wertvollen Buch, das ihm der Meister geschenkt hatte. Dieser tat so, als hätte er dieses Buch auch einmal vom Meister gezeigt bekommen. Da es schon lange zurücklag habe er den Inhalt wieder vergessen. Ob Sun ihm die Texte des Buches niederschreiben könnte, wollte er wissen. Sun antwortete: „ ja, ich kann es auswendig, Wort für Wort.“

Während Sun damit begann den auswendig gelernten Text niederzuschreiben, sann Pang darüber nach, wie er Sun ruinieren könnte. Schliesslich fälschte er einen Brief in Sun Bin’s Handschrift, in dem stand, dass er zwar dem Staate Wei diente, seine wahre Loyalität aber seiner Heimat, dem Staate Qi galt.

Der Brief verfehlte die gewünschte Wirkung nicht. Der erzürnte König wollte Sun Bin sofort hinrichten lassen. Da dieser das Buch „die Kunst des Krieges“ noch nicht fertig aufgeschrieben hatte, wollte Pang Juan noch nicht, dass Sun Bin schon zu Tode kam.
Er schlug dem König eine andere Form der Bestrafung vor und dieser willigte ein. Danach besuchte Pang Juan seinen Weggefährten und gab vor, sich für Ihn beim König eingesetzt zu haben, um seine Strafe zu mildern.
Sun war noch immer ahnungslos. Er glaubte ihm und bedankte sich beim ihm. Sun wusste, dass er eine Strafe für ein Vergehen bekommen würde, das er nicht begangen hatte, aber es gab kein Entkommen. Er blickte der Tatsache ins Auge, dass ihm die Knieplatten gebrochen werden würden.

Nachdem Sun verurteilt und bestraft worden war, kümmerte sich Pang scheinbar rührend um ihn. Er versorgte ihn mit guten Speisen und einem bequemen Bett. Sun schrieb für seinen Freund weiterhin den Text des Büchleins „ die Kunst des Krieges“ nieder. Er konnte pro Tag nur noch wenige Zeilen niederschreiben, da er sich nicht lange konzentrieren konnte.

Peng Juan wurde nach einem Monat des Wartens sehr ungehalten und beklagte sich bei einem Diener darüber, dass Sun so lange für die Niederschrift brauche. Der Diener fand, dass Pangs Verhalten als angeblich bester Freund, doch recht seltsam war. Der Diener hörte sich am Hofe um und erfuhr schließlich, dass Pang die Absicht hegte, Sun Bin zu töten, sobald dieser mit dem Schreiben fertig würde.

Der Diener war über diesen Verrat entsetzt und informierte Sun Bin umgehend. Umgeben von Feinden und unfähig zu gehen, kämpfte Sun Bin darum, einen Ausweg aus seiner gefährlichen Situation zu finden. Da erinnerte er sich, dass sein Meister Guigu Zi ihm einen kleinen Beutel mitgegeben hatte, der nur in einem Notfall geöffnet werden sollte.

Dies war nun eindeutig ein Notfall und Sun Bin öffnete den Beutel. Darin fand er einen Zettel. Darauf stand: Stell dich dumm! Sun gab nun vor langsam den Verstand zu verlieren. Er begann Kauderwelsch zu sprechen und warf die Kopien des Textes, die er bereits angefertigt hatte in den Kamin. Pang Juan konnte sich den Zustand Sun Bin’s nicht erklären und war ratlos. Alle Versuche, Sun wieder zur Vernunft zu bringen scheiterten.

Schließlich wurde Sun auf geheiss Pangs in einen Schweinestall geworfen. Er sollte dort verrotten. Damit er in Ruhe gelassen werden würde gab er vor, den Dreck zu genießen. Alle waren schliesslich davon überzeugt, dass er ein hoffnungsloser Fall war. Ein paar Tage später gelang Sun Bin die Flucht und die Rückkehr in seinen Heimatstaat Qi.

Wieder zu Hause wurde er Berater von General Tian Ji und half ihm bei der strategischen Planung seiner Kriege. Es kam was kommen musste: die Staaten Wei und Qi befanden sich bald in Kämpfe verwickelt.

Es sah schlecht aus für Pang Juan. Er verlor, war in jeglicher Hinsicht Sun’s Kriegskunst unterlegen.
In seinem Herzen wusste er, dass sein ehemaliger Weggefährte noch lebte und jetzt der Stratege hinter General Tian Ji’s Manövern war. Seine Vermutung wurde zur Gewissheit, als die Qi-Truppen einen neuen Satz Flaggen ausrollten, auf denen Sun Bin’s Name stand.

“Jede Kriegsführung basiert auf Täuschung. Wenn wir in der Lage sind anzugreifen, müssen wir daher unfähig erscheinen; wenn wir unsere Streitkräfte einsetzen, müssen wir inaktiv erscheinen; wenn wir in der Nähe sind, müssen wir den Feind glauben machen, dass wir weit weg sind; wenn wir weit weg sind, müssen wir ihn glauben machen, dass wir in der Nähe sind“.

– Sun Zi, aus die Kunst des Krieges

Pang beschloss nun die Konfrontation zu suchen. Seine Streitkräfte sollten die Truppen des Staates Qi direkt angreifen. Sun Bin der seinen ehemaligen Weggefährten gut kannte, erwartete diese Reaktion. Er wandte eine meisterhafte Strategie an, indem er die feindlichen Späher zu der falschen Annahme verleitete, dass die Soldaten von General Tian Ji in großer Zahl desertieren würden.

Pang hatte keinen Grund seinen Kundschaftern nicht zu trauen. Er glaubte tatsächlich daran, dass die Truppen auf einen Drittel zusammengeschrumpft waren. Pang gab den Befehl den Soldaten General Tian Ji’s zu folgen. Diese schienen sich immer weiter in die Wälder zurückzuziehen.
Der Weg führte sie einen Pass hinauf. Als Pang Juan mit seinen Leuten auf der Ebene angelangt war, war es breits dunkle Nacht. Es war ganz still. Das einzig auffällige war, dass alle Bäume in der Umgebung gefällt worden waren, bis auf einen Einzigen in der Mitte.

Pang liess seine Männer absteigen und das Nachtlager aufschlagen. Während er überlegte, warum die Bäume auf der Ebene alle gefällt waren, schritt er langsam auf den einzig noch stehenden Baum zu. In dessen Stamm war eine Inschrift eingraviert worden. Im Schein seiner Fackel las er: „Pang Juan stirbt unter diesem Baum“.

Und dann ging alles blitzschnell. Pangs Fackelfeuer diente als Zielscheibe für Sun Bin’s Bogenschützen, die im Hinterhalt auf diesen Moment gewartet hatten. Auf einmal schwirrten tausende von Pfeilen durch die Luft. Sun Bin näherte sich dem verwundeten Pang Juan. Dieser sagte hasserfüllt: „Ich bereue, dass ich dich nicht getötet habe, als ich dich zum Krüppel machte. Jetzt hast du den ganzen Ruhm erlangt, den ich selbst haben wollte.“ Daraufhin zog Pang Juan sein Schwert und nahm sich das Leben.
Der Staat Wei verlor damit seinen besten General und begann in den Niedergang abzugleiten. Sun Bin hegte keinen Hass gegen Pang Juan. Er befreite dessen Neffen, der gefangen genommen worden war, und zog sich, wie schon sein Großvater Sun Zi vor ihm, in die Berge zurück, um dort zu leben.

„Die Macht ist bösartig und unersättlich – erst stumpft sie uns ab gegen das Leid anderer Menschen und dann macht sie uns süchtig danach, denn nur das Leiden anderer verleiht uns die Gewißheit, das unsere Macht über Sie ungebrochen ist. Im Gegensatz dazu will wahre Autorität nur das Beste für die Mitmenschen; ihr Wirken ist geprägt von Mitgefühl und Gerechtigkeit…

– Sun Zi, aus die Kunst des Krieges

Bildquelle: vlasta2, bluefootedbooby on flickr.com
Textquelle: People who shaped China, New Epoch Weekly Publisher 2018

Das Neueste

Archiv

Weitere Artikel zu diesem Thema