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Kurzbiografie des Dichters Li Shangyin

Li Shangyin (813-858 n. Chr) aus der Provinz Henan gilt als einer der letzten grossen Dichter der Tang-Zeit. Er ist Zeuge des Niedergangs der Tang-Dynastie, der mit dem Bürgerkrieg um 750 n. Chr. seinen Anfang nahm und um 907 n. Chr. endete.

Die Familie von Li Shangyin war nicht sonderlich begütet, obwohl sie mit dem Kaiserhaus weitläufig verwandt war. Li Shangyin’s Vater war Beamter und starb als er erst 10 Jahre alt war. Als ältester Sohn musste er die volle Verantwortung für die Familie tragen.

Li Shangyin lebte unter der Herrschaft des Kaisers Wenzong (827-840 n. Chr.) Dieser war zwar gewissenhaft und gutmeinend, aber aufgrund seiner Unerfahrenheit unfähig die Machtkämpfe an seinem Hofe zu unterbinden. Die waltende Macht lag nicht bei ihm, sondern bei den Verwaltungsbeamten. Diese hatten sich in zwei Lager gespalten und stritten sich darum, wer die Nachfolge bestimmen dürfe und welche militärischen Aktionen gegen die Invasoren geführt würden.
Die klassisch – konservativen Gelehrten, die zu den aristokratischen Familien gehörten, waren unter der Führung des Li Te-yun vereint. Die andere Fraktion unter der Leitung von Niu Seng-ju, vertrat die Interessen der neuen Gelehrten, die gerade ihre Beamtenprüfung bestanden hatten.

Li Shangyin war aus familiären Gründen mit Gelehrten aus beiden Fraktionen bekannt. Er sah sich unfähig die Widersprüche in seinen Beziehungen zu lösen. Hinzu kam noch die ungewollte Feindschaft mit seinem Freund Ling-hu T’ao, der die Position des Premierministers innehatte. Er machte es Li Shangyin unmöglich, eine höhere Position im Staatsdienst zu erlangen.
Seine Beziehungen zu Frauen verliefen oft unglücklich. Entweder waren die Geliebten anderweitig verheiratet oder starben früh an Krankheiten. Seine Ehefrau, die er sehr geliebt hat, verstarb ebenfalls früh.

Die Gedichte von Li Shangyin drücken Sehnsüchte und erfüllte, sowie unerfüllte Liebe aus. Einige seiner Verse gehören zu den dunkelsten der chinesischen Literatur. Er wird aufgrund seiner dichten und bildreichen Ausdrucksweise als der vieldeutigsten Dichter Chinas bezeichnet. Knapp 600 Gedichte sind bis heute erhalten geblieben.

Sehnsucht im Nachtregen

Du fragst mich, wann ich nach Hause kehre.
Ich kann aber nicht sagen, wann.
Im Gebirge Ba ich den Regen höre;
der herbstliche See schwillt davon an.
Wann könnt’ ich dich doch nur wiedersehen
am westlichen Fenster bei Kerzenschein?
Dir von meinen Gedanken erzählen,
bei Regen und Nacht hier einsam zu sein.


Quellen für diesen Bericht: Das Bild stammt von A_Different_Perspective / Pixabay
Leise hör’ ich Blüten fallen, Yan Zhao und Dieter Ziethen, Hefei Huang Verlag, Seiten 10, 73 und 75
Poems of the Masters, übersetzt von Red Pine, Copper Canyon Press, Seiten 350 und 351
Critical Readings on Tang China, Band 1, herausgegeben von Paul W. Kroll, Brill, Seite 257
China, Harley Farnsworth MacNairUniversity of California Press, 1951, Seite 87
Sunflower Splendor: Three Thousand Years of Chinese Poetry, Wuji Liu, Irving Yucheng Lo,
Indiana University Press, 1990, Seite 572

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