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Glück und Unglück sind eine Frage der Interpretation

In der Nähe der nördlichen Grenze des Fürstentums von Liu An lebte einst ein alter Mann, der es verstand das Schicksal vorherzusagen.

Foto: Pixabay User blickpixel

Eines Tages entlief dem alten Mann sein Pferd über die Grenze. Die Nachbarn und Freunde wollten ihn trösten, doch er sagte zu ihnen: „ Warum sollte dieses Missgeschick nicht auch Glück bringen können?“ Einige Monate später kam das entlaufene Pferd wieder zurück, gefolgt von einem weiteren, ganz ausgezeichnetem Pferd. Alle gratulierten dem Alten zu diesem Glück. Dieser aber sprach: Warum sollte dieses Glück nicht auch Unglück bringen?“

Der alte Mann schenkte das zugelaufene Pferd seinem Sohn. Dieser ritt gerne auf dem schönen Tier aus. Doch eines Tages stürzte er vom Pferd und brach sich das Bein. Die Bruchstelle wuchs auch nicht wieder richtig zusammen, so dass der Sohn hinkte. Nachbarn und Freunde wollten den Alten über sein Unglück hinwegtrösten, aber dieser wiegelte ab und wiederholte: „Warum sollte dieses Missgeschick nicht auch Glück bringen können?“

Ein Jahr später wurde das Grenzgebiet des Fürstentums von Feinden überfallen. Alle jungen Männer in der Gegend mussten in den Krieg ziehen. Und keiner von Ihnen kehrte nach Hause zurück. Da der Sohn des alten Mannes hinkte, wurde er nicht zum Einsatz berufen. Er blieb bei seinem Vater und am Leben.

Quelle: Liu An 179-122 v. Chr. Unter der Leitung von Liu An entstand das Buch Huainanzi. Es wird als Klassiker des Daoismus betrachtet und beinhaltet daoistische Weisheiten zu allen Themen des menschlichen Lebens.

Systematische Verfolgung seit 20 Jahren – 20. Juli 1999​

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