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Fluchtversuch endete mit Tod – nach 20 Jahren Belästigung, Inhaftierung und Folter

Am 7. Dezember 2019 klopften Polizisten gegen 20 Uhr an ihre Wohnungstür.

„Gong Fengqiang, wir wissen, dass Sie da sind! Wir haben Möglichkeiten, Sie zu kriegen, auch wenn Sie die Tür nicht öffnen“, riefen die Beamten.

Gongs Frau Li Yanjie versuchte, ihre Familie um Hilfe zu bitten, musste jedoch festzustellen, dass ihr Handysignal blockiert war. Sie hörten dann die Polizei an die Tür ihres Nachbarn klopfen und diesen fragen, ob er etwas über Gong wisse.

Das Paar konnte die Antwort des Nachbarn nicht deutlich verstehen. Die Polizisten klopften wieder an ihre Tür, dann riefen sie einen Schlüsseldienst an. Als der Schlüsseldienst nach 30 Minuten immer noch nicht kam, hörten sie, wie die Polizisten über das Ausleihen einer Motorsäge sprachen. Sie wollten damit die Metalltür aufschneiden.

Flucht und Sturz in den Tod

Das Ehepaar hatte 20 Jahre lang unter Belästigung, Inhaftierung und Folterung gelitten, weil beide ihren Glauben an Falun Dafa [1] nicht aufgeben wollten. Gong, 48, und seine Frau Li, 41, wollten denselben Albtraum nicht wieder durchleben müssen. Deshalb beschlossen sie, aus ihrer Wohnung im sechsten Stock zu entkommen.

Sie banden mehrere Bettlaken und Vorhänge zu einem Seil zusammen und befestigten es am Fenster.

Das Sägen wurde immer lauter. Gerade als die Tür aufgebrochen wurde, kletterte das Paar nacheinander aus dem Fenster und ließ sich an dem behelfsmäßigen Seil hinunter.

Als die beiden im vierten Stock waren, lösten sich die geknoteten Bettwäscheteile und sie fielen den Rest des Weges nach unten.

Als Gong einige Stunden später zu sich kam, fand er den leblosen Körper seiner Frau neben sich.

Die Beamten waren immer noch in ihrer Wohnung im Obergeschoss und die Polizeiautos hatten noch ihr Licht an. Die Polizei hatte wahrscheinlich nicht erwartet, dass Gong den Sturz überlebt hatte.

Im Morgengrauen hatte die Polizei bereits den Leichnam von Li weggebracht. Die am Fenster hängende Bettwäsche wurde entfernt. Die kaputte Tür wurde durch eine neue ersetzt.

Voller Trauer floh Gong vom Tatort, um einer Verhaftung zu entgehen.

Am Morgen des 9. Dezember ging die Polizei zu Lis Eltern, die um die 80 sind. Sie drohte ihnen und wollte, dass sie herausfanden, wo sich Gong aufhielt. Lis Tod erwähnten sie mit keinem Wort.

Rückblick: Das glückliche Leben eines jungen Paares zerstört

Li wurde in einer kleinen Gemeinde des Landkreises Yilan, Provinz Heilongjiang geboren.

Als Falun Dafa 1992 der Öffentlichkeit vorgestellt wurde, wurde es schnell am College, das Li besuchte bekannt. Sie war beeindruckt von Falun Dafas universellen Werten „Wahrhaftigkeit, Güte und Nachsicht“, und begann zu praktizieren.

Nach dem Abschluss kehrte Li in ihre Heimatstadt zurück und wurde Kindergärtnerin. Später lernte sie ihren Mann, Gong, kennen, der als Lkw-Fahrer für den lokalen Kohlekonzern arbeitete.

1997 eröffnete Li mit ihrer ältesten Schwester eine Nudelfabrik, und das Geschäft lief sehr gut.

Li und Gong führten ein wohlhabendes Leben. Doch Gong wurde von einer schwer zu heilenden Krankheit heimgesucht. Als ihm nichts half, fing er im Juli 1997 an, Falun Dafa zu praktizieren und wurde bald gesund.

Das glückliche Leben des Paares wurde erschüttert, als das kommunistische Regime im Juli 1999 mit der landesweiten Unterdrückungskampagne gegen Falun Dafa begann. Jeder Falun-Dafa-Praktizierende in jeder Ecke des Landes wurde ins Visier genommen.

Da das Paar in ihrem Glauben standhaft blieb, wurde es wiederholt schikaniert, festgenommen und inhaftiert. Gong verlor seinen Arbeitsplatz, wurde zwei Jahre in ein Zwangsarbeitslager eingesperrt und zu einer fünfjährigen Haftstrafe verurteilt. Er wurde gefoltert, was zu geistiger Behinderung führte, er stand kurz vor dem Tod.

Während der Schwangerschaft belästigt

Li erstattete 2015 Anzeige gegen Jiang Zemin. Jiang, der ehemalige Chef des kommunistischen Regimes, hatte 1999 die Verfolgung von Falun Dafa eingeleitet. Sie beschrieb einiges von dem, was ihre Familie in den letzten 20 Jahren unter der Verfolgung erlitten hatte.

Li erzählte, dass sie am 20. Juli 1999 zur Provinzregierung gegangen war, um für Falun Dafa zu appellieren. Sie wurde verhaftet und einen Tag in einem Stadion festgehalten. Das Stadion war voll von Falun-Dafa-Praktizierenden, die gegen ihren Willen festgehalten wurden. Über Lautsprecher wurden Falun Dafa und sein Begründer unaufhörlich kritisiert und verleumdet.

Gong wurde am 18. Februar 2000 verhaftet, während er sich in Peking für das Recht, Falun Dafa zu üben äußerte. Danach wurde er im Untersuchungsgefängnis des Landkreises Yilan festgehalten. Dort wurde er mit Elektrostäben geschockt und geschlagen.

Während seiner einmonatigen Haft verbreitete die Polizei Gerüchte über Gong; sie behaupteten, ihm wäre seine Familie oder sein Arbeitsplatz egal. Das taten sie, damit sich seine Familie und seine Kollegen gegen Falun Dafa stellten. Sie durchsuchten auch seine Wohnung ohne Durchsuchungsbefehl. Ein Polizist drohte Li, die bereits im vierten oder fünften Monat schwanger war, dass er sie auch verhaftet und gefoltert hätte, wenn sie nicht schwanger gewesen wäre.

Ein anderer Polizist drohte Li bei einer anderen Gelegenheit mit einer Zwangsabtreibung.

Acht Personen, die von Gongs Arbeitgeber eingesetzt wurden, überwachten Li rund um die Uhr. Auch wenn sie aß, schlief, die Toilette benutzte oder ihren Mann im Gefängnis besuchte. Sie lebte in ständiger Angst, verhaftet zu werden.

Die Polizei versuchte, sie zu zwingen, eine Erklärung zu schreiben, dass sie Falun Dafa aufgeben würde. Sie weigerte sich. Polizisten beschlagnahmten ihren Ausweis und entnahmen gewaltsam ihre Fingerabdrücke. Auch nahmen sie andere persönliche Daten auf, unter anderem ihre Größe und Schuhgröße.

Die Polizei erpresste später 8.000 Yuan (1.030 Euro) von Gongs Familie, bevor sie ihn freiließen.

Arbeitgeber auf der Seite der Verfolger

Nachdem Gong freigelassen worden war, erpresste sein Arbeitgeber 900 Yuan (120 Euro) von ihm. Dies sollte die Reisekosten der Mitarbeiter decken, die nach Peking gefahren waren, um ihn abzuholen. Als Strafe wurde sein Monatslohn von 1.900 Yuan (245 Euro) auf 180 Yuan (25 Euro) reduziert. Sein Arbeitgeber fügte hinzu, dass der einzige Grund, warum sie seinen Arbeitsplatz freigehalten hätten, darin bestand, ihn daran zu hindern, wieder nach Peking zu gehen.

Die Agenten, die Li überwachten, gingen erst Anfang Juli 2000, als ihr Baby geboren werden sollte. Sie hatten den starken Wunsch, für Gerechtigkeit für Falun Dafa zu ersuchen. Also ging sie sobald die Überwacher gegangen waren, alleine nach Peking, um dort zu appellieren.

Als die Behörden feststellten, dass Li an diesem Abend nicht zu Hause war, verhafteten sie Gong und hielten ihn in einer örtlichen Haftanstalt fest.

Li schaffte es nicht sehr weit. Sie wurde in der Stadt Harbin festgenommen. Harbin ist etwa 288 Kilometer von Yilan entfernt. Sie wurde noch in der Nacht nach Hause gebracht.

Am 15. Juli 2000 brachte Li ein kleines Mädchen zur Welt.

Nur 18 Tage nach der Geburt ihrer Tochter verhaftete die Polizei ihren Mann erneut. Sie hatten überall gesucht, sogar unter der Bettwäsche des Babys. Die Mutter von Gong, die ein schweres Herzleiden hatte, lief ihnen nach, wurde aber im Hof ohnmächtig.

Während Gong diesmal inhaftiert war, musste Li ihre Nudelfabrik schließen, weil sie es nicht mehr schaffen konnte.

Aus Angst sie könnten in die Verfolgung verwickelt werden, wagte es der größte Teil ihrer Familie nicht, ihr Hilfe anzubieten.

Ehefrau heimatvertrieben, Ehemann in Haft gefoltert

Kurz nach Gongs Freilassung ging das Paar am 26. Dezember 2000 mit ihrem fünfeinhalb Monate alten Baby nach Peking, um für Falun Dafa zu appellieren. Sie wurden verhaftet, weil sie auf dem Platz des Himmlischen Friedens ein Spruchband hielten.

Li und ihre Tochter wurden nach drei Tagen Haft freigelassen. Doch war sie gezwungen für 17 Monate auf der Flucht zu sein, um einer erneuten Verhaftung zu entgehen.

Gong wurde 24 Tage lang im Untersuchungsgefängnis Fengtai in Peking festgehalten und brutal geschlagen. Am 23. Januar 2001 wurde er ins Untersuchungsgefängnis Nr. 2 des Landkreises Yilan zurückgebracht. Später wurde er zu zwei Jahren Zwangsarbeit verurteilt.

Er bekam Krätze am ganzen Körper und litt unter anderen gesundheitlichen Problemen.

Die Polizei erpresste 12.000 Yuan (1.550 Euro) von seinem Vater und ließ Gong danach auf Kaution frei.

Nachdem Gong freigelassen wurde, belästigten die Behörden seine Familie weiter und versuchten, sie zu zwingen, ihren Glauben aufzugeben.

Sein Arbeitgeber entließ ihn im Mai 2006.

Die ganze Familie in Mitleidenschaft gezogen

Die Polizei verhaftete Gong am 12. Dezember 2006 gegen 22 Uhr erneut.

Beamte gossen ihm kaltes Wasser in den Nacken und schlugen ihn. Wenn er das Bewusstsein verlor, gossen sie Wasser über ihn, um ihn wach zu machen. Die Polizei erlaubte Gong auch nicht, die Toilette zu benutzen. Sie führten eine Zwangsernährung bei ihm durch; damit wollten sie erreichen, dass er Informationen über andere Praktizierende preisgab. Gong gab nicht nach.

Li wurde wieder in die Flucht getrieben, nachdem sie der Verhaftung entkommen war. Ihre sechsjährige Tochter kam zur Großmutter. Die Kleine weinte oft und fragte nach ihren Eltern. Manchmal hielt sie das Foto ihrer Eltern in der Hand und weinte ununterbrochen.

Einmal sagte das kleine Mädchen zu seiner Großmutter: „Ich habe eine Frau im Park gesehen, die genau wie Mama aussah. Aber es waren so viele Menschen da. Ich habe mich nicht getraut, ihr nahe zu kommen, da ich Angst hatte, dass Mama wieder verhaftet wird.“

Lis Tochter Gong Yu im Alter von sieben Jahren.

Gongs Eltern wurden beide nach seiner Verhaftung krank.

Im Gefängnis von Jiamusi: Folter und Zwangsarbeit führen zu Zusammenbruch

Am 20. April 2007 verurteilte das Bezirksgericht Yilan Gong zu fünf Jahren Gefängnis. Am 4. Juni brachten sie ihn in das Gefängnis der Stadt Jiamusi.

Aufgrund der Folterung im Gefängnis erlitt Gong einen seelischen Zusammenbruch und verlor sein Gehör.

Trotz seines Zustandes zwangen ihn die Gefängnisbehörden, weiterhin unbezahlte Arbeit zu verrichten. Als die Wärter sahen, dass er nicht arbeiten konnte, schlugen und traten sie auf ihn ein. Vier Häftlinge mussten ihn zurück in seine Zelle tragen. Als die Häftlinge müde wurden, warfen sie ihn auf den Boden, wodurch er schwere innere Verletzungen erlitt.

Als Beamte das Gefängnis inspizierten, versteckten die Wärter Gong in einer Ecke, um zu verhindern, dass die Inspektoren ihn sahen.

Mehr als ein Jahr lang forderte Gongs Familie ununterbrochen Gongs Freilassung. Endlich bekam er im Dezember 2008 Haftaussetzung zur medizinischen Behandlung.

Zu der Zeit hatte Gong sein Gedächtnis verloren. Er konnte zu Hause niemanden erkennen, konnte nicht sprechen, nicht essen oder sich selbst versorgen. Er wurde oft ohnmächtig. Sein Urin war milchig-weiß. Er litt unter ständigen Brustschmerzen und hatte Atembeschwerden. Er hatte auch starke Schweißausbrüche, die oft seine Bettwäsche und Kleidung durchnässten.

Wieder genesen durch Falun Dafa – auf der Flucht vor den Verfolgern

Wundersamerweise überlebte er und gewann allmählich sein Gedächtnis zurück, als er wieder Falun Dafa praktizierte.

Gong bei seiner Hochzeit

Gong, ein Monat nach seiner Freilassung aus dem Gefängnis

Um eine erneute Verhaftung zu vermeiden, zogen Gong und Li in den Kreis Yanshou, etwa 160 Kilometer vom Kreis Yilan entfernt. Sie kauften jeder ein Auto und wurden Taxifahrer. Li erhielt von ihrem Arbeitgeber mehrere Auszeichnungen für die Rückgabe verlorener Wertsachen, die in ihrem Taxi gefunden wurden.

Bald darauf fand die Polizei in Yilan heraus, wo sie waren. Das Paar war gezwungen, seine Autos mit Verlust zu verkaufen und zog häufig um. Später gingen sie in die Stadt Qitaihe im Südosten von Yilan, etwa 150 Kilometer entfernt. Li verdiente ihren Lebensunterhalt mit der Betreuung von Gymnasiasten, und Gong machte Gelegenheitsarbeiten.

Die Polizei in Yilan hörte jedoch nie auf, nach ihnen zu suchen.

Bei der letzten Belästigung am 7. Dezember 2019 ist Li im Alter von 41 Jahren beim Fluchtversuch ums Leben gekommen. Gong lebt jetzt im Verborgenen, mit gebrochenem Herzen wegen des Todes seiner Frau und seiner eigenen unsicheren Zukunft.

Das Paar hatte Lis Schwester gebeten, sich um ihre inzwischen 19-jährige Tochter zu kümmern, während sie auf der Flucht waren. Deshalb sucht nun die Polizei auch nach ihnen.

Lis Familie und Freunde haben geschworen, um Gerechtigkeit für sie zu ersuchen.

Chinesische Version


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