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Das Gedicht zum Schmunzeln: Xin Qiji über den Zahnausfall

Zahnausfall

Das Harte
ist nicht von Dauer,
nur das Weiche
hat Bestand.

Wer das nicht glaubt,
betrachte nur den Mund,
in dem die Zunge
immer noch waltet,
wenn die Zähne
längst ausgefallen sind:
anfangs seitlich,
später aber auch vorne,
wo die Lücke dann
an das Mauerloch
für den Hofhund erinnert.

Kinder, lacht nicht
über einen alten Mann
der zwar seine Kauwerkzeuge
verloren hat,
nicht aber seine Scharfzügigkeit.

Xin Qiji (geb. 25.8.1140 bis gest. 3.10.1207) war ein bedeutender Lied-Dichter der Song-Zeit. Sein ungestillter Tatendrang, die Sehnsucht nach der Heimat (im Norden), den Hass auf die Eroberer und seine Verachtung gegenüber den Komporomisslern am Hofe, kam in vielen seiner Gedichte zum Ausdruck. Berühmt wurden seine Werke wegen ihrer Schönheit und Gefühlstiefe. Weil sie Zeugnis sind von seiner inneren Spannung die zwischen seinen persönlichen Idealen und der politischen Wirklichkeit bestand. Die Hauptthemen seiner Gedichte sind Naturschönheit, Weltflucht, Liebe, einfaches Landleben und eben, wie beschrieben; der patriotische Pathos.

The statue of Xin Qiji, located in Changsha, Hunan, China. Foto: Wikipedia/Huangdan2060

Die Song-Dynastie hatte die Herrschaft in China von 960-1279 n. Chr. und bestand aus zwei Teilen. Weil die Nördliche Song-Dynastie (960-1126) von Anfang an militärische Auseinandersetzungen mit den Nachbarvölkern (Kitan (Liao-Reich), Tanguten (Mongolen) Jurchen (Jin-Dynastie, Mandschuren) hatte und schliesslich von den Jurchen (Mandschurei) zu Fall gebracht wurde, etablierte Prinz Gaozong eine zweite, die Südliche Song-Dynastie (1126-1279) und sicherte so ihren Fortbestand.

Obwohl bald darauf die Möglichkeit bestand, den nördlichen Teil mit der Hauptstadt Kaifeng zurückzuerobern, wurde dieses Vorhaben zum Ärgernis Xin Qiji’s politisch verhindert. Selbst als der Volksheld und General Yue Fei dabei war die Rückeroberung zu erreichen, liess ihn Kaiser Gaozong verhaften und hinrichten. Stattdessen schloss der Kaiser einen Tribut-Frieden.

Der Niedergang der Song-Dynastie wurde unter anderem durch die Veruntreuung von Staatsgeldern, Steuerflucht und Vetternwirtschaft herbeigeführt. Die Mongolen hatten inzwischen ihre Herrschaft über Nordchina etabliert und ihre Hauptstadt nach Peking verlagert. Nun wurde die Eroberung Südchinas zu ihrem neuen Ziel. Die Hauptstadt Hangzhou kapitulierte 1276. Die Südliche Song-Dynastie fand ihr Ende und die Herrschaft der Yuan-Dynastie begann.

Xin Qiji wurde im nördlichen Gebiet der Song-Dynastie, in Jinan der Provinz Shandong in eine Gelehrtenfamilie geboren. Er wuchs bei seinem Grossvater auf und wurde zur Loyalität gegenüber dem Hause Song erzogen. Seine patriotische Gesinnung veranlasste den jungen Xin Qiji eine Truppe von 2000 Mann zu organisieren, um sich bei einem Aufstand gegen die Jurchen (Mandschuren) anzuschliessen. Der Aufstand schlug fehl und seiner kompromisslose Haltung begegneten die Song Herrscher mit Skepsis. Sie betrauten ihn nur mit untergeordneten Ämtern. Er wirkte als Gouverneur in den Provinzen Hubei, Hunan und Jiangxi und wurde mit 42 Jahren dann doch noch zwangsentlassen.

Quelle: Windgeflüster; Chinesische Gedichte über die Vergänglichkeit, Übertragen von Thomas O. Höllmann, C.H.BECK textura, Seite 67
Biografische Angaben zu Xin Qiji im Büchlein Frühling im Jadehaus von Reclam, Seite 237 und Lexikon der Chinesischen Literatur, Volker Klöpsch und Eva Müller, C.H. Beck Verlag, Seite 355, BBC Dokumentation über die Song-Dynastie hier.

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