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Bis zur Lähmung gefoltert – persönlicher Bericht über 13 Jahre Gefängnis in Jilin (Teil 2)

Teil 1: https://de.clearharmony.net/articles/bis-zur-lahmung-gefoltert-personlicher-bericht-uber-13-jahre-gefangnis-in-jilin-teil-1.html

Grausame Folter im Gefängnis Gongzhuling

Am 18. Juli 2007 wurde ich nach Beendigung der mehr als achtmonatigen Haft im Gefängnis Jilin in das Gefängnis Gongzhuling eingewiesen. Auf dem Weg zum Gefängnis kam der Polizist, auf den ich während des Gerichts hingewiesen hatte, zu mir. Er fragte, warum ich ihn herausgegriffen hätte, obwohl er mich nicht geschlagen hatte. Ich sagte ihm, dass er auch eine Rolle bei der Verfolgung spielen würde, da er falsche Aussagen gemacht habe.

Als ich zum Gefängnis gebracht wurde, weigerten sich die Wärter, mich aufzunehmen, als sie sahen, dass ich gelähmt war. Polizisten der Haftanstalt riefen jedoch den Verantwortlichen des Gefängnisses an, und nach einiger Diskussion wurde ich zu einer ärztlichen Untersuchung ins Gefängniskrankenhaus gebracht. Ich sagte den Ärzten, dass sie verantwortlich wären, wenn sie mich aufnehmen würden und wenn mir etwas zustoßen würde. Sie weigerten sich jedoch, mir zuzuhören und wollten mich zwingen, die Gefängnisuniform zu tragen, was ich ablehnte. Sie gaben auf, als sie bemerkten, dass ich nicht nachgab.

Ein paar Tage später kam meine Mutter und wollte mich sehen. Da ich mich weigerte, die Gefängnisuniform zu tragen, durfte ich sie nicht sehen. Als meine Mutter wiederkam, zog ich widerwillig die Gefängnisuniform an. Denn ich dachte, dass es für sie nicht leicht sei, mich zu besuchen, und dass sie traurig wäre, wenn sie mich nicht sehen könnte. Meine Mutter erschien in Begleitung meiner Schwester und meines Bruders. Sie weinte, als sie sah, dass ich gelähmt war. Meine Schwester fragte mich, ob ich meine Strafe reduzieren lassen könnte, während mein Bruder sehr traurig aussah und nichts sagte. Seitdem hat meine Schwester alle Verbindungen zu mir abgebrochen, da sie oft von den Behörden schikaniert und verhört wurde.

Im Januar 2008 wurde ich in die Rehabilitationsabteilung gebracht, nachdem die medizinische Abteilung im Gefängnis aufgelöst worden war. Um Gewinne zu erwirtschaften, zwang das Gefängnis die Insassen zu unbezahlter Arbeit. Das führte dazu, dass die Insassen sich stritten, während sie versuchten, mehr Arbeit zu bekommen, um ihre Haftzeit zu verkürzen.

Wärter Zhang Yaquan war für die Umerziehung von Falun-Dafa-Praktizierenden zuständig. Er kam oft zu mir und forderte die Insassen auf, mich genau zu überwachen; er gestattete mir nicht, mit anderen zu sprechen.

Meine Mutter besuchte mich im Januar 2008 erneut. Als sie versuchte, mit mir über das Telefon zu sprechen, stand Zhang neben ihr und versuchte, ihr zuzuhören, was bei ihr Ängste auslöste. Ich sagte dann zu Zhang: „Wenn Sie eine ältere Person wären und ein Beamter neben Ihnen stehen würde, während Sie versuchen, mit Ihrem Sohn zu sprechen, wie würden Sie sich dann fühlen?“

Er antwortete nicht und zog sich in den hinteren Teil des Raumes zurück.

Als der Besuch zu Ende war, folgte mir Zhang. Ich bat ihn dann, einen persönlichen Besuch für meine Mutter zuzulassen, da sie Hörprobleme hatte. Er sagte mir jedoch, dass ich erst zustimmen müsse, mich umerziehen zu lassen.

Als ich im Gefängnis angekommen war, hatte ich allen Gefängnisbeamten und Insassen erzählt, wie ich verfolgt wurde. Ich schrieb auch einen 13 Seiten langen Beschwerdebrief an den Obersten Gerichtshof der Provinz Jilin, um ihnen mitzuteilen, wie ich verfolgt und misshandelt wurde, weil ich meinen Glauben verteidigt hatte. Ich ersuchte das Gericht auch, diese Täter vor Gericht zu bringen und uns bedingungslos freizulassen. Nachdem sie den Brief gelesen hatten, begannen einige Leute, ihre Haltung gegenüber Praktizierenden zu ändern.

Vor dem chinesischen Neujahrsfest 2009 wurde ein Praktizierender namens Wang En’hui im Gefängnis mehrfach zwangsernährt, als er in den Hungerstreik trat. Als ich auf dem Weg zur Toilette war, sah ich wie Insassen Wang traten, ich hielt sie auf. Da ich jedoch gelähmt war, konnte ich sie nicht wieder aufhalten, als sie ihn erneut schlugen. Daher ging ich zum Gefängnisausbilder und bat darum, dass diese Häftlinge bestraft werden sollten. In dieser Nacht kam ein Häftling, um sich bei mir zu entschuldigen, und erzählte mir, dass Polizisten sie angestiftet hätten, Wang zu schlagen. Wang wurde nach einiger Zeit zu Tode gefoltert.

Alltag im Gefängnis und der letzte Besuch meiner Mutter

Der Supermarkt im Gefängnis wurde auch Schwarzmarkt genannt. Die Dinge waren nicht nur teuer, sondern die Insassen mussten die Wärter auch noch bestechen, wenn sie Dinge des täglichen Bedarfs kauften. Wenn das Gefängnis einen neuen Fernseher oder andere teure Dinge kaufen wollte, wandte das Gefängnis indirekte Mittel an, um die Insassen die Kosten tragen zu lassen. Wer sich beteiligte, erhielt Bonuspunkte, die für die Verkürzung der Haftstrafe angerechnet wurden.

Zhang gab jedem Häftling auch ein Heft, in dem meine täglichen Bewegungen festgehalten wurden, einschließlich der Zeit, zu der ich aufwachte, aß und mit wem ich sprach. Als er zu mir kam, um mit mir zu sprechen, erzählte ich ihm von Falun Dafa, aber er weigerte sich, mich sprechen zu lassen.

Ein anderes Mal sagte ich laut, dass das chinesische Regime Falun Dafa verfolgt und Polizisten allesamt Komplizen sind. Zhang ging ohne ein Wort davon. Ein Häftling bemerkte dann, dass Falun Dafa richtig sein müsse, da Zhang nichts gesagt hatte.

Einmal kam das Gesundheitsamt des Gefängnisses, um die Hygiene in dem Raum zu überprüfen. Alle standen in einer Reihe, nur ich nicht. Als der Direktor zu meinem Bett kam, fragte er mich, warum ich nicht aufstehen könne. Ich sagte ihm dann, dass mein Rücken von Polizisten verletzt worden sei.

Zwei Monate später wurde ich in die Erziehungsabteilung getragen, da die Beamten des Komitees für Politik und Recht dort waren, um meine Situation zu überprüfen. Sie wiesen den Häftling, der mich trug, an, mich auf einen Stuhl zu setzen. Doch ich weigerte mich und sagte ihnen, dass ich nicht im Unrecht sei und sie kein Recht hätten, mich zu verhören. Ich sagte dem Häftling, er solle mich stattdessen auf die Couch legen.

Als ich anfing, die Beamten nach ihren Namen und Titeln zu fragen, wurden sie unruhig. Ich bat sie auch, die Polizisten, die für meine Lähmung verantwortlich waren, vor Gericht zu bringen. Sie sagten, sie hätten keine Kontrolle über meine Angelegenheit.

Meine Mutter, die an fortgeschrittenem Krebs erkrankt war, besuchte mich 2010, da sie ahnte, dass es ihr letzter Besuch bei mir sein könnte. Sie sagte mir, sie wolle noch einmal meine Hand halten. Als ich Polizisten bat, meiner Mutter zu helfen, ihren letzten Wunsch zu erfüllen, lehnten sie ab.

Einige Monate später erfuhr ich, dass meine Mutter gestorben war.

Zähne fallen aus und die Verbindungen zur Familie brechen ab

Am 11. September 2012 erbrach ich Blut. Zu diesem Zeitpunkt begannen meine Zähne auszufallen, die durch die Zwangsernährung mit Senföl locker geworden waren. Da ich nicht ins Krankenhaus gehen durfte, konnte ich andere nur bitten, mir beim Herausziehen der Zähne mit einem dünnen Faden zu helfen. Fünf bis sechs Jahre lang war mein Zahnfleisch rot und geschwollen. Aufgrund der Zahnschmerzen hatte ich oft Kopfschmerzen und ein geschwollenes Gesicht. Etwa einen Monat lang war ich aufgrund der psychischen und physischen Schmerzen fast blind.

Nachdem meine Mutter gestorben war, starb auch meine Schwiegermutter. Meine Tochter und mein Bruder brachen wegen meiner langen Haftstrafe, meiner Behinderung und auch wegen der ständigen Schikanen durch Polizisten nach und nach ihre Verbindung zu mir ab. Von da an war ich im Gefängnis auf die Hilfe anderer angewiesen und hatte keine Familie mehr.

Liu Hongwei zeigt seine wenigen verbliebenen Zähne.

Die beschädigten Zähne, die von Liu Hongwei selbst gezogen wurden.

Im Jahr 2014 wies der Polizist Wang Renjian vom Bildungsministerium einen Insassen an, mich in ein Zimmer im zweiten Stock zu tragen. Da ich sehr schwach war, bat ich darum, dass sie mich und meinen Rollstuhl tragen sollten. Die Polizisten waren nicht damit einverstanden.

Wang sagte mir, dass sie eine Couch für mich vorbereitet hätten, da sie über meinen Gesundheitszustand Bescheid wüssten und versuchten, mich umzuerziehen. Ich sagte ihm, dass ihnen das nicht gelingen würde.

Am Nachmittag wurde ich von dem Häftling nach unten getragen. Da ich sehr schwach war und meine zitternden Hände sich nicht mehr an dem Häftling festhalten konnten, fiel ich nach hinten und schlug mit dem Kopf und dem Rücken auf den Boden. Ich wurde ohnmächtig.

Als ich wieder zu mir kam, lag ich auf meinem Bett. Polizisten wollten mich ins Krankenhaus bringen, aber ich weigerte mich. In den folgenden Tagen konnte ich meinen Kopf nicht bewegen; meine Beine und Hände waren geschwollen und ich brauchte jemanden, der mich fütterte.

„Umerziehung“ scheitert

Als es mir etwas besser ging, kam Wang wieder, diesmal mit zwei anderen Personen. Sie schoben mich in meinem Rollstuhl in ein Zimmer und begannen eine Diskussion unter sich zu führen, wie sie mich umerziehen könnten. Ich beobachtete sie schweigend. Zwei bis drei Stunden später fragte mich Wang, ob ich mit ihnen einverstanden sei. Ich sagte ihm, dass sie sehr gut gesprochen hätten, aber was sie sagten, hätte nichts mit mir zu tun. Seitdem belästigte mich Wang nie wieder.

Im Jahr 2017 versuchten Gefängniswärter, mir jeden Monat Punkte zu geben, in dem Versuch mich umzuerziehen. Ich sagte ihnen, dass ich sie nicht bräuchte, und weigerte mich, eines der Bonuspunkte-Formulare zu unterschreiben. Sie hörten auf, nachdem sie sahen, dass sie mich nicht dazu bewegen konnten.

Nach fast 13 Jahren der Verfolgung und Folter waren mir fast alle Zähne ausgefallen und meine Haare grau geworden. Mein Augenlicht war stark geschädigt, und ich hatte wegen meines stark deformierten Rückens jede Nacht Schlafprobleme. Meine Beine waren kalt und taub, und ich fühlte mich oft schwindelig. Ich hatte Herzklopfen und musste Husten, begleitet von Erbrechen. Ich fühlte oft Schmerzen in der Brust und hatte Kopfschmerzen.

Da ich nur noch wenige Zähne hatte, fiel es mir schwer, zu essen, und ich musste das Essen ganz schlucken, was manchmal dazu führte, dass es in meiner Luftröhre stecken blieb. Das Schlucken von Nahrung hatte zu Verdauungsstörungen, Schwellungen und Schmerzen im Magen geführt, und häufig traten Darmstörungen auf.

Ich wurde am 24. Oktober 2019 nach 13 Jahren Gefängnis entlassen. Ich verließ das Gefängnis im Rollstuhl.

Im Pflegeheim fast wie im Gefängnis verfolgt

Am Tag meiner Entlassung wurde ich aus dem Gefängnis heraus und in ein Polizeiauto geschoben, das draußen auf mich gewartet hatte. Einige Praktizierende aus der Stadt Jilin, die gekommen waren, um mich abzuholen, wurden von den Behörden fotografiert.

Polizisten brachten mich in die Stadt Siping, zu meiner Tochter, aber sie weigerte sich, mich aufzunehmen, da sie nicht wieder hineingezogen werden wollte. Polizisten brachten mich dann in ein Pflegeheim und fälschten meine Unterschrift, damit ich aufgenommen wurde.

Bei meiner Ankunft wurde ich in ein Zimmer mit drei Betten gebracht, in dem ein älteres Ehepaar wohnte. Ich war müde und wollte mich ausruhen. Als ich mich jedoch zudecken wollte, bemerkte ich, dass die Decke mit Kot- und Urinspuren bedeckt war und einen starken Geruch hatte. Ich musste nicht nur bei dem Paar bleiben, sondern es gab auch einen abgeschlossenen Raum mit einem 24-jährigen Mann, der psychische Störungen hatte. Ich konnte nicht einschlafen, da der Mann ständig schrie.

Am nächsten Tag kam der Praktizierende Daping, der auch mein guter Freund ist, aus Changchun zu mir. Der Leiter des Pflegeheims versuchte, ihn am Betreten zu hindern, da Polizisten angewiesen hatten, dass jeder, der mich besuchte, von drei Polizisten begleitet werden müsse.

Polizisten fragten Daping nach seinem Ausweis, und er sagte ihnen, er sei gekommen, um sich als Freund um mich zu kümmern. Polizisten erlaubten ihm, mich am nächsten Tag zu besuchen.

Als Daping wiederkam, brachte er eine Menge Essen für mich mit. Als er den Zustand des Zimmers sah, sagte er den Pflegeheimbehörden, sie sollen mich in ein besseres Zimmer verlegen, und seine Forderung wurde angenommen.

Die Menschen, die sich im Pflegeheim aufhielten, waren entweder geisteskrank oder behindert. Die Wohnverhältnisse und die Verpflegung entsprachen fast denen des Gefängnisses. Jeden Tag konnte ich die meiste Zeit nur im Bett liegen und durfte keinen anderen Ort aufsuchen. Da es sich um ein privates Pflegeheim handelte, gab es nur sehr wenig Heizung, da sie Geld sparen wollten. So war der Raum immer mehr als 20 Stunden am Tag kalt.

Während meines Aufenthaltes im Pflegeheim kamen die örtlichen Behörden und machten Fotos von mir, um einen Ausweis und eine Haushaltsanmeldung für mich zu machen.

Mit Hilfe von Daping und anderen Praktizierenden konnte ein Teil meiner Bedürfnisse erfüllt werden.

Wieder Hungerstreik und die Forderung nach Recht auf Freiheit

Ab dem 12. Dezember begann ich, Briefe an die lokalen Behörden zu schreiben, um sie über meine Behinderung und die aktuelle Situation im Pflegeheim zu informieren. Ich verlangte auch, in mein normales Leben zurückkehren zu können. Auch Daping versuchte,, mit den Behörden in Verbindung zu treten, um mich aus dem Pflegeheim herauszuholen.

Die Behörden stimmten Dapings Antrag nach dem Jahreswechsel zunächst zu. Als die Behörden jedoch seinen Ausweis überprüften und feststellten, dass Daping zuvor Zwangsarbeit hatte verrichten müssen, weil er Falun Dafa praktizierte, begannen sie, den Prozess zu verzögern.

Ich trat in den Hungerstreik und aß und trank drei Tage und drei Nächte lang nichts. Ich rief die Behörden an und sagte ihnen, dass ich mein Leben einsetzen würde, um mein Recht auf Freiheit zu verteidigen. Die Leiterin des Pflegeheims berichtete den Behörden auch von meinem Hungerstreik.

Am nächsten Tag wurde Daping gesagt, dass er mich aus dem Pflegeheim herausholen könne. Doch musste er jemanden finden, der kein Praktizierender war und der mein Vormund sein könnte. Daping schaffte es, einen Betreuer für mich zu finden und mietete auch eine Zweizimmerwohnung für mich.

Am 22. Februar 2020 wurde ich aus dem Pflegeheim in die Mietwohnung gebracht. Die örtlichen Behörden kamen jedoch in meine Wohnung und fotografierten alles.

Quelle Minghui

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