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Bildbetrachtung: Lotosblumen bewundern

Ein bärtiger Gelehrter stützt seine Ellbogen auf der Seite seines Bootes auf und legt sein Kinn in die Hände. Er lehnt sich hinüber, um einen Blick auf die Lotosblumen zu erhaschen, an denen das Boot vorüber zieht …

Der Gelehrte ist der Philosoph Zhou Dunyi, (1017-1073). Als führende Figur im frühen neokonfuzianischen Denken, schrieb Zhou unter anderem ein kurzes Essay “Über die Liebe zum Lotos”. In diesem beschreibt er den Lotos als “Mann der Tugend”, im Gegensatz zur “einsiedlerischen” Chrysantheme und der “aristokratischen” Pfingstrose.

Zhou Dunyi, (1017–1073) bewundert Lotosblüten, gemalt Mitte des 17. Jahrhunderts
von Kaihō Yūsetsu  (1533–1615
)

Zhou Dunyi lebte während der Nördlichen Song-Dynastie, die von 960-1126 n. Chr. andauerte. Nach dem Zusammenbruch der Tang kamen erste Impulse von konfuzianischen Denkern, die sich den Konfuzianismus als führende Philosophie für Herrscherhaus und Bevölkerung wünschten. Diese Renaissance des Konfuzianismus war keineswegs monolithisch. Viele Denker orientierten sich nach wie vor an daoistischen und buddhistischen Vorstellungen, insbesonders für die eigene spirituelle Selbstkultivierung.

Zhou Dunyi wurde im heutigen Hunan in eine Familie von wissenschaftlichen Beamten geboren. Als 14-jähriger verlor er den Vater und wurde von seinem Onkel mütterlicherseits adoptiert. Dank der Arbeit seines Onkels erhielt Zhou Dunyi seinen ersten Regierungsposten. Es ist überliefert, dass er bei seinen Aufgaben sehr gewissenhaft war und von seinen Kollegen und Vorgesetzten viel Lob erhielt. Zhou Dunyi weigerte sich jedoch die ordentliche Prüfung abzulegen, die ihm den Zugang zu den Eliten der Song-Gesellschaft ermöglicht hätte.

Gegen Ende seines Lebens wurde Zhou Dunyi krank und nach Xingzi in der Provinz Jiangxi versetzt. Am Fusse des Berges Lu liess er sich nieder. Er baute sich einen Rückzugsort entlang eines Nebenflusses. 1071 trat er aus dem Amt aus und starb ca. 18 Monate später.

Obwohl Zhou Dunyi als er noch lebte, nicht so bekannt war wie man es annehmen könnte, wurde er von seinen Weggefährten sehr respektiert und verehrt. Er wurde geschätzt für seine freundliche und warmherzige Persönlichkeit und seinen intuitiven Einblick in das Dao des Himmels. 1200 n. Chr. wurde ihm posthum der Titel Yuangong (“Herzog von Yuan”) verliehen. 1241n. Chr. wurde ihm mit einer Zeremonie im offiziellen konfuzianischen Tempel gedacht. Im 18. Jahrhundert benannte der Qianlong-Kaiser der Qing-Dynastie einen ganzen Komplex mehrerer Bauten nach ihm.

Quelle: IEP – Internet Encyclopedia of Philosophy und Metropolitan Museum of Art New York.

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