Share on facebook
Share on twitter
Share on telegram
Share on google
Share on email
Share on print

Bai Juyi; Präfekt und Poet mit einem Herz für die einfachen Leute

Obwohl Bai Juyi ein hoher Beamter war, sparte er nicht mit kritischen Worten, wenn er es für nötig hielt. Seine Gedichte, die in einfacher und verständlicher Sprache verfasst sind, fanden in der Bevölkerung grossen Anklang. Seine realistische Weise zu Schreiben wurde sogar zu einer eigenen Kategorie und beeinflusste die Entwicklung der Lyrik in seiner Zeit.

Bai Juyi (772-846 n. Chr.) lebte in der mittleren Phase der Tang-Dynastie. Er stammte aus einer verarmten aber sehr gebildeten Familie. Früh beginnt er mit dem Verfassen von Gedichten. Mit 28 Jahren besteht er die Beamtenprüfung. Er macht rasch Karriere und wird ein hoher Verwaltungsbeamter. Zusätzlich ist er Lektor der Bibliothek und Mitglied der kaiserlichen Akademie der Schreibkünste. Gerade weil es das Leben so gut mit ihm meint, fühlt sich Bai Juyi dazu verpflichtet, den Kontakt zur Realität des einfachen Volkes nicht zu verlieren. Seine Gedichte halten die historischen Ereignisse und das allgemeine menschliche Dasein in der damaligen Gesellschaft fest. Er wählt bewusst eine einfache und verständliche Sprache, was die Popularität seiner Gedichte in der Bevölkerung erklärt. Es wird berichtet, dass Gedichte von Bai Juyi als Zahlungsmittel auf Märkten verwendet und sogar ins Ausland verkauft wurden.

Alter Holzkohlenverkäufer

Ein alter Holzkohlenverkäufer fällt Bäume am Südberg
und liefert sie aus an die Meiler.
Von Russ bedeckt sein Gesicht, schwarz die zehn Finger, grau beide Schläfen.
Wozu das Geld aus dem Kohlenverkauf?
Es ist für Kleidung und Essen bestimmt.
Jämmerlich seine spärliche Kleidung.
Sorgt sich: der Kohlepreis sinkt. Hofft: das Wetter bleibt kalt.

Nachts fiel knöcheldick Schnee auf die Mauer der Stadt.
Im Morgengrauen rollt sein Kohlearten durch vereiste Wagenfurchen.
Erschöpft ist das Rind, hungrig der Mensch. Hoch steigt die Sonne.
Vorm Stadttor rastet der Alte am schlammigen Weg.

Da reiten zwei schmucke Reiter herbei: wer sie wohl sind?
Ein Kaiserbote im gelben Gewand, sein Bursche in Weiss.
Ein Dekret wird entrollt: der Auftrag des Kaisers.
Der Rinderkarren wendet sich Richtung Palast.
Die Holzkohlenfuhre wiegt mehr als eintausend Jin,
Der Hofdiener schleppt sie davon.
Dafür wird bezahlt: rotes Garn, halber Ballen und Seide, ein Zhang.
Der Holzkohle Wert? Sie reicht für den Kopfschmuck des Rindes!

Anmerkung: Eintausend Jin (1 Jin ist 500 Gramm) In der Tang-Zeit galt Seide als Zahlungsmittel. Ein Zhang entspricht 3.3 Meter. Hier handelt es sich um einen ungleichen Handel. Der Preis für die Holzkohle wurde von dem Boten sehr tief gedrückt.

Bai Juyi wird während seiner Beamtenlaufbahn auch zurückgestuft, beziehungsweise in die südlichen Provinzen strafversetzt, als direkte Konsequenz seiner kritischen Bemerkungen. Als Verwalter auf Zeit kümmerte er sich nacheinander um mehrere südliche Provinzen. Seine Gedichte veränderten sich mit seiner Lebenssituation. Er lenkte seine Aufmerksamkeit vermehrt auf Landschaften. In seinen späteren Jahren begann er mit dem Studium buddhistischer Schriften. Er lebte abgeschieden und widmete sich seiner Kultivierung. Er starb 75-jährig. Mehr als 3800 Gedichte sind von ihm erhalten geblieben.

Quellen: Berichte von Clearharmony.net und die Bücher Leise hör’ ich Blüten fallen von Yan Zhao und Dieter Ziethen, Hefei Huang Verlag, Seite 59, 67 und Frühling im Badehaus, Klassische chinesische Gedichte von Reclam, Seite 123.

Das Neueste

Archiv