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Chinas traditionelle Waffenkunst: The Epoch Times: Taiwanischer Schwertmacher lässt Vermächtnis wieder aufleben

1. Veröffentlichung am
25.05.2009

Chen demonstriert, wie er Stahlstäbe in seiner Werkstatt zu Schwertern formt. Es ist ein langer und mühseliger Prozess. Der kleinste Irrtum kann die Schneide ruinieren, die andererseits Zehntausende von Dollar einbringt. (Matthew Robertson/The Epoch Times)

Taipeh, Taiwan – Während Chen Shih-Tsung im Süden Taipeihs in seiner Wohnung auf dem Sofa sitzt, lagert hochlegierter Stahl im Wert von Zehntausenden von Dollar auf Ablagen hinter ihm – jedes einzelne Stück seine eigene Kreation. Er ist der einzige Mensch auf dem Planeten, der solche Schwerter herstellt.

In der chinesisch sprechenden Welt der Waffenkunst ist Chen berühmt. Er wuchs mit Geschichten über Waffenkunst, dem chinesischen Äquivalent der Abenteuergeschichten, auf und entwickelte langsam den Wunsch, ein lebender Schwertmacher zu werden. Chen brauchte acht Jahre und eine enorme Summe Geld, um seinen Traum zu verwirklichen. Er ist der erste Mensch in moderner Zeit, der die Art von Schwertern wieder entstehen lässt, von denen man annimmt, dass sie im alten China benutzt wurden und er gibt seine Kunst jetzt an seine Söhne weiter.

Etwas über sechzig, groß, schlaksig und lebhaft sitzt Chen in einer Ecke seines Sofas und erzählt, wie er viel Zeit seines Lebens dem Lesen der Schriften gewidmet hat, die in den Erzählungen über Waffenkunst überliefert wurden.

Eine mystische Suche

Chen verbrachte viele Jahre als Gebrauchtwagenhändler und wurde nach und nach vermögend. Gleichzeitig las er begierig alles über die Traditionen der Schwertmacher und reiste auf der Suche nach ihnen viel umher. Legenden erzählen von vergrabenen Handbüchern, die detailliert die Herstellung der unfehlbaren heiligen Schwerter beschreiben. Er reiste durch Taiwan und dann durch China, fand aber nichts Spezifisches. Die Kommunisten haben während der Kulturrevolution viele Bücher verbrannt, die diese Traditionen dokumentierten. Nichtsdestoweniger lernte er im Laufe der Jahre allgemein immer mehr dazu und begann dann langsam zu experimentieren. Er fing an, selber Schwerter herzustellen.

Wenn man Chen zuhört, dann ist es so, als ob man in die Geschichten über Waffenkunst eintritt, die er zu lesen pflegte. An einem Punkt seiner Reisen entdeckte er, dass die alten Schwerter aus geschmolzenem Meteoritenmaterial hergestellt wurden – was natürlich heute unmöglich ist, weil nicht so viele Meteoriten fallen wie vor Tausenden von Jahren und der moderne Mensch ohnehin nicht mehr weiß, wie die Alten die Meteoriten in Schwerter verwandelten. Er sagt auch, dass seine Schwerter mit besonderen Kräften ausgestattet seien und dass er der Erste war, der von himmlischen Wesen, die ihn in seinen Träumen besuchten, lernte. Der erste Eintrag, den er in seinem Buch niederschrieb, war : „Worte des purpurnen Eremiten von Hao Yuans Himmlischer Schule."

Der purpurne Eremit betrachtet den Vorgang des Schwertgießens als einen, der „das Universum aufschrecken und die Götter anrühren kann." Der Eremit schreibt:" Nur Meister können die magischen Kräfte freisetzen, die in ihnen verborgen sind."

Bevor er sein erstes Schwert erfolgreich vollendete, hatte Chen einen besonders lebhaften Traum. Lichter, Göttinnen und himmlische Wesen erschienen in einem glanzvollen Reigen vor seinen Augen. Sie kommunizierten stumm mit ihm und zeigten ihm, wie er die Schwerter machen müsse. Dieses war auch nicht das erste Mal, dass er solche Visionen hatte. Während er in seiner Werkstatt war, erschienen Göttinnen an seiner Seite und gaben ihm Anweisungen. Aber er ist zurückhaltend, als er die Szenen näher beschreiben soll und meint, dass die meisten modernen Menschen es ohnehin nicht glaubten.

Anders als bei den Schmieden im alten, feudalen China ist Chens Arbeitsertrag beträchtlich. In einem Durchgang stellt er für gewöhnlich zehn Schwerter her, weil er, während eines noch abkühlt, schon zum nächsten geht. Wenn der Stahl einer Schneide durch die Schleifscheibe zu heiß wird, geht er zur nächsten Schneide.

Chen Shih-Tsung, der über Sechzigjährige, erklärt die chemischen Reaktionen, die notwendig sind, um beim Schwertherstellen Erfolg zu haben. (Matthew Robertson/The Epoch Times)

Chen benötigt eine spezielle Kombination von hochwertigen Stählen, um die Schwerter herzustellen. Sie müssen extrem fest sein – wenigsten 58 bis zu 65 auf der Rockwell Skala. Nach der Rockwell Skala wird die Härte von Metallen gemessen. Sie wurde im frühen zwanzigsten Jahrhundert in den USA entwickelt. Ein Meißel oder eine Axt liegen auf der Skala zwischen 40 und 45. Das gibt einem eine Vorstellung davon, wie hart Chens Schwerter sind. Sie können Felsen in zwei Hälften teilen.

Die unglaublich hohen Kosten für das Rohmaterial und die Produktion der Stäbe sind einige der Faktoren, die Chen zum einzigen Gießer solcher Schwerter macht. Andere Schwertschmiede arbeiten vielleicht so, dass sie das Material erhitzen und dann in Form hämmern, entweder manuell oder mit Hilfe einer Maschine. Sie schleifen sie später. Aber diese Schwerter, die mit dieser Methode hergestellt wurden, können sich mit Chens Schwertern nicht messen.

Bei seiner Herstellung kommt es auf die Zusammensetzung des Materials an. Chen brauchte acht Jahre, um auf die Formel für seine Schwerter zu stoßen und hat sie seitdem nicht verändert. Das Schwert muss einerseits extrem hart und andererseits höchst flexibel sein. (Während des Interviews nahm Chen ein Schwert von der Ablage und bog es um mehr als 60 Grad.) Die Schwerter, die in offener Flamme erhitzt und dann in Form geschlagen werden, sind nicht so hart wie die von Chen, obwohl sie in Hightech Hochöfen modernster Stahlfabriken hergestellt werden.

Ein innerer Zugang

Chen erklärte, dass das Herz unglaublich ruhig sein müsse, wenn man ein Schwert herstellt. Er meditiert eine Stunde lang, bevor er mit dem Schleifen beginnt. Diese Art von Schwertgießen hat ein unersetzliches menschliches und spirituelles Element. Einer der arbeitsintensivsten Schritte in dem Prozess ist der, die Schneiden der Stahlstäbe mit Hilfe einer sich schnell drehenden Schleifscheibe zu schleifen.

Das Schleifen erfolgt in seiner Hütte auf dem Lande. Wie ein Künstler, der von purer Inspiration lebt, pflegt er zwanzig Stunden hintereinander zu arbeiten, unterbrochen nur vom Essen, Trinken und dem Gang zur Toilette. An diesem Punkt hängt alles vom „Handgefühl" ab, etwas, was nur durch Erfahrung erreicht werden kann.

Der gesamte Prozess muss auch in nur einem Durchgang erfolgen. Hat der Handwerker einmal das Gefühl verloren, wird er es niemals mehr wiederbekommen.

Chen lacht, als er eines seiner unvollendeten Schwerter auf die Ablage links zurücklegt. Jedes, auf seinem Dachboden in Zeitungspapier eingewickelt, ist Tausende wert. (Matthew Robertson/The Epoch Times)

Stahlstäbe in Schwerter zu schleifen, erfordert eine unglaubliche Präzision. Wenn der Grat nicht genau im Zentrum liegt, oder nicht absolut gerade ist, wenn der Schnitt auf einer der Kanten zu tief ist, ist die Arbeit ruiniert. Auch Hitze kann die Klinge gefährden.

Das Schleifen eines Metallstücks auf einem Schleifstein lässt es sehr heiß werden. Die Hitze verursacht eine Ausdehnung des Stahls. Wenn der Stab sich zu sehr ausdehnt, ist er deformiert und nutzlos. Auch hier ist das menschliche Element wesentlich; denn es gibt keine Formel für den Umgang mit der Wärmeausdehnung bei der Herstellung von Schwertern. Alles hängt von der Geschicklichkeit und Erfahrung ab und es braucht Jahr, um beides zu entwickeln.

Und doch ist das Schleifen des Schwertes nur die halbe Geschichte. Wenn ein Schwert erst einmal geschliffen und poliert ist und Griff und Scheide erhalten hat, beginnt ein anderer Prozess. Dieser kann das Schwert in ein wertvolles oder wertloses verwandeln.

Der Schwertmacher muss jeden Tag das Schwert mit einem Tuch abreiben. Das erzeugt Hitze und die Molekularstruktur des Stahls verändert sich, wenn er nach dem Reiben heiß wird. Nach zwei oder drei Jahren täglichen Reibens wird die Struktur des Stahls stabil. Zu der Zeit wird das Schwert nie wieder rosten und weitere Pflege ist nicht nötig.

Das Reiben funktioniert dank eines einfachen chemischen Prinzips. „Materialien aus Eisen und Stahl rosten, wenn sie mit der Luft in Berührung kommen, weil die Luft Feuchtigkeit enthält", erklärt Chen. Die Feuchtigkeit der Luft wird durch Poren im Metall absorbiert und dann mit Metallkristallen verbunden. Das Resultat ist eine chemische Veränderung, die Oxidation und Rost verursacht. Anders ausgedrückt: Materialien aus Eisen und Stahl rosten nicht, wenn keine Poren vorhanden sind."

Die einzige Art und Weise, die Poren los zu werden, ist die, den Stahl so lange zu reiben, bis er heiß wird. So wird der geringe Aluminiumgehalt zum Schmelzen gebracht. Weil aber Aluminium einen tieferen Schmelzpunkt hat, steigt er zur Oberfläche, schmilzt dort und verstopft die Poren. Es dauert Jahre, bis man das völlig erreicht hat.

Chen ist dabei, seine Söhne im Schleifen von Schwertern zu unterrichten und es hängt von ihnen ab, ob die Tradition fortgesetzt wird

Dieses Gewicht lastet schwer auf ihm. Die Tradition des Schwertgießens ist außerordentlich bedeutsam für Chen. „Der Wert eines meisterlich gefertigten Schwertes kann nie mit Geld kalkuliert werden", erklärt er. „Es ist ein unschätzbarer Wert, der zum Erbstück für zukünftige Generationen werden sollte, damit sie es bewundern und in Ehren halten können."

Originalartikel (englisch): http://www.theepochtimes.com/n2/content/view/17164/

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