Geschichten aus alter Zeit: Kaiser Tang Taizongs Prinzipien basierten auf Nachsicht

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Geschichte: Kaiser Tang Taizongs Prinzipien basierten auf Nachsicht
(1) Kaiser Tang Taizong legte Wert auf Nachsicht

In der Zhenguan Ära, dem Jahr Eins der frühen Tang Dynastie (618-917 n. Chr.), wurde in Qingzhou ein Komplott gegen den Kaiser entdeckt und örtliche Beamte nahmen viele Menschen fest. Das lokale Gefängnis war voll. Unbehaglich ob dieser Situation, entsandte Kaiser Taizong den Ermittlungsbeamten Xue Renshi, die Sache genauer zu untersuchen.

Gleich nachdem Xue im Gefängnis eintraf, befahl er den Wärtern, den Gefangenen die Fesseln abzunehmen und sie mit passender Nahrung und Bademöglichkeiten zu versorgen. Am Ende seiner Anwesenheit waren es nur noch eine Handvoll Gefangene, die für ihre Verbrechen bestraft wurden.

Sun Fujia, ein hoher kaiserlicher Gerichtsbeamter, hinterfragte Xue Renshis Bilanz und fand, Xue habe zu viele Gefangene freigelassen. Xue verteidigte seine Handlungen: „Entsprechend der Anweisungen des Kaisers, sollten wir bei der Behandlung von Kriminalfällen, unsere Entscheidungen auf der Basis von Barmherzigkeit und Nachsicht treffen. Wie könnte ich Urteile nach den Anweisungen höherer Beamter fällen und Menschen bestrafen, obwohl sie unschuldig sind? Solange ich Urteile auf der Grundlage von Gerechtigkeit und moralischen Prinzipien fälle, und selbst wenn ich dabei Familie und Verwandte des Kaisers verletzen würde, und sie mich dafür töten würden, empfände ich keine Reue.“

Kaiser Taizong wollte Sun Fujia den Vertrauensbonus geben und so entsandte er einen anderen Beamten, um die Vorgehensweise von Xue Renshi zu untersuchen. Alle Beweise zeigten, dass die begnadigten Gefangenen in der Tat unschuldig waren. Nachdem Kaiser Taizong den Bericht gelesen hatte, wusste er, dass er Xue Renshi noch mehr vertrauen konnte.

(2) Barmherziges Herrschen und Morallehren machen Zhenguan zur Spitzenära in der chinesischen Geschichte

Die chinesische Kultur beruht auf Prinzipien des Konfuzianismus, Buddhismus und Taoismus. Diese Religionen und Lehren erreichten während der Tang Dynastie ihren Höhepunkt. Die allgemeinen Pflichtfächer der drei [Kultivierungs-]Schulen dienen der Berichtigung des menschlichen Herzens. Die Wirkung dieser Prinzipien in der Gesellschaft geht weit über die von Recht und Ordnung hinaus.

Kaiser Taizong vertraute auf Barmherzigkeit und Nachsicht seitens der Obrigkeit und war für unterschiedliche Meinungen zugänglich. Unter seiner Herrschaft war das Gesetz einfach und nachsichtig, doch seine Regeln für öffentliches Verhalten waren streng und klar. Die Leistungen der Tang Dynastie sind in der chinesischen Geschichte unübertroffen. Im Jahre Vier der Zhenguan Ära wurden nur neunundzwanzig Verbrecher abgeurteilt. Es war eine harte Zeit, da China gerade erst einen blutigen Krieg beendet hatte und die Menschen und die Regierung vor ökonomischen Schwierigkeiten standen. Trotzdem befand sich die Gesellschaft, weil der Kaiser auf Morallehren baute, in guter Verfassung. Die Menschen lernten, in Übereinstimmung mit diesen Prinzipien ihr eigenes Verhalten zu beschränken. Angesichts von Naturkatastrophen hielten die Menschen zusammen und konnten sie überwinden. In den folgenden Jahren erlangte die Nation ihren Wohlstand zurück. Die soziale Ordnung verbesserte sich, Menschen ließen ihre Türen unverschlossen und nahmen nichts an sich, was auf der Straße lag und ihnen nicht gehörte. In den letzten Jahren der Zhenguan Ära konnten Menschen, wenn sie vergaßen, für unterwegs Essen mitzunehmen, in Wohnungen von Fremden essen. Dies war eine Zeit, auf die Menschen Tausende Jahre neidisch waren. Historiker bezeichneten die Zeit Kaiser Taizongs als Mustergesellschaft von Zhenguan.

(3) Tang Taizongs Reform der extremen Bestrafung

Von Beginn an wendete Kaiser Taizong viel Mühe auf, um harsche Bestrafung zu reformieren. Im Geschichtsbuch der Song Dynastie „Zi Zhi Tong Jian“ heißt es: Der Kaiser wies Zhangsun Wuji, den Obersten Richter und andere Beamte an, mit Gelehrten und Richtern zusammenzuarbeiten, um die Strenge der Gesetze zu reduzieren. Also hoben sie für 50 Arten von Verbrechen die Strafe `Tod durch Erhängen` auf. Sie beantragten, die reguläre Todesstrafe durch `Abhacken der rechten großen Zehe` zu ersetzen. Doch der Kaiser hatte immer noch das Gefühl, dies sei zu grausam und sagte zu ihnen: „Körperverletzende Bestrafung muss für lange Zeit obsolet sein. Ihr solltet Alternativen finden“. Schließlich schlug der Beamte Pei Hongxian vor, diese Strafen durch Schwerarbeit zu ersetzen, und zwar 1500 km von zu Hause entfernt und für die Dauer von drei Jahren. Der Kaiser billigte dies.

Später entdeckte der Kaiser, dass ein Beamter seine Familienabstammungslinie in einer persönlichen Selbstdarstellung fälschte. Er befahl dem Beamten, hervorzutreten und es einzugestehen. Wenn in der Vergangenheit jemand erwischt wurde, der einen solchen Betrug beging, wurde er zum Tode verurteilt. Der Kaiser war zornig und ordnete an, dass der Mann getötet werde.

Dai Zhou legte in seinem Bericht Beschwerde ein: „Gemäß unserem neuen Recht, sollte dieser Mann ins Exil geschickt werden.“ Der Kaiser war nicht erfreut: „Wenn ihr dem Gesetz folgt, werde ich meine Glaubwürdigkeit verlieren!“ Dai Zhou argumentierte: „Ihre Anweisung, den Mann zu verurteilen, war wegen ihres persönlichen Ärgers. Doch das Gesetz ist die Grundlage für das Land, das Vertrauen des Volkes zu erhalten. Eure Majestät war durch den Betrug verletzt und so wiesen sie an, dass der Mensch getötet werde. Wir aber wissen, dies ist nicht rechtens, besonders jetzt, wo das neue Gesetz gerade erst beschlossen wurde. Wir sollten alle dem Gesetz folgen. Ich bezeichne dies als ‚den kleinen Ärger ertragen, das große Prinzip bewahren‘“. Der Kaiser war beeindruckt und sagte: „Worüber sollte ich mir noch Sorgen machen, wo ich nun jemanden wie dich habe, um das Gesetz auszuüben?“

Dai Zhou war geradeheraus und unbeirrbar in seiner Arbeit. Für die Wahrung des Rechts fürchtete er nicht, dem Kaiser zu widersprechen. Selbst der Kaiser hörte auf ihn. Und so waren Ungerechtigkeiten sehr selten.

Kaiser Taizong legte Wert auf Nachsicht, konnte seine persönlichen Gefühle überwinden und das Gesetz respektieren. Aus diesem Blickwinkel betrachtet, ist klar, dass Taizong ein Kaiser mit großer Barmherzigkeit war.

(Geschichte aus dem Buch der Qing Dynastie “Buch der sozialen Harmonie” von Zhou Siren)

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