Geschichten aus dem alten China: Der Wert der Ehe im alten China

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Dies ist die Geschichte eines Gelehrten, Liu Tingshi, der Qi Präfektur (der heutigen Provinz Shandong) in Chinas Nördlicher Song Dynastie (960 – 1279 n. Chr.) Nachdem Liu die Zivildienstprüfung auf der Provinzebene bestanden hatte, wurde er als Beamter auf der mittleren Ebene in der Präfektur Tong eingesetzt, ein eher hervorragender Erfolg in der damaligen Zeit. Su Dongpo (1037 -1101 n. Chr.), einer der berühmtesten chinesischen Literaturgiganten in der chinesischen Geschichte, war der damalige Gouverneur der Tong Präfektur. Su Dongpo schätzte Liu Tingshi wegen seines Charakters hoch und übertrug ihm wichtige Aufgaben.

Bevor Liu Tingshi die Zivildienstprüfung auf der Provinzialebene absolvierte, traf er eine zivile Dame in seiner Stadt und beabsichtigte, sie zu heiraten. Doch die Verlobung war nicht offiziell, weil Liu ihren Eltern nicht den Brautpreis bezahlt hatte, um sie förmlich zu machen.

Später erwarb Liu Tingshi die Provinzialebene der Zivildienstprüfung, wurde ein Regierungsbeamter der mittleren Ebene und wurde von Su Dongpo, dem berühmten Literaturgiganten hoch angesehen. Jeder wusste, Liu Tingshi war ein viel versprechender junger Mann, mit einer Menge Karriereperspektiven. Doch die Braut erkrankte ernsthaft und verlor ihr Augenlicht völlig. Die Eltern der Braut waren arme Bauersleute und so fürchteten sie, ihre Tochter wäre es nicht wert, Liu zu heiraten und wagten nicht, das Thema der Verlobung zur Sprache zu bringen.

Ein Freund von Liu versuchte, ihm die Heirat der Braut auszureden. „Sie ist nun blind. Warum suchst Du Deiner Karriere und dem Leben Deiner zukünftigen Familie zu liebe nicht eine andere, um sie zu heiraten? Möchtest Du eine aus dieser Familie heiraten, so heirate doch ihre jüngere Schwester.“

Liu Tingshi erwiderte: „Als ich ihr einen Antrag machte, habe ich ihr bereits mein Herz geschenkt. Sie mag blind sein, doch ihr Herz ist unversehrt. Wenn ich mein Versprechen brechen könnte, dann müsste mein Herz falsch sein. Nebenbei, jeder wird eines Tages alt werden. Wenn die Frau eines Mannes alt wird, sollte er sie nicht durch eine jüngere ersetzen, oder sollte er das? Ein Mann muss treu zu seinem Wort stehen. Ich sollte mein Herz nicht ändern.“

Folglich heiratete Liu Tingshi die blinde Braut. Nach der Hochzeit, tat Liu Tingshi sein Bestes, um für seine blinde Frau zu sorgen. Sie kamen gut miteinander aus und waren aufopfernd zu einander. Gemeinsam zogen sie mehrere Kinder auf.

Als Su Dongpo diese Geschichte hörte, war er tief berührt. Er bemerkte: „Liu Tingshi hat ein edles Herz!“

Familienleben ist ein Grundpfeiler einer Nation und einer Gesellschaft. Familienleben zu pflegen bedeutet, Stabilität, Robustheit und Erfolg (Wohlstand) einer Nation oder Gesellschaft zu gewährleisten. Heirat ihrerseits, ist der Grundpfeiler von Familienleben. Ehe zu nähren, ist die Garantie für eine harmonische, vereinte und gesunde Familie. Charakter und Moral eines Menschen, sind ihrerseits wiederum die Grundpfeiler der Paarbeziehung. Beide, sowohl Mann als auch Frau sollten ehrlich, vertrauenswürdig und gütig sein und sie sollten sich gegenseitig achten und einander lieben, um eine glückliche Ehe zu führen. Kurzum, es ist unumgänglich, die Moralität eines Menschen zu erhöhen, und jeder sollte gütig, aufrichtig, ehrlich und nachsichtig.
sein.

Gerne teile ich folgende Perlen der Weisheit des Ostens und des Westens mit:

In Das Buch der späteren Han heißt es: „Vergesse deine Freunde nicht, wenn sie in Schwierigkeiten sind oder schiebe deine Frau nicht zur Seite, welche harte Zeiten mit dir geteilt hat.“ (Anmerkung: Das Buch der späteren Han wurde im 5. Jahrhundert zusammengestellt, wobei eine Anzahl früherer Geschichten und Dokumente als Quelle dienten. Es umfasst die Geschichte der Östlichen Han Dynastie vom 25 bis 220 n. Chr.).

Wei Zheng sagte: „Jene, die anderen Gunst erweisen, werden wiederum Gunst empfangen. Jene die freundlich und großzügig zu anderen sind, werden in Zeiten der Not Großzügigkeit erfahren.“ (Anmerkung: Wei Zheng war einer der meistbewunderten Politiker der chinesischen Geschichte. Er war etwa 13 Jahre unter der Herrschaft von Kaiser Taizong, Kanzler in der Tang Dynastie).

Plato schrieb in seinem Symposium: „Der vulgäre (triviale) Liebhaber, der eher den Körper als die Seele liebt, ist böse, insofern er nicht beständig ist, weil er eine Sache liebt, die in sich selbst unbeständig ist und deshalb, wenn die Blüte der Jugend, die er begehrte, vorüber ist, er trotz all seiner Worte und Versprechen seine Schwingen erhebt und davon fliegt; währenddessen die Liebe edler Disposition, lebenslang währt und daher eins wird mit dem Ewigen.“ (Anmerkung: Das Symposium ist ein philosophischer Dialog, geschrieben von Plato, irgendwann nach 385 v. Chr. Es ist eine Diskussion über das Wesen der Liebe, in Form einer Serie sowohl satirischer und ernsthafter Reden, die von einer Gruppe Männern auf einem Symposium oder einer Trinkparty im Hause des Tragöden Agathon in Athen gehalten wurden).