Offener Brief an die Mitarbeiter des chinesischen Konsulats in Düsseldorf

 

Folteropfer Frau Xu Hui und Sprecherin Natalie Kurek vor dem chinesischen Konsulat in Düsseldorf am 26.06.2019.

 

Geschätzte Mitarbeiter des chinesischen Konsulats in Düsseldorf,

vor mehr als 20 Jahren wurde der „Internationale Tag zur Unterstützung der Folteropfer“ durch die Hauptversammlung der Vereinten Nationen ins Leben gerufen.

Dieser erinnert an die Antifolterkonvention vom 26. Juni 1987 und hat zum Ziel die unzähligen Opfer weltweit vor körperlicher und seelisch zugefügter Gewalt zu schützen.

Folter ist ein Verbrechen und darf nicht toleriert werden. Es ist unsere moralische Pflicht, uns aktiv dagegen einzusetzen, damit diese menschenverachtenden Praktiken ein Ende finden und die Folterer selbst vor Gericht gestellt werden.

Offiziell ist Folter in der Volksrepublik China verboten. China gehört sogar zu den ersten Unterzeichnern dieser Antifolterkonvention – doch die Regierung bricht sowohl die eigene Verfassung als auch internationale Verträge, indem sie ihre Staatsbürger systematisch von Handlangern der Kommunistischen Partei Chinas foltern lässt: Auf Polizeistationen, in hunderten von Lagern, in Verhörzentren und in Gehirnwäscheanstalten.

Dazu sagt Hubert Körper, Vorstandsmitglied der Internationalen Gesellschaft für Menschenrechte (IGFM):

„Die VR China verweigert die in der Konvention enthaltenen Möglichkeiten einer Kontrolle oder eines Schiedsverfahrens, welche die Umsetzung des Folterverbotes garantieren sollen. Damit ist die Antifolterkonvention ein zahnloses Instrument geworden”.

Daraus wird die Unaufrichtigkeit und Hinterlistigkeit der Kommunistischen Partei Chinas sichtbar, mit der sie ihre eigene Macht über all die Jahre aufrecht erhält und die Weltöffentlichkeit täuscht.

Hunderttausende chinesische Falun Gong-Praktizierende sind bislang Opfer unerträglicher Grausamkeiten geworden. Sie werden unter katastrophalen Bedingungen festgehalten und müssen jeden Tag Erniedrigungen und Folter über sich ergehen lassen.

Die Justiz der Volksrepublik ist längst zu einem Instrument politischer Willkür zur Verfolgung unliebsamer andersdenkender Bürger geworden. Zu den Lagerinsassen zählen neben Gewerkschaftern, Bürgerrechtlern und Dissidenten auch Angehörige ethnischer und religiöser Minderheiten, wie die Uiguren und Tibeter, sowie in großer Zahl Falun-Gong-Praktizierende.

Falun Gong, auch Falun Dafa genannt, leitet die Menschen an, Gutherzigkeit, Aufrichtigkeit und Toleranz zu kultivieren. Ist das nicht das, was den Menschen in seinem Menschsein überhaupt ausmacht? Sind das nicht Werte, die allen Kulturen weltumfassend zugrunde liegen und die ein menschenwürdiges Zusammenleben erst ermöglichen? Wird dadurch nicht die ganze Menschheit verfolgt?

Wir stehen heute also nicht nur hier, um auf das Unrecht der tagtäglich stattfindenden Folterungen an Gewissensgefangenen aufmerksam zu machen.

Wir stehen hier, weil wir wissen, was in chinesischen Arbeitslagern geschieht. Wir wissen, was in den Gefängnissen, in den Polizeistationen und auch in all den inoffiziellen geheimen Einrichtungen passiert. Zeugen sind nicht nur chinesische Menschenrechtsanwälte, die es gewagt haben, Folteropfer zu vertreten und ebenfalls für die grundlegenden Werte einzustehen, sondern auch Ärzte, ehemalige Polizisten und Konsulatsmitarbeiter. Auch vergessen wir nicht die vielen hinterlassenen Waisenkinder, die Familienangehörigen der Opfer, sowie Falun Dafa-Praktizierende, die die Schreckenstaten am eigenen Leib erfahren haben und denen die Flucht ins Ausland gelungen ist.

Und wir stehen hier, um den Opfern eine Stimme zu geben und unsere Solidarität ihnen gegenüber auszudrücken.

Stellvertretend haben wir zu diesem Zweck Frau Xu Hui eingeladen.

Sie war selbst Inhaftierte im berüchtigten Masanjia-Arbeitslager, in welchem sie lange Zeit eingesperrt war und grausam gefoltert wurde.

Wir danken ihr, dass sie ihre persönlichen und auch furchtbaren Erlebnisse öffentlich zugänglich gemacht hat und der Welt Einblicke in die menschenverachtenden Behandlungen und Machenschaften der Parteihörigen ermöglicht hat.

Sie beschreibt:

„Nach Haftantritt legten mir Gefängniswärter Handschellen an und fixierten mich diagonal gestreckt auf einem Stockbett. Ich konnte weder meinen Kopf heben, noch meinen Oberkörper aufrichten. Meine beiden Beine wurden fest zusammengebunden. Mit einem 6-7 cm breiten festen Tuchstreifen wurde dann mein Körper aufgehängt. Die Wärter schlugen und traten mich von zwei Seiten mit Schuhen, sodass ich wie eine Schaukel hin und her schwang. Als die Leiterin mehr „Engagement“ verlangte, hängten Sie mich so auf, dass mein Oberkörper zu meinen Beinen einen rechten Winkel bildete. In dieser Position musste ich von morgens 8 Uhr bis 23 Uhr nachts verharren. Nach vier bis fünf Tagen war mein Körper deformiert. Die Handschellen schnitten tief in meine Handgelenke ein. Danach waren meine Arme völlig taub und meine Hände so kraftlos, dass ich noch nicht einmal ein Handtuch festhalten oder die Unterwäsche wechseln konnte. Im Brustkorb hatte ich reißende Schmerzen. Wenn ich jemanden bat, mir zu helfen, ohrfeigten mich die Wärter und traktierten mich mit Fußtritten“, beschrieb sie den Anfang ihrer Zeit im Arbeitslager.

„Ich appelliere an die europäischen Menschenrechtsorganisationen, an die Regierungen und alle gutherzigen Menschen mitzuhelfen, sodass über diese Folter gesprochen wird, damit wir sie gemeinsam und baldmöglichst beenden!“, bittet Frau Hui.

Eine der Folterarten, der Frau Hui im Arbeitslager Massanjia ausgesetzt war.

 

Frau Xu Hui hat in Deutschland Zuflucht und Schutz vor chinesischer Willkürherrschaft gefunden. Wie auch viele weitere.

An diesem heutigen Tage möchten wir den zahlreichen internationalen Opfern von Folter gedenken.

Aber wir möchten auch Sie - geschätzte Mitarbeiter des chinesischen Konsulats - daran erinnern, dass Menschenrechte universell und unteilbar sind.

Dieses höchste Gut garantiert unsere eigene Unversehrtheit, welche wir auch keinem anderen Menschen wegnehmen dürfen und auch Ihren Mitbürgern in China zuteil werden sollte.

Deshalb richten wir unseren dringenden Appell an Sie:

Machen Sie sich nicht der Verbrechen einer Regierung mitschuldig, die ihre Bürger für wirtschaftliche Interessen und politisch motivierte Ziele grausam malträtiert!

Dieses Kapitel wird schon bald der Vergangenheit angehören - und wie die Geschichte es uns immer wieder gezeigt hat - werden Täter und Mitläufer zur Rechenschaft gezogen werden.

Entscheiden Sie sich für Gerechtigkeit, entscheiden Sie sich für die Güte, denn das, was wir einem anderen zufügen, fällt am Ende auf uns selbst zurück.

Wir wünschen Ihnen für Ihre Zukunft alles Gute!

26.06.2019

Falun Dafa Praktizierende

aus Düsseldorf und Nordrhein-Westfalen

Quelle

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