Experten-Tribunal in London: China raubt Organe von Falun Gong-Praktizierenden „in erheblichem Umfang”

„Wir müssen China für seine Verbrechen gegen die Menschlichkeit zur Rechenschaft ziehen, die Zusammenarbeit mit China im Zusammenhang mit Transplantationen unverzüglich einstellen und unsere eigenen Bürger daran hindern, am Transplantationstourismus nach China teilzunehmen", sagte Susie Hughes, Exekutivdirektorin und Mitbegründerin der Transplantationsethik-Gruppe.


Einstimmig: Ein unabhängiges Tribunal kam in London nach einer einjährigen Untersuchung zu dem Ergebnis, dass in China Gefangene aus Gewissensgründen wegen ihrer Organe getötet wurden und werden.

In dem Urteil vom 17. Juni 2019 sagte der Vorsitzende des Tribunals, Sir Geoffrey Nice QC:

„Die Zwangsentnahme von Organen wird seit Jahren in ganz China in erheblichem Umfang durchgeführt“.

Das Tribunal kam ferner zu dem Ergebnis, dass Praktizierende von Falun Gong eine der Hauptquellen für die Transplantationsindustrie waren und sind. Falun Gong ist eine spirituelle Kultivierungsschule, die aus Meditationsübungen und einer moralischen Lehre besteht, die auf Wahrhaftigkeit, Mitgefühl und Toleranz basiert. Die Praktizierenden werden vom chinesischen Regime seit zwei Jahrzehnten brutal verfolgt. Falun Gong-Praktizierende wurden vielfach in Gefängnisse, Arbeitslager und Gehirnwäschezentren verfrachtet. Dort wurden sie gefoltert – sie sollten ihren Glauben aufgeben.

„Das Tribunal hat keine Beweise dafür, dass die umfangreiche Infrastruktur im Zusammenhang mit Chinas Transplantationsindustrie rückgängig gemacht wird – und ohne eine zufriedenstellende Erklärung über die Quelle der leicht verfügbaren Organe kommt es zu dem Schluss, dass die Zwangsentnahme bis heute anhält“, fügte Nice hinzu.

Das Tribunal sagte ebenfalls, dass – obwohl keine endgültigen Beweise vorlägen – das „Risiko“ bestehe, dass auch uigurische Muslime in Xinjiang Opfer von Organzwangsentnahmen würden.

Das US-Außenministerium und Experten schätzen, dass derzeit mehr als eine Million Uiguren und andere muslimische Minderheiten in sogenannten Umerziehungslagern festgehalten werden. Sie unterliegen in den Lagern ebenfalls der politischen Indoktrination des kommunistischen Regimes.

Über 50 Zeugenaussagen – und keine Antworten von chinesischen offiziellen Stellen

Sir Geoffrey Nice, der die Starfverfolgung gegen den ehemaligen jugoslawischen Präsidenten Slobodan Milosevic vor dem Internationalen Strafgerichtshof leitete, führt das Gremium aus sieben internationalen Experten an. Es ist weltweit die erste unabhängige Analyse über die Zwangsorganentnahmen in China.

Das Tribunal stellte zweifelsfrei fest, dass Verbrechen gegen die Menschlichkeit gegen Falun Gong-Praktizierende begangen wurden.

Nice sagte, dass das Tribunal zu diesen Schlussfolgerungen gelangte, nachdem es alle ihm zur Verfügung stehenden Beweise in Betracht gezogen hatte – einschließlich der Aussagen von über 50 Zeugen, die in zwei Anhörungen befragt wurden.

Das Tribunal wandte sich gleichfalls an Vertreter des chinesischen Regimes, einschließlich der chinesischen Botschaft in London und an Beamte im Gesundheitswesen. Nice berichtete, dass die Experten keine Rückmeldungen von den Beamten erhalten hätten. Das Tribunal wertete das Schweigen Chinas aber nicht als Beweis.

Organentnahme

Das Tribunal untersucht seit zwölf Monaten, ob das chinesische Regime Verbrechen im Zusammenhang mit der Praxis der gewaltsamen Entnahme von Organen – bekannt als Organzwangsentnahme oder Organraub – begangen hat und weiterhin begeht. Die Organe werden lebenden Menschen, die aus Gewissensgründen inhaftiert sind, für die Transplantationschirurgie und deren Profit entnommen.

Detaillierte Berichte über die verstörende Praxis sind erstmals 2006 erschienen. Die Ermittler kamen zu dem Schluss, dass die rasante Expansion des chinesischen Organtransplantationssektors seit dem Jahr 2000 durch die gewaltsame Entnahme von Organen der Gewissensgefangenen, vor allem von Falun Gong-Praktizierenden, erklärt werden könnte.

Im vergangenen Dezember haben die Mitglieder des Tribunals nach der ersten Anhörung bereits einen Entwurf eines Zwischenurteils verabschiedet. Darin kamen sie zu dem Schluss, dass die Zwangsentnahme von Organen – Organraub – an Gefangenen in China „in erheblichem Umfang“ stattgefunden hat.

Ergebnisse: Organentnahme findet statt

Sir Geoffrey Nice sagte, dass das Tribunal zu einer Reihe von Schlussfolgerungen über das Organtransplantationssystem in China gekommen sei, die es zu dem „unvermeidlichen Fazit führte, dass illegale Organentnahmen im Land stattfinden.“

Das Tribunal habe eine große Sammlung an Beweisen, so Sir Geoffrey Nice. Diese würden zeigen, dass die von Ärzten und Krankenhäusern in China für die Organtransplantation versprochenen Wartezeiten außerordentlich kurz seien, was mit normalen freiwilligen Organspendersystemen nicht möglich sei. Ein Beweis beinhaltet verdeckte Telefonanrufe mit chinesischen Ärzten sowie die Aussage eines israelischen Arztes. Dieser berichtete, wie seinem Patienten gesagt wurde, er könne in zwei Wochen eine Herztransplantation in China erhalten.

Die statistischen Daten ergaben, dass die Zahl der durchgeführten Transplantationen nicht mit den Zahlen des freiwilligen chinesischen Spendersystems übereinstimmt.

Basierend auf der Analyse der Infrastruktur und Kapazität von 146 chinesischen Krankenhäusern werden 60.000 bis 90.000 Transplantationen jährlich durchgeführt – was eine konservative Schätzung ist. Gleichzeitig sind dies weitaus mehr Transplantationen als die vom chinesischen Regime angegebenen Zahlen von 10.000 bis 20.000 pro Jahr.

Das Tribunal erhielt übereinstimmende Beweise von Überlebenden, die während der Haft medizinisch getestet wurden. „Diese Tests, einschließlich Bluttests, stimmten mit einer Prüfung auf den Organstatus überein“, sagte Nice.

„Die Tests scheinen besonders fehl am Platz zu sein, weil die Probanden gleichzeitig während der Haft gefoltert wurden. Die Ergebnisse der Tests wurden den Opfern auch nie erklärt“, fügte er hinzu.

Direkte Beweise für die Organentnahme durch ehemaligen Chirurgen

„Das Tribunal erhielt direkte Beweise für die Organentnahme“, sagte der Vorsitzende des Tribunals. Darunter war auch ein ehemaliger Chirurg. Als die Transplantationsindustrie gerade anlief, wurde er laut eigenen Aussagen angewiesen, Organentnahmen durchzuführen.

Chirurg Enver Tohti berichtete während der Anhörungen im Dezember, wie er zwei Nieren und eine Leber von einem Gefangenen aus der Todeszelle entfernte. Dem Gefangenen wurde zuvor in die rechte Brust geschossen – doch er war noch am Leben.

„Ich erinnere mich: als ich mit meinem Skalpell in seine Haut schnitt, war Blut zu sehen. Das deutet darauf hin, dass das Herz noch schlug… Zur gleichen Zeit versuchte er, meinem Eingriff zu widerstehen, aber er war zu schwach“, sagte er.

Aufruf zum Handeln: Regierungen sollen ihrer Pflicht nachkommen

Das Gericht kam zu dem Schluss: die Beweise zeigten, dass das chinesische Regime Verbrechen gegen die Menschlichkeit begangen hat. Es legte gleichzeitig dar, dass es nicht sicher sein kann, ob das chinesische Regime das – völkerrechtlich definierte – Delikt eines Genozid begangen hat, da es nicht beweisen kann, ob Vorsatz vorliegt. Der Organraub könne auch aus Gründen des Profits begangen worden sein.

Das Tribunal stellte in seinem Urteil jedoch fest, dass es einen berechtigten Verdacht „einiger oder vieler Personen gibt, dass wahrscheinlich ein Völkermord begangen wurde“.

Das Tribunal erklärte, dass Regierungen und internationale Organisationen „ihrer Pflicht nachkommen und feststellen müssen“, ob das Regime Verbrechen gegen die Menschlichkeit begangen hat. Das Tribulal fügte hinzu: es gebe „eine Pflicht für diejenigen, die befugt sind, Ermittlungen an internationalen Gerichten oder bei den Vereinten Nationen einzuleiten. Diese sollten Verfahren vor internationalen Gerichten oder in der UNO einleiten, um zu prüfen, ob Völkermord begangen wurde“.

Geschehe dies nicht, so fordert das Tribunal die Bürger auf, gemeinsam zu handeln, um die Regierungen unter Druck zu setzen, „damit die Regierung und die internationalen Gremien nicht handlungsunfähig sind“.

Schließlich stellte das Tribunal fest, dass Regierungen und diejenigen, die mit dem chinesischen Regime interagieren, einschließlich Ärzten, medizinische Einrichtungen, Unternehmen und Bildungseinrichtungen, „anerkennen sollten, dass sie in dem Maße – wie im Urteil offenbart wurde – mit einem kriminellen Staat interagieren“.

Chinas Botschaft in London: „Wir folgen stets den Leitlinien der WHO“

Das chinesische Regime hat wiederholt Vorwürfe der Zwangsentnahme von Organen zurückgewiesen.

Laut „Sky News“ sagte die chinesische Botschaft in London in einer Erklärung: „Die chinesische Regierung folgt stets den Leitlinien der Weltgesundheitsorganisation für die Transplantation menschlicher Organe und hat in den letzten Jahren ihr Management für die Organtransplantation intensiviert.“

Unterdessen forderte Susie Hughes, Exekutivdirektorin und Mitbegründerin der Transplantationsethik-Gruppe „The International Coalition to End Transplant Abuse in China“, eine sofortige Reaktion, um die schrecklichen Verbrechen zu beenden.

„Es geht nicht mehr darum, ob die Organentnahme in China stattfindet, dieses Thema ist längst vorbei. Wir brauchen Sofortmaßnahmen, um das Leben dieser Menschen zu retten“, sagte Hughes.

Und weiter:

„Wir müssen China für seine Verbrechen gegen die Menschlichkeit zur Rechenschaft ziehen, die Zusammenarbeit mit China im Zusammenhang mit Transplantationen unverzüglich einstellen und unsere eigenen Bürger daran hindern, am Transplantationstourismus nach China teilzunehmen.“

Ethan Gutmann sprach nach dem Tribunal mit den Medien in London. 17. Juni 2019.Foto: NTD

Gutmann: Das Tribunal kommt Jahre zu spät

Ethan Gutmann, China-Analyst und Mitautor eines detailreichen Berichts über die Organentnahme in China aus dem Jahr 2016, untersucht das Thema seit mehr als einem Jahrzehnt. Er sagte dem Fernsehsender „NTD“, dass das Urteil des Tribunals ein bittersüßer Moment für ihn sei.

„Das chinesische Tribunal ist auf gewisse Art und Weise fünf oder sechs oder sieben oder zehn Jahre zu spät“, sagte Gutmann.

„Das hätte von Anfang an passieren sollen. So viele Menschen sind wegen dieser Fehleinschätzung und wegen des Versagens des Westen gestorben.“

Annie Yang, eine von mehreren Zeuginnen und Falun Gong-Praktizierende, sagte „NTD“, dass das Urteil ein wichtiger Fortschritt sei. Sie bezeugte, dass sie ihres Glaubens wegen inhaftiert und während der Haft gefoltert und medizinisch getestet wurde. Die Entscheidung des Tribunals könne nun dazu beitragen, Menschen und Regierungen zum Handeln zu zwingen.

Die Red.: Die Abkürzung QC steht für einen Kronanwalt (Queen’s beziehungsweise King’s Counsel) und ist eine Bezeichnung für besonders erfahrene Rechtsanwälte in England, Wales sowie in einigen anderen Ländern des Commonwealth.

Quelle: Experten-Tribunal in London: China raubt Organe von Falun Gong-Praktizierenden „in erheblichem Umfang”

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