Während der Haft wahnsinnig geworden und jetzt verstorben – seine Frau kämpft um Gerechtigkeit

Der Falun-Dafa-Praktizierende Ren Dongsheng ist am 12. September 2018 gestorben. Er ist eines von vielen Tausenden von Opfern der brutalen Verfolgungskampagne der Kommunistischen Partei in China.

In diesem Bericht erfahren Sie, wie im heutigen China eine menschenverachtende Maffia zu Werke geht und Familien zerstört, deren einziger Wunsch es ist, sich nach Falun Dafas Prinzipien „Wahrhaftigkeit, Gutherzigkeit und Nachsicht“ zu richten und friedliche, gutherzige Menschen zu sein.

Rens Qualen begannen am 8. März 2006, als er verhaftet wurde, weil er sich weigerte, Falun Gong aufzugeben. Er wurde zu fünf Jahren Haft verurteilt und erlitt unvorstellbare Folterungen im Gefängnis Gangbei in der Stadt Tianjin.

Auch Rens Frau, Zhang Liqin, praktiziert Falun Gong. Sie selbst wurde am 12. Februar 2009 verhaftet und zu sieben Jahren Gefängnis verurteilt. Als sie am 11. Februar 2016 aus dem Gefängnis nach Hause kam, fand sie einen psychotischen Mann vor und zerschlagene Möbel und Fenster.

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Ren Dongsheng und seine Frau Zhang Liqin

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Ren Dongsheng nach fünf Jahren Haft – in den Wahnsinn getrieben

 

Zhang reichte im Oktober 2016 eine Beschwerde gegen jene acht Wärter ein, die hauptsächlich für die Folterung ihres Mannes und die daraus resultierende psychische Störung verantwortlich waren. Aus diesem Grund wurde sie 35 Tage lang festgehalten und musste für einige Zeit von zu Hause wegbleiben, um weitere Schikanen durch die Behörden zu vermeiden. Dennoch setzte sie ihre Bemühungen fort, Gerechtigkeit und Entschädigung für ihren Mann zu erwirken.

Sie akzeptierte die Befragung durch das Oberlandesgericht von Tianjin am 4. September 2018 und berichtete, wie ihr Mann im Gefängnis gefoltert wurde.

In Erwartung einer Entscheidung des Oberen Gerichts war Zhang untröstlich, als sie ihren Mann acht Tage später verlor.

Ren starb am 12. September 2018 um 2 Uhr morgens, zwei Wochen vor dem Mittherbstfest, einem der wichtigsten Feiertage in China.

Rückblick: Unerträgliche Belastungen für eine kleine Familie

Ren war im Bezirk Jinghai aufgewachsen, einem Ort, der für seine Essigherstellung bekannt ist. Er war gut im Kochen, und die Leute mochten seine Gerichte. Zusammen mit seiner Frau eröffnete er erfolgreich ein Restaurant.

Im Alter von 25 Jahren wurde bei ihm eine rheumatoide Arthritis diagnostiziert. Mit stark geschwollenen Knien und Knöcheln konnte er keine schwere Arbeit mehr leisten. Aber es kam noch schlimmer: Mit 36 erkrankte er an einer rheumatischen Herzkrankheit, die ihn oft Blut erbrechen ließ. Er wurde arbeitsunfähig und musste zu Hause bleiben. Er versuchte alles, von der chinesischen Medizin bis zur westlichen Medizin, aber nichts half.

Die Last der Pflege fiel auf seine Frau Zhang Liqin, die die ganze Familie unterstützen, sich um ihren Mann und Sohn kümmern und den Haushalt erledigen musste. Sie bekam Leukämie, Nackenprobleme und eine Herzerkrankung. Sie musste jederzeit Medikamente mit sich führen und Pause machen, wenn sie mehrere Meter geradeaus gegangen war. Frustriert und enttäuscht setzte das Paar all seine Hoffnung auf ihren Sohn Jianfeng, einen Gymnasiasten und einen der besten Schüler seiner Klasse.

Leider beeinträchtigten diese plötzlichen Lebensveränderungen auch Jianfeng. Er sprach weniger, wurde des Lernens müde und beschloss später, die Schule zu verlassen. Eines Tages sagte Ren verzweifelt zu seiner Frau: „Ich denke daran, ein Paket mit Gift für uns alle drei zu kaufen. Denn jeder von uns, der zurückgelassen wird, würde mit endlosem Leid konfrontiert werden.“ Mit diesen Worten umarmten sich die drei und weinten.

Der Wendepunkt

2003 begannen Ren und seine Frau wieder Falun Gong zu praktizieren. (Sie hatten aus Angst vor der Verfolgung im Jahr 1999 damit aufgehört). Sie erholten sich, und ihre Krankheiten verschwanden. Jianfeng war wieder ein normaler Junge, der sich nicht mehr zurückzog. Seine Schulnoten wurden auch wieder besser.

Entsprechend den Prinzipien Wahrhaftigkeit, Güte und Nachsicht strebte das Paar immer danach, gute Bürger und bessere Menschen zu sein. Als ihr Haus umgebaut wurde, hielt der Auftragnehmer die vereinbarten Bedingungen nicht ein. Er log das Paar nicht nur an, sondern verklagte es auch. Die Fehde ging weiter, bis das Paar anfing, Falun Gong zu praktizieren. Ren ging zum Auftragnehmer und bot eine Versöhnung an, die ihm einen Verlust bescherte. Von seiner Aufrichtigkeit bewegt, dankte ihm der Auftragnehmer und lobte ihn vor anderen.

Verhaftet wegen seines Glaubens

Das Glück der Familie hielt nicht lange an. Am 8. März 2006 wurde Ren verhaftet, als er anderen Menschen von seinen positiven Erfahrungen mit Falun Gong berichtete. Sechs Monate später wurde er zu fünf Jahren im Gefängnis Gangbei (später bekannt als Binhai-Gefängnis) verurteilt.

Weil er sich weigerte, seinen Glauben aufzugeben, folterten die Gefängniswärter Ren mit verschiedenen Mitteln. Er wurde insgesamt sechs Mal an Bodenankern gefesselt. Dabei waren seine Beine auseinandergespreizt und sein Körper durch seine Hände, die an einen seiner Knöchel gefesselt waren, nach vorne gebeugt war. Jedes Mal, wenn er davon befreit wurde, konnte er nicht mehr aufstehen, und es dauerte lange, bis er sich wieder erholte.

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Folterillustration: Bodenanker

 

Ren wurde auch wiederholt geschlagen und an den Fingern verbrannt. Er war gezwungen, Lebensmittel zu essen, die auf dem Boden lagen. Er erinnerte sich auch daran, dass ihm unbekannte Medikamente verabreicht wurden.

Einige der oben genannten Beschreibungen berichtete er seinen Angehörigen nach seiner Entlassung aus dem Gefängnis, wenn er gelegentlich klar im Kopf war. Andere Berichte über seine Verfolgungen kamen von anderen Praktizierenden, die zusammen mit ihm inhaftiert und später freigelassen worden waren.

Ehefrau inhaftiert und gefoltert

Nach der Verhaftung von Ren war auch seine Frau betroffen. Ihr Arbeitgeber, ein Mautunternehmen, kündigte ihr Arbeitsverhältnis. Ihr Sohn Jianfeng, der bereits an einer Hochschule aufgenommen worden war, musste die Schule wegen finanzieller Schwierigkeiten verlassen. Er und seine Mutter arbeiteten in Aushilfsjobs, um ihren Lebensunterhalt zu bestreiten.

Zhang durfte ihren Mann nicht im örtlichen Untersuchungsgefängnis besuchen, da sie auch eine Falun-Gong-Praktizierende war. Das war unrechtmäßig, denn nach dem Gesetz kann jedes Familienmitglied einen Inhaftierten besuchen.

Am 22. Oktober 2009 wurde Zhang verhaftet und zu sieben Jahren im Frauengefängnis Tianjin verurteilt. Und auch sie wurde gefoltert. Einmal war sie gezwungen, acht Tage lang aufrecht zu stehen, was dazu führte, dass ihr Blutdruck auf gefährlich hohe Werte anstieg und ihre Gliedmaßen anschwollen.

Mindestens sieben Häftlinge wurden angewiesen, sie täglich zu beobachten. Später zwangen sie Zhang, für längere Zeit auf einem „kleinen Hocker“ stillzusitzen, was zu Schmerzen am ganzen Körper führte.

Eines Tages brach Zhang in Tränen aus, als sie darüber nachdachte, wie sehr sie und andere Praktizierende für ihren Glauben leiden mussten. Eine Insassin, die sie überwachen sollte, sah das und weinte auch. Sie fragte: „Wir sind wegen Geld, Familienstreitereien oder Kämpfen hier gelandet. Warum bist du hier?“ Zhang antwortete: „Weil ich versucht habe, ein besserer Mensch zu sein und den Prinzipien Wahrhaftigkeit, Güte und Nachsicht folgen wollte.“

Der Kampf des Sohnes

Da beide Elternteile inhaftiert waren, war Jianfeng auf sich allein gestellt. Er arbeitete hart, um Geld auf die Kommissionskonten seiner Eltern zu legen, weswegen er selbst kaum welches hatte.

An eisigen Wintertagen musste Jianfeng beißende Kälte und gefrorene Wasserleitungen ertragen. Ohne Wasser konnte er nicht einmal kochen. „Meine Tränen flossen und während ich weinte, schlief ich ein. So fühlte ich mich nicht mehr hungrig...“, erinnerte sich Jianfeng.

Um Geld zu sparen, aß er vor allem Instantnudeln. Bei der Arbeit entschied er sich für die Nachtschicht, weil die Fabrik klimatisiert war und er auf diese Weise lange, kalte Nächte leichter überstehen konnte.

Jianfeng musste auch den Spott der Leute ertragen. Einige Leute lachten ihn aus oder diskriminierten ihn wegen der Inhaftierung seiner Eltern.

In der Gehirnwäsche-Einrichtung verrückt geworden

Im Juli 2010, etwa acht Monate vor Rens Entlassung, wurde seiner Familie der Besuch im Gefängnis verweigert. Auf wiederholte Anfragen seiner Mutter hin zeigten die Beamten ein Video von Ren, in dem er aufgeregt war und sich anormal verhielt.

Ren sollte am 7. März 2011 entlassen werden. Seine über 80-jährige Mutter und sein Sohn Jianfeng durften ihn an diesem Tag jedoch nicht sehen. Sieben Tage später wurde ihnen gesagt, sie sollten ihn in einer Gehirnwäsche-Einrichtung abholen. Nach Ablauf seiner fünfjährigen Haftzeit war er direkt in eine Gehirnwäsche-Einrichtung geschickt worden, wo sie ihn dazu brachten, ein unbekanntes weißes Pulver zu nehmen.

Als er eine Woche später entlassen wurde, bemerkte seine Familie, dass er nicht mehr die gleiche Person war wie davor. Seine über 80-jährige Mutter war so traumatisiert beim Anblick ihres Sohnes und als sie feststellen musste, dass er verrückt geworden war, dass sie zusammenbrach.

Auch Jianfeng war schockiert zu sehen, dass sein Vater nicht mehr der starke, liebevolle Mann war, an den er sich erinnerte. Ren murmelte nur und zeigte seltsame Verhaltensweisen.

Die meiste Zeit nach seiner Rückkehr blieb Ren in einem psychotischen Zustand. Er weigerte sich, sich die Haare schneiden zu lassen und zertrümmerte alles, was er sah. An Regentagen lief er schreiend hinaus. Gelegentlich verließ er mitten in der Nacht die Wohnung und kehrte Tage später mit Dreck bedeckt zurück.

Wann immer jemand die Polizei erwähnte, murmelte Ren, dass er weglaufen müsse, oder die Polizei würde ihn erwischen. Er raste nach draußen und schlief später am Straßenrand.

Manchmal wachte er plötzlich mitten in der Nacht auf und schrie: „Ich habe keine Angst vor dir.“ Oft misshandelte er seine Mutter und schlug seinen Sohn. An einem Silvesterabend fuhr er seine Mutter von zuhause weg und ließ die ältere Frau allein auf der Straße stehen. Ein anderes Mal schlug er seinen Sohn, der seine Großmutter umarmte und weinte.

Es gab nur sehr wenige Momente, in denen Ren klar im Kopf war. Er sagte: „Wenn ich meinen Glauben nicht aufgebe, werden sie [Wärter und Insassen] mich zu Tode prügeln.“

Trotz seines psychischen Zustands schikanierten ihn die Mitarbeiter der Polizeibehörde des Bezirks Jinghai und des Büros 610 weiter.

Auf der Suche nach Gerechtigkeit – Wer war verantwortlich für den Zustand ihres Mannes?

Vier Tage nach dem chinesischen Neujahrsfest 2016 wurde Zhang nach sieben Jahren Haft entlassen. Als sie nach Hause kam, sah sie zerbrochenes Glas, zerbrochene Möbel, ein undichtes Dach und das herzzerreißendste – einen geistig desorientierten Mann.

Zhang reparierte die Tür, die Fenster und die Möbel, – aber ihr Mann zerschlug sie wieder. Manchmal jagte er sie und ihren Sohn mit einem Stock oder einem Küchenmesser in der Hand. Sie beschloss, herauszufinden, was mit ihrem Mann im Gefängnis passiert war und zu seinem Wahnsinn geführt hatte.

Durch mehrere Quellen fand sie heraus, dass hauptsächlich acht Wärter des Gefängnisses Binhai für die Folter ihres Mannes verantwortlich gewesen waren. Als ein Inspektionsteam der Zentralregierung im Oktober 2016 Tianjin besuchte, reichte sie eine vorläufige Beschwerde gegen die Wärter ein, was zu einer 35-tägigen Inhaftierung führte.

Im April 2017 erhielt Zhang von der Nervenheilanstalt Zhengzhou ein Untersuchungsergebnis über den Zustand ihres Mannes, das sie in ihrer Klage gegen die Täter verwenden wollte.

Um sie aufzuhalten, wurde sie von der Polizei des Bezirks Jinghai, der örtlichen Polizeiwache und der Justiz ständig zu Hause belästigt. Dies verschlimmerte die psychische Störung ihres Mannes noch weiter. So blieb sie für eine gewisse Zeit von zu Hause weg.

Am 22. Juni 2017 reichte sie formell eine Strafanzeige bei mehreren Regierungsstellen ein, darunter der Obersten Volksstaatsanwaltschaft und den lokalen Staatsanwaltschaften. Darüber hinaus legte sie dem Gefängnis Binhai Dokumente vor, um eine finanzielle Entschädigung zu beantragen. Die meisten Stellen ignorierten sie, während andere ihren Fall zurückwiesen.

Während sie um Gerechtigkeit für ihren Mann kämpfte, musste sie seinen Wahnsinn ertragen. Manchmal warf er sie mitten in der Nacht raus und sie konnte nirgendwo hingehen. Durch den schlimmen Zustand ihres Schwiegersohnes traumatisiert, musste ihr Vater fünf Mal ins Krankenhaus eingeliefert werden und ihre Mutter zwei Mal.

Manchmal musste Zhang das Essen auslassen, um Geld zu sparen, wenn sie an verschiedene Orte fuhr, um Gerechtigkeit für ihren Mann zu erwirken. Bei Regen wickelte sie die Klageunterlagen in Plastiktüten ein und hielt sie an ihrem Herzen.

Am 9. Mai 2018 genehmigte das erste Mittlere Gericht in Tianjin Zhangs Antrag, ihren Fall einzureichen. Am 4. September erklärte sie dem Obersten Gerichtshof der Stadt Tianjin, warum sie eine Entschädigung forderte. Die Erinnerung an das, was mit ihrem Mann und ihrer Familie geschehen war, brachte sie zum Weinen.

Acht Tage später, am 12. September, starb ihr Mann. Ihr Sohn sagte: „Seit meiner Kindheit habe ich den extremen Schmerz gespürt, den diese Verfolgung meiner Familie bereitet hat. Aber noch größer ist der Verlust, den die Verfolgung unserer Nation und unserer Gesellschaft gebracht hat, – unermesslich!“

Chinesische Version

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