Yishas Geschichte: Ich habe meine Tränen versteckt, um das Geheimnis der Verhaftung meiner Mutter zu bewahren

Ich wurde in eine wunderbare Familie im Südosten Chinas hineingeboren.

Mein Vater ist leitender Ingenieur und meine Mutter war Buchhalterin in einer Bank. Weil ich das einzige Kind in meiner Familie bin, wurde ich mein ganzes Leben lang sehr geliebt. Meine Familie ist viel gereist und mein Vater liebte es, Fotos von meiner Mutter und mir zu machen, um jedes kleine bisschen der Zeit, die wir zusammen verbrachten, festzuhalten.

Ende 1998 empfahl ein Kollege meiner Mutter ihr und ihrer Freundin Falun Dafa (auch Falun Gong genannt) wegen der erstaunlichen gesundheitlichen Auswirkungen und der moralischen Lehre. In jener Zeit war es die beliebteste Qigong-Methode in China. In meiner Heimatstadt gab es, wie in vielen anderen Städten Chinas auch, viele Falun-Dafa-Übungsplätze in öffentlichen Bereichen wie Parks, Spielplätzen und Universitäten. Die Praktizierenden machten gerne die Übungen und lasen die Dafa-Bücher gemeinsam am frühen Morgen, bevor sie zur Schule oder zur Arbeit gingen.

Meine Mutter war sehr beeindruckt von den Prinzipien „Wahrhaftigkeit, Güte, Nachsicht" von Falun Dafa. Nachdem sie nur fünf Tage lang geübt hatte, verschwand die Krankheit, unter der sie seit langem gelitten hatte, und sie wurde eine glücklichere und energievollere Person. Mein Vater war Zeuge der positiven Veränderungen bei meiner Mutter und vielen seiner Kollegen, die auch Falun Dafa praktizierten. Er unterstützte sie sehr beim Praktizieren.

Am 20. Juli 1999 begann mein Leben unter der Verfolgung

Leider dauerte die gute Zeit nicht lange an. Am 20. Juli 1999 verbot das Oberhaupt der Kommunistischen Partei Chinas, Jiang Zemin, die Ausübung von Falun Dafa. Dies betraf bis zu 100 Millionen Praktizierende in ganz China. Die Grundprinzipien von Wahrhaftigkeit, Güte und Nachsicht standen in völligem Gegensatz zu den Idealen der Partei und wurden als ideologische Bedrohung für sie angesehen. Mit jenem Tag begann Jiang Zemin die brutale Verfolgung gegen Falun Gong.

Seitdem hörten meine Eltern immer wieder, wie Angestellte bei ihrer Arbeit gefeuert und verhaftet worden waren, weil sie Falun Gong praktizierten. Einige Kinder wurden sogar von der Schule verwiesen, weil ihre Eltern praktizierten. Mein Vater war in einem Zustand ständiger Angst.

Als junges Mädchen konnte ich auch den Druck der Verfolgung auf meine Familie spüren. Ich befürchtete, meine Mutter jederzeit und überall zu verlieren... wenn sie später als üblich nach Hause zurückkam, machte es mir Angst. Ich stand immer am Fenster und schaute auf den Eingangsbereich unseres Hofes, in der Hoffnung, dass sie nicht verhaftet worden war und bald nach Hause kommen würde. Wenn sie zu spät kam, weinte ich am Fenster und befürchtete das Schlimmste.
Angesichts dieser Art von Angst blieb meine Mutter immer noch positiv und lebte ein Leben, das von Dafa geleitet wurde. Sie erklärte ihren Freunden, Kollegen und Verwandten friedlich die Wahrheit über die Verfolgung von Falun Gong. Ich habe wirklich verstanden, dass es das Ausüben von Falun Dafa war, das meine Mutter zu einer so liebenswürdigen Person gemacht hat. Obwohl ich sehr jung war, glaubte ich fest daran, dass Falun Dafa großartig war! Schließlich begann ich mit neun Jahren, im Jahr 2002, Falun Dafa zu praktizieren.

Das chinesische Bildungsministerium verbreitete Propaganda durch Lehrbücher und Testfragen

Auch das Schulleben war nicht einfach. In meiner Grundschule hatte ich jedes Semester einen Kurs mit dem Titel Ideologische und moralische Erziehung. Später wurde mir klar, dass es sich dabei um einen Gehirnwäschekurs gehandelt hatte. Das chinesische Bildungsministerium verlangte, dass die Propaganda gegen Falun Gong in Schulbüchern niedergeschrieben und in der Klasse unterrichtet wurde. Ich erinnere mich, dass es in der fünften Klasse der Grundschule ein Kapitel gab, welches lehrte, dass Falun Gong ein Kult sei. Es hieß, dass Kinder, die Falun Dafa praktizierten, sich selbst verbrennen oder umbringen würden; Eltern, die praktizierten, sollten verhaftet werden. Ich wusste, dass die Propaganda, die in der Klasse gelehrt wurde, nicht wahr war, aber ich erkannte, dass die Propaganda in jedem um mich herum Angst und Hass gegen Falun Dafa schürte. Eines Tages kam meine beste Freundin aus der Klasse, um mich zu ärgern:„Yishas Mutter sollte verhaftet werden." Das hat mir wirklich wehgetan.

Der Kurs Ideologische und moralische Erziehung kehrte in der Mittel- und Oberschule unter dem Namen Politik wieder. Ich erinnere mich an ein Semester in der Mittelschule, als es eine Multiple-Choice-Frage zu meiner Abschlussprüfung für die Politik-Klasse gab. Es wurde nach unserer Einstellung zu Falun Gong gefragt. Unterstützen oder ablehnen? Ich wusste, wenn ich mit Ja antwortete, könnte dies protokolliert werden und ich könnte dadurch in Schwierigkeiten geraten, also ließ ich das Antwortkästchen leer. Nachdem uns die Prüfung zurückgegeben worden war, sah ein Klassenkamerad, dass ich die Frage übersprungen hatte, und er sagte: „Du bist so seltsam... so eine einfache Frage... es sind wie Gratispunkte für dich... warum solltest du sie überspringen?“ Ich wusste nicht, wie ich reagieren sollte.

Neben all dem las ich oft über die Propaganda gegen Falun Dafa in den Zeitungen und in den Artikeln anderer Schüler. Jedes Mal, wenn ich dies las, schmerzte mein Herz.

Mein Vater lebte weiterhin in ständiger Angst und Unruhe - besorgt um mich und meine Mutter. Schließlich übermannte ihn der Stress der Verfolgung, und er ließ sich 2009 letztendlich von meiner Mutter scheiden.

Der Tag, den ich so sehr fürchtete, trat tatsächlich ein: Meine Mutter wurde im Februar 2012 verhaftet

Es war ungefähr 4 Monate vor meiner Aufnahmeprüfung an der Staatlichen Universität, welche eine sehr wichtige Prüfung ist, die die Zukunft der chinesischen Studenten bestimmt. In dieser Zeit verbringen die meisten Studenten fast jeden Tag ungefähr 16 Stunden mit Lernen.

Es war gegen 21:30 Uhr am 26. Februar 2012, und ich war in meinem Wohnheim und schrieb meiner Mutter wie immer eine SMS. Aber ich bekam stundenlang keine Antwort. Es fühlte sich an, als würden Äonen vorbeiziehen. Ich war total schlaflos und fühlte mich so besorgt um sie. Ich hatte sogar einen Traum, dass sie mich zurückgerufen hatte und erklärte, dass sie Zeit mit anderen Dafa-Praktizierenden verbracht und sich nur verspätet hatte. Ich fühlte mich in diesem Moment im Traum so erleichtert. Aber nach einer Weile wachte ich plötzlich auf und bemerkte, dass es nur ein Traum gewesen war...

Ich machte mir so große Sorgen um meine Mutter und hatte ständig Fragen im Kopf wie, „Wo ist sie jetzt... was könnte mit ihr geschehen sein... könnte ihr jemand helfen?“ Aber ich wusste, dass ich es geheim halten und niemanden stören durfte, auch nicht meine Familie und meinen Vater.

So versuchte ich am zweiten Tag nach ihrem Verschwinden, die Kollegin meiner Mutter zu kontaktieren, und klopfte bei ihr zu Hause an die Tür. Später, es war während der Physikklasse, schrieb mir diese Kollegin eine SMS, um mir mitzuteilen, dass meine Mutter tatsächlich verhaftet worden war. Passanten hatten gesehen, wie Polizisten sie mitgenommen und das Haus durchsucht hatten. In diesem Moment brach mein Herz. Ich wusste, dass der Tag, den ich viele Jahre lang gefürchtet hatte, nun tatsächlich gekommen war. Aber ich musste mich beherrschen und durfte anderen meine Trauer nicht zeigen. Ich wusste, dass meine Mitschüler sich von mir fernhalten würden, wenn sie gewusst hätten, dass meine Mutter Dafa praktiziert und verhaftet worden war. Und es war sehr wahrscheinlich, dass meine Schule Möglichkeiten gefunden hätte, sich um mich zu „kümmern".

Nach dem Unterricht lief ich sofort auf die Damentoilette im obersten Stockwerk des Gebäudes, weil ich wusste, dass nur wenige Leute diesen Raum benutzen. Dann schloss ich mich in einem der WC’s ein. Ich konnte es nicht mehr ertragen und fing an zu weinen... aber ich wagte es immer noch nicht, irgendwelche Geräusche von mir zu geben, damit ja niemand mich hören konnte... Ein paar Minuten später musste ich mein Gesicht waschen und in die Klasse zurückkehren.... und so tun, als ob nichts passiert wäre...

Während der Tage, an denen meine Mutter festgenommen war, musste ich mich in der Schule wie gewohnt verhalten. Ich nahm an allen Klassen teil, lernte hart, plauderte mit Freunden wie immer. Niemand wusste, dass ich etwas Anderes als die anderen zu ertragen hatte. Als ich in das Restaurant ging, in dem meine Mutter und ich zusammen gegessen hatten, konnte ich nicht das Essen bestellen, das wir gerne aßen. Wie konnte ich das genießen, während meine Mutter woanders litt?

Das Leben im Gehirnwäsche-Zentrum: wie sie versuchten, den Glauben meiner Mutter zu brechen

Später erfuhr ich, dass die Polizisten Falun Gong-Bücher und -Materialien bei mir zu Hause gefunden hatten. Sie nahmen dies als Grund, um meine Mutter wegen „Förderung einer Sekte" und „Störung der sozialen Ordnung" anzuklagen. Sie wurde für 15 Tage in ein Untersuchungsgefängnis gebracht. Dann schickten sie sie für 17 Tage in ein Gehirnwäschezentrum, welches heimlich in einem Hotel eingerichtet worden war. Die Gehirnwäschezentren waren für Falun Gong Praktizierende eines der schrecklichsten Dinge, da die Polizisten außerhalb des Gesetzes handeln konnten und alles tun durften, um den Glauben an Falun Gong zu „brechen". Die Polizisten versuchten alles, um sie dazu zu bringen, ihren Weg aufzugeben.

Meine Mutter erzählte mir, dass sie im Gehirnwäschezentrum jeden Tag stundenlang gezwungen worden war, alle möglichen Verleumdungen gegen Falun Gong zu lesen und anzuschauen. Mitglieder des Büro 610 zwangen sie, eine verzerrte Auffassung von Falun Gong anzunehmen und das Praktizieren des Dafa aufzugeben. Sie drohten ihr, dass wenn sie ihren Glauben nicht aufgeben würde, sie in ein Arbeitslager geschickt werden würde und ihr alles Wichtige in ihrem Leben weggenommen würde. Sie versuchten, sie glauben zu machen, dass alles, was sie und ihre Familie erlitten hatten, auf Falun Gong zurückzuführen war. Sie zwangen sie auch, den Gründer von Falun Gong zu verleumden. Nach ihrer Entlassung war sie schwer depressiv und voller Angst. Sie brauchte mehrere Monate, um sich zu erholen. Als ich endlich wieder mit ihr telefonieren konnte, konnte ich sie kaum wiedererkennen.

Nach ihrer Entlassung riefen Polizisten sie und meine Verwandten oft an, um sie zu kontrollieren. Manchmal wurden Polizisten oder Spione beauftragt, an ihre Tür zu klopfen oder ihr zu folgen, wenn sie nach draußen ging. Sie versuchten sicherzustellen, dass sie sich in ständiger Angst befand und hielten sie unter strenger Kontrolle. Meine Mutter erzählte mir, dass sie sogar befürchtete, nachts das Licht einzuschalten, falls Polizisten sie sahen und an ihre Tür klopfen würden. Es gab keinen Frieden in ihrem Leben.

Am 16. Oktober 2012 wurde meine Mutter erneut verhaftet und in das gleiche Gehirnwäschezentrum gebracht, wo sie viele andere Falun Gong Praktizierende sah, die ebenfalls dort inhaftiert waren. Polizisten durchsuchten ihre Wohnung, fanden aber keine relevanten Materialien. Die Polizeibeamten des Büro 610 bedrohten meine Mutter und sagten zu ihr: „Wenn du wieder Falun Gong praktizierst, werden wir dich für Jahre ins Gefängnis stecken.“ Dieses Mal wurde sie glücklicherweise aus Mangel an Beweisen freigelassen.

In Amerika ist es uns freigestellt, Falun Dafa ohne Angst zu praktizieren

Tag für Tag schrieb ich ständig SMS und rief sie häufig an, um sicherzustellen, dass es ihr gut ging. Unsere Familie lebte jahrelang in ständiger Angst. Im Januar 2013 ging ich nach Amerika, um zu studieren. Ich kann mich noch an den Moment erinnern, als ich aus dem Flugzeug ausstieg und amerikanisches Land betrat. Ich nahm einen langen, tiefen Atemzug; ich fühlte mich endlich frei... frei, Falun Dafa zu praktizieren und frei, offen über meinen Glauben zu sprechen.

Im August 2013 half ich meiner Mutter, ein Reisevisum zu beantragen. Wir konnten es uns nicht leisten, noch mehr Verluste und Ängste zu erleiden. In Amerika konnten wir uns wieder vereinen und jetzt ist sie hier bei mir, während ich mein Studium an der staatlichen Universität von Arizona absolviere. Hier ist es uns möglich, die Übungen des Falun Dafa wieder öffentlich im Park zu praktizieren, ohne Angst vor Verfolgung.

Quelle: Friends of Falun Gong

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