Hamburg: Der chinesische Staatsbesuch hat „gelb“ gesehen

Auf dem Gipfel meditieren für Menschenrechte in China
 

Falun Gong-Praktizierende aus Hamburg meditierten drei Tage lang vor dem Hamburger Hotel, in dem der chinesische Staatspräsident, Xi Jingping, während seines G20 Aufenthaltes abgestiegen war.

Aufgrund der großen Anzahl hochrangiger Staatsgäste zum G20, wurde über die Stadt Hamburg eine weiträumige Sicherheitszone und ein Versammlungsverbot verhängt. So schien es nicht möglich zu sein, an den Tagen der G20 Gipfel-Veranstaltung, Freitag 7. Juli und Samstag 8. Juli, in der Nähe eine Demonstrationsveranstaltung anzumelden und damit auch keine Chance, dass Xi Jingping das Anliegen der Falun Dafa-Praktizierenden hörte. Alle Versammlungen waren erst wieder in der Hafenregion erlaubt - etliche Kilometer von den Veranstaltungen des G20-Gipfels entfernt.

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Während viele Demonstrationsveranstaltungen in Hamburg stattfanden, die gegen oder für den G20 Gipfel waren, und einige davon gewaltsam abliefen - die Presse berichtete immer wieder von Unruhen, brennenden Autos und dem Einsatz von Wasserwerfer, hatten die Praktizierenden aus Hamburg ein anderes Anliegen. „Wir sind weder für, noch gegen den G20 Gipfel, sondern möchten diese Gelegenheit nutzen, dem Staatschef Chinas, Xi Jingping, auf die immerwährende Verfolgung von Falun Gong-Praktizierenden in China, aufmerksam zu machen“, so Petra L. aus Hamburg.

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Sie hatte am Samstag mit einigen anderen Praktizierenden in der Hamburger City auf der Moorweide vor den Augen der chinesischen Delegation im gelben Falun Dafa T-Shirt friedlich die fünf Übungen von Falun Gong (auch Falun Dafa genannt) praktiziert. „Mein Anliegen ist, dass die chinesische Delegation sieht, dass Falun Gong in Deutschland frei praktiziert werden darf. Falun Gong ist eine Übungsdisziplin für Körper und Geist, absolut friedlich und unpolitisch. Sie hilft einem, körperlich gesund zu werden und sich als Mensch nach Wahrhaftigkeit, Güte und Nachsicht auszurichten und charakterlich zu verbessern.“

Als ein Polizist zu ihr kam und sie fragte, wie lange sie noch auf der Moorweide meditieren würden, erklärte er, dass die chinesischen Beamten sehr nervös seien und sich gestört fühlten. Petra L. wollte noch die 5. Übung praktizieren, also noch mindestens eine Stunde bleiben und sagte: „Wissen Sie, ich glaube nicht, dass Staatspräsident Xi etwas gegen Falun Gong hat. Er hat mittlerweile viele korrupte Verfolger von Falun Gong in China wegen Korruption verurteilt.“ „Kein Problem“, entgegnete der Beamte, „ich kenne mich zu wenig mit den Gewohnheiten und der chinesischen Kultur aus. Sie können die Übungen durchführen, das ist ihr gutes Recht.“

„Aber, würden Sie mir bitte nur erklären, was Falun Gong eigentlich ist und warum die Delegation sich so wegen der gelben Farbe gestört fühlt? Wir haben Sie und Ihre Freunde schon die letzten Tage beobachtet. Sie haben da friedlich meditiert und ein Kollege von mir hat auch im Internet gegoogelt; er meinte, früher sei Falun Gong sogar von der chinesischen Regierung gefördert worden.“ Die Praktizierenden erklärten ihnen über die wahren Umstände über die mittlerweile 18 Jahre dauernde Verfolgung von Falun Gong in China und warum die Farbe ´gelb´einen nervösen Effekt auf die chinesischen Staatsbeamten hatte.

Die Moorweide ist ein öffentlicher Park in der Nähe der Hamburger Uni und grenzt am Hotel an, in dem Xi und seine Delegation wohnte. „Wir durften zwar keine Demonstrationsveranstaltung anmelden“, so Florian A., der lokale Ansprechpartner der Gruppe, „haben uns dann jedoch überlegt, dass es eigentlich kein Problem sein sollte, die Übungen auf der Moorweide zu praktizieren, solange wir keine politischen Äußerungen machten. Schließlich darf die Moorweide von Fußballspielern und anderen Bürgern genauso genutzt werden, also warum sollten wir da nicht meditieren dürfen?“ Die Polizei riet Florian A. jedoch ab, wegen der erhöhten Alarmbereitschaft der Polizei in der Stadt und dass das als Versammlung aufgefasst werden könnte.

Die Praktizierenden entschieden sich, keine gemeinsame Aktion zu machen. Jeder sollte für sich selbst abwägen und sich des Risikos bewusst sein. „Da wir darüber ausgetauscht haben, dass an dem Donnerstag noch keine versammlungsfreie Zone auf der Moorweide war und Xi erst am darauffolgenden Tag ankommen sollte, wollte ich gern die Übungen 1 bis 5 auf der Moorweide machen“, so Julia-Anna, eine Falun Gong-Praktizierende aus Hamburg und Mutter von zwei Kindern.

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„Ich habe mich mit einer Mitpraktizierenden auf der Wiese getroffen und hatte ein gelbes T-Shirt an mit der Aufschrift ´Falun Dafa – Wahrhaftigkeit, Barmherzigkeit, Nachsicht´. Tatsächlich waren in einiger Entfernung mehrere Chinesen zu sehen.“ Als die chinesischen Beamten sie entdeckten, gingen sie zu einem Polizisten und beschwerten sich. Kurz darauf kam der Polizist: „Die Chinesen fühlen sich durch sie gestört, könnten sie bitte woanders meditieren? Wissen Sie nicht, dass Xi in diesem Hotel untergebracht ist?“

Die Praktizierenden wollten jedoch bleiben, da sie gegen keinerlei Gesetz verstießen, wenn sie die Übungen dort machen würden. Der Polizeibeamte klärte das mit seinem Vorgesetzten ab und kam wieder. „Ja, Sie können hier bleiben und ihre Übungen machen. Das zählt nicht als Versammlung!“ Die Praktizierenden freuten sich darüber, dass die Polizei sich trotz des Drucks der chinesischen Delegation für die Praktizierenden und das Recht einsetzte.

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Während der drei Tage kamen immer wieder Falun Gong Praktizierende auf die Moorweide, um die Übungen zu machen. Zu guter Letzt fuhr Staatspräsident Xi Jingping am Sonntagabend tatsächlich an vier Falun Gong-Praktizierenden vorbei. Sie standen direkt auf einem Grünstreifen neben der Straße vor dem Hotel und praktizierten die erste Übung. Die Szene war sehr friedlich und harmonisch, ohne Spruchbänder und ohne lautes Rufen. Chinesische Beamte versuchten noch, sich vor die kleine Gruppe zu stellen und die Sicht auf die Übenden zu verdecken - schafften es jedoch nicht. Kurz nach dieser Szene begann der dunkle Himmel sich aufzuklaren und die Wolken lösten sich auf. Ein erfolgreicher friedlicher Appell auf einem umstrittenen Gipfel.

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