Krankheitskarma überwinden

Vorgetragen auf der deutschen Fa-Konferenz 2017 in Kassel
 

Verehrter Meister,
liebe Mitpraktizierende,

als ich das erste Mal mit Falun Dafa in Berührung kam, hatte ich keine Ahnung, was es ist. Ich bekam die Empfehlung von einer Sängerin, für die ich schon lange als Klavierbegleiter arbeitete. Sie sagte mir, dass sie eine wundersame Methode von großer Bedeutung kennengelernt habe und ich sie lernen sollte. Da ich Vertrauen zu ihr hatte und bereits viele berufliche Erfahrungen mit ihr gemacht hatte, fing ich zu-nächst an, die Übungen zu praktizieren.

Einige Wochen später gab mir die Sängerin das Buch Zhuan Falun zum Lesen. Ich erinnere mich, dass ich das Buch damals in drei Tagen durchlas. Es war die erste Version des Zhuan Falun auf Deutsch. Das Lesen des Buches packte mich und ich fühlte mich so, als würde ich durch eine Tür hindurchgehen, die mir eine neue, eine andere Welt eröffnete. Es war das Jahr 1997. Ich war schon verheiratet und Vater von einem Sohn. Wir wohnten damals in Berlin. Durch die Notwendigkeit einer be-ruflichen Weiterbildung zogen meine Frau und ich nach Leipzig. Dort wurde ich Kontaktperson für Falun Gong. Es war das Jahr 1999, die Verfolgung von Falun Gong in China hatte gerade drei Monate zuvor angefangen.

Seitdem sind viele Dinge passiert. Deswegen habe ich mich entschieden, hier über das zu berichten, was mich in meiner Kultivierung sehr bewegt hat.

Ereignis im Jahr 2008

Eines Morgens während der Arbeit fingen meine Augen plötzlich an zu brennen und zu jucken. Bald danach waren sie geschwollen. Mein Aussehen veränderte sich so sehr, dass meine Klavierschüler erschraken, als wir uns am Nachmittag trafen. Die Haut um die Augen herum wurde trocken und durch die Risse trat eine Flüssigkeit heraus. Ich sah aus, als trüge ich eine Sonnenbrille, denn die Region um die Augen herum wurde dunkel. Später juckte es im Nacken, hinter den Knien und an beiden Unterarmen. Hier entstand eine Brandfläche, aus der Flüssigkeit herausdrang. Der Schmerz war sehr groß und ich konnte nicht schlafen. Alle zwei Stunden wachte ich durch das Jucken auf. Ich dachte, dass es sich hier um Karma-Beseitigung handele, wie bei den anderen Malen und dass alles bald wieder gut werden würde. Aber es verschlimmerte sich weiter, sodass ich die Arbeit absagen musste. Obwohl ich das Fa las und aufrichtige Gedanken aussendete, wurde meine Situation nicht besser. Ich rief den Mitpraktizierenden A in meiner Stadt an und bat ihn um Hilfe. Er schrieb eine Nachricht in unsere Mail-Liste und bat dort um Hilfe für mich. Weil der Schmerz zu groß war und ich verzweifelt war, ging ich zum Arzt. Der Arzt machte einen Allergietest und diagnostizierte, dass ich gegen „alles“ allergisch sei. Ich sollte mich auf ein Leben mit Einschränkung einstellen. Außerdem machte er mir keine Hoffnung, dass sich mein Aussehen wieder normalisieren würde.

Das Leiden war weiterhin groß und innerlich spürte ich einen großen Stress. Auch mein Magen schmerzte und ich wurde immer schwächer. Trotzdem versuchte ich, wieder zu arbeiten. Es fühlte sich an, als ob der nächste Augenblick möglicherweise mein letzter sein könnte. Ich schämte mich, dass ich als Kultivierender in diese Lage geraten war. Als ich darüber nachdachte, was mein Fehler sein könnte, gab es keine befreiende Erkenntnis. Ich hatte keine andere Wahl, als weiter über mich nachzuden-ken und nach innen zu schauen. Dann fiel mir die Beziehung zu meiner Frau auf und ich entdeckte einen Grund für meinen innerlichen Stress. Als wir heirateten, waren ihre Eltern mit der Heirat unzufrieden, weil ich mittellos war und sie Angst davor hatten, ich könne ihr Geld vergeuden. Das demütigte mich unbewusst. Später gab es sowohl von meinen Schwiegereltern als auch von meiner Frau Bemerkungen, die mich als „weniger wert oder weniger würdig“ bezeichneten. Durch meine viele Ar-beit hatte ich ihre Anerkennung gewinnen wollen. Diese Art von Trachten wollte ich nun loslassen.

Ein anderer Punkt war, dass ich jeden Groll lösen wollte. Was nutzt einem der Groll, wenn man möglicherweise bald stirbt? Zum Beispiel gab es etwas Verstecktes in mir gegen den damaligen Hauptkoordinator. Ich rief ihn an. Seine Frau ging ans Telefon und weil er sehr beschäftigt war, ließ ich ihm mitteilen, dass ich mich vom Herzen bei ihm bedanken würde. Er hatte mir sehr oft bei der Kultivierung und bei prakti-schen Angelegenheiten geholfen. Ich dachte, dass ich im Fall meines Todes keinen Groll mitnehmen wollte. Es schien so sinnlos und unbedeutend. Jede Erinnerung an Groll, ganz gleich an wen, wollte ich lösen und harmonisieren.

Ich hatte oft Tränen in den Augen. Die Lage war für mich so schwer. Wenn ich dar-über mit meinen Mitpraktizierenden sprach, spürte ich, dass sie verstanden, worüber ich erzählte. Mit meiner Frau wollte ich aber nicht offen sprechen, denn ich fürchtete, sie würde sofort den Krankenwagen rufen. Ich wollte nicht, dass die Nachbarschaft sah, wie ich auf einer Liege rausgetragen wurde. Jeder im Haus weiß, dass ich Falun Dafa praktiziere, wie sollte das gehen, dass sie mich in dieser Lage sahen? Wenn ich aber starb, konnte ich nichts dagegen tun. Dann dachte ich weiter an meine Familie, wie sie ohne mich weiterleben würde. Der Tod schien mir nah. Ich dachte an meine zahlreichen Klavierschüler und deren Familien, wenn sie von meinem Tod erfahren würden. Mich quälte die Befürchtung, dass ich durch meinen Tod den Ruf von Dafa beschmutzen würde. Eines Nachmittags hatte ich die Arbeit erledigt, indem ich mich jedesmal nur auf die nächste Sekunde konzentrierte. Danach ging ich nach Hause und lief die drei Etagen hoch bis zu unserer Wohnung. Ich dachte: „Einen schritt nach dem anderen, vielleicht schaffe ich es bis nach oben.“ Um 21 Uhr ging ich ins Bett und war am Ende. In diesem Moment richtete ich ein Gebet an Shifu: „Verehrter Meister, ich weiß nicht mehr weiter. Bitte entscheiden Sie, ob ich gehen oder bleiben soll.“ In diesem Moment konnte ich alles in dieser Welt loslassen. Ich gab mich voll-ständig in die Hände des Meisters. Und so schlief ich ein.

Als ich am nächsten Morgen wieder aufwachte, war ich sicher, dass der Meister mein Leben verlängerte oder mir ein neues gab. Es fühlte sich anders an als vorher. Ich entschied mich, es besser zu machen und das Fa konzentrierter zu lesen. Ich hatte Erfahrungsberichte auf der Minghui-Webseite gelesen, in denen Praktizierende in chinesischen Gefängnissen über ihre Befreiung von der Verfolgung berichteten. Ei-ner von ihnen erzählte, dass er immer und zu jeder Zeit etwas aus dem Fa rezitierte. Ein anderer war zuhause und es zeigte sich an ihm starkes Krankheitskarma. Er konnte sich davon befreien, indem er jeden Besucher und Familienangehörigen da-rum bat, ihm das Fa vorzulesen. Beide Beispiele hatten einen positiven Ausgang. Ich versuchte, das Fa-Lernen zu verbessern. Manchmal waren es nur zwei Worte, die ich so oft wiederholte, bis sie mir im Kopf blieben. Manchmal rezitierte ich über eine Stunde lang einen Textabschnitt aus dem Zhuan Falun. Diese Methode konnte ich nur anwenden, wenn ich allein zuhause war. Bald danach bemerkte ich, dass etwas Besserung eintrat. Während ich rezitierte, kamen mir manche neue Erkenntnisse über den gelesenen Text in den Sinn und ich dachte überhaupt nicht mehr an meine Schwierigkeiten. Die gelesene Textstelle war mir zwar schon lange bekannt, aber durch diese Methode gewann sie plötzlich an neuer Bedeutung. Andere Textstellen kamen mir so vor, als hätte ich sie bis dahin noch nie gelesen.

Der Meister sagt:
„Warum kann das dann für die Kultivierenden getan werden? Weil ein Kultivieren-der am wertvollsten ist. Er will sich kultivieren, deshalb ist dieser von ihm ausgesen-dete Gedanke am wertvollsten. Im Buddhismus wird von der Buddha-Natur gespro-chen; sobald die Buddha-Natur erscheint, können ihm die Erleuchteten helfen.“ (Zhuan Falun)

Diese Stelle des Fa blieb fest in meinem Gedächtnis. Allmählich merkte ich, dass ich nicht mehr in Not war, ich konnte den Tag wieder normal gestalten. Bis heute benut-ze ich diese Methode, um das Fa richtig zu lernen, denn es ist mir manchmal nicht leicht, die Gedanken während des Fa-Lernens nur auf das Gelesene zu konzentrieren.

Die Xinxing als Betreuer erhöhen

Am Anfang waren wir in meiner Stadt zu zweit. Im Laufe der Zeit wurde unsere Gruppe von Praktizierenden größer. In der letzten Zeit sind die Anforderungen an die Betreuer erhöht worden. Unsere Gruppe trifft sich einmal die Woche sonntags zum gemeinsamen Praktizieren der Übungen. Wir haben auch organisiert, dass einmal die Woche ein Treffen zum Fa-Lernen in der Wohnung der Praktizierenden B stattfindet. Vor einigen Monaten geschah etwas, vorauf ich nicht vorbereitet war. Ich hörte von einigen neuen Praktizierenden die Kritik, dass ich nicht gut koordinieren würde. Ich versuchte herauszufinden, was genau fehlte und tauschte mich mit anderen Praktizie-renden darüber aus. Ich vermied jedoch, die neuen Praktizierenden direkt anzuspre-chen, weil ich den Konflikt scheute. Das Klima fühlte sich feindselig an. Im Grund genommen konnte ich die Kritik verstehen. Diese Praktizierenden wünschten, dass ich mehr Aktivitäten in unserer Stadt organisierte. Aber zu der Zeit fühlte ich mich sehr belastet durch Beruf und Familie. Außerdem wollte ich noch Zeit für die tägli-che Kultivierung finden und es gab noch ein Dafa-Projekt, an dem ich wöchentlich beteiligt war.

Ungefähr zu dieser Zeit hatte der Praktizierender A oft mit Krankheitskarma zu kämpfen. Ich besuchte ihn oft und wir sendeten aufrichtige Gedanken aus, wann im-mer irgendwelche Schwierigkeiten auftauchten. Diesmal war es sehr ernst und A rief mich mit leiser Stimme an und bat mich um Hilfe. Ich fuhr sofort zu ihm; es sah nicht gut aus. Sein Zustand war ernst und ich hatte Angst um ihn. Er sagte, dass in den anderen Räumen einen Kampf um sein Leben stattfinden würde und es ihm sehr schlecht gehe. Er musste oft erbrechen und konnte nichts essen. Ich nahm das Zhuan Falun und las ihm daraus einen Abschnitt immer wieder vor, eine Stunde lang, da-nach gab ich ihm etwas zu trinken. Zwei Tage später stand der Praktizierende A wie-der auf den Beinen und es ging wieder aufwärts mit ihm.

Einige Tage später rief mich die Praktizierende B an und fragte, ob wir uns treffen könnten. Ich fuhr zu ihr und dachte, sie hätte etwas von sich auszutauschen. Stattdes-sen sagte sie zu mir, es sei meine Schuld, dass der Praktizierende A oft krank sei. Ich sei nicht immer beim Fa-Lesen dabei gewesen und das sei der Grund, warum die al-ten Mächte den Praktizierenden A verfolgen würden. Als ich das hörte, wurde mir übel. Die Vorstellung fühlte sich schwer an, dass durch ein Fehler von mir ein ande-rer Praktizierender derart leidete. Ich hatte den Praktizierenden A an dem Abend sei-nes Leidens gesehen und ihm geholfen, so gut ich konnte. Wie könnte ich der Grund dafür gewesen sein?

Ich war einige Tage damit beschäftigt, meine Gedanken zu sortieren. Ich fühlte mich gekränkt, dass ein neuer Praktizierender mich so kritisierte. Im Innern fühlte ich mich höher als sie, weil ich in der Kultivierung schon einiges erlebt hatte. Nach weiterem Nachdenken musste ich diese Überheblichkeit aufgeben, denn nichts kommt zufällig. Wenn dieser Konflikt schon entstanden war, sollte ich mich dadurch erhöhen. Als nächstes bemühte ich mich, zum nächsten Fa-Lesen zu erscheinen. Beim Treffen fühlte ich mich gehemmt und empfand den Wunsch, mich zu wehren. Beim Lesen machte ich den Fehler, zwei Abschnitte nacheinander zu lesen. Es traf mich wieder, dass die Praktizierende B mich daraufhin prompt korrigierte. Beschämt gab ich mei-nen Fehler zu und wir lasen das Kapitel zu Ende. Ich erkannte, dass ich in bestimm-ten Situationen nicht gern meine Fehler zugeben wollte. Es war mein Stolz - etwas Besseres sein zu wollen -, der hier getroffen wurde.

Der Prozess, den Stolz zu beseitigen, dauert noch an. Ich bemühe mich seit dieser Erkenntnis, den anderen Praktizierenden mit Respekt und Wertschätzung zu begeg-nen. Vor einigen Wochen veranstalteten wir einen Infostand. Leider war der zuge-wiesene Ort ungünstig, der Platz war wegen einer Baustelle eng und die Menschen mussten sich beim Gehen drängen. Mittendrin standen wir. Ich bemerkte, dass viele kein Flyer von mir nehmen wollten. Dagegen schaffte es die neue Praktizierende C, viele Passanten anzusprechen und ihnen einen Flyer zu geben. Ich bedankte mich bei ihr, dass sie bei dem Infostand dabei war. Ich dachte auch, dass ich mich besser kul-tivieren möchte, sodass ich noch mehr Menschen erreichen kann.

Bei dieser Erfahrung habe ich gelernt, offen mit meinen Mitpraktizierenden zu spre-chen und meine Fehler zuzugeben. Bei der Planung unserer Aktivitäten frage ich jetzt jeden direkt nach seiner Meinung und seinen Vorschlägen. Der Praktizierende A hat seitdem keine ernsthafte Störung mehr. Ich möchte an diese Stelle der Praktizie-renden B gegenüber meinen Dank aussprechen. Ihre Worte haben mir geholfen, in der Kultivierung weiter zu kommen.

Ich will mich noch besser kultivieren, den Stolz beseitigen, mehr Barmherzigkeit in mir tragen und meine Mission erfüllen.

Danke an Shifu.
Danke an die Mitpraktizierenden.

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