Großbritannien: Debatte im britischen Unterhaus zum „Organraub in China“ im BBC übertragen

Die Debatte am 11. Oktober 2016 im Unterhaus von Großbritannien zum Thema „Organraub in China” wurde vom BBC-Fernsehen übertragen.

Der Abgeordnete Jim Shannon moderierte die Debatte. Er eröffnete die Diskussion, indem er die Wichtigkeit betonte, sich mit dem Organraub an Falun Gong-Praktizierenden in China zu beschäftigen.

Jim Shannon: „Der Gedanke, dass jemand mit herausgeschnittenen Organen in einem Eisbad aufwacht, war lange Zeit ein modernes Schauermärchen. Jedoch gründet sich die heutige Debatte nicht auf einer Horrorgeschichte, auch wenn wir uns Halloween nähern. Es ist keine Fantasie. Es ist ein Gräuel, das in China ganz real ist. Da wir darauf aufmerksam gemacht worden sind, glaube ich, dass wir aktiv werden müssen, damit dieses Szenario in den Bereich der Schauermärchen zurückkehrt. Deshalb ist die Debatte so wichtig.“

Er gab einen zeitlichen Überblick darüber, wie diese Verbrechen des kommunistischen Regimes von China ans Licht kamen:

„Diese Geschichte, die fast zu schrecklich ist, um sie zu glauben, wurde erstmals im März 2006 bekannt, als eine Frau erklärte, dass 4.000 Falun Gong[-Praktizierende] um ihrer Organe willen in dem Krankenhaus getötet worden seien, in dem sie gearbeitet habe. Ich hatte das Privileg, einige der Familien dieser Leute in diesem Unterhaus hier zu treffen. Eine gemeinnützige Organisation war auch daran beteiligt, sodass wir einige der Geschichten aus erster Hand kennen.

Eine Woche später bestätigte ein chinesischer Militärarzt nicht nur die Aussage der Frau, sondern gab an, dass solche Gräueltaten in 36 verschiedenen Konzentrationslagern im ganzen Land stattfinden würden. Er sagte, er sei auch Zeuge gewesen, dass landesweit Falun Gong[-Praktizierende] in riesiger Anzahl in Viehtransportzügen nachts und unter dem Schutz von Hochsicherheitsvorkehrungen transportiert worden seien. Die Leute denken vielleicht, dass das etwas aus der Geschichte des Zweiten Weltkrieges ist, aber der Transport von Menschen in Viehtransportzügen ist allzu real. Wie ich schon sagte, es passiert in der Nacht und unter dem Schutz von Hochsicherheitsvorkehrungen.

Im Jahr 2006 veröffentlichten zwei prominente Kanadier – David Kilgour, ein ehemaliger Abgeordneter, und David Matas, ein Anwalt für Menschenrechte – einen Bericht für die „Koalition zur Untersuchung der Verfolgung von Falun Gong in China“. Darin erklärten sie die Behauptungen für glaubwürdig, dass die chinesischen Behörden Organe von getöteten Mitgliedern dieser Gruppe entnehmen. Die Opfer wurden vor ihrer Sezierung in Konzentrationslagern gehalten, danach wurden ihre Überreste sofort verbrannt. Als ob die Behörden die Beweise für ihre schlimmen Taten loswerden konnten, wenn sie sie so schnell verbrannten.

Im Juli 2006 veröffentlichten Kilgour und Matas ihren 140-seitigen Bericht. Darin zogen sie ‚die bedauerliche Schlussfolgerung, dass diese Vorwürfe wahr sind‘.

Die Untersuchung enthüllte, dass es sich um Tötung auf Bestellung für Organtransplantationen in China handelt. Es gibt eine Fülle von Organen trotz des Fehlens eines funktionalen Spendensystems. Zehn Jahre später, am 22. Juni 2016, veröffentlichten sie eine Aktualisierung ihres Berichts. Er zeigt den beständigen Ausbau der Transplantationskapazitäten – der Organraub kam im Jahr 2006 ans Licht – , die treibenden Faktoren für das Wachstum der Branche und die Rolle der Regierungspartei, der Regierungsbehörden und einzelner Beamter bei der Umsetzung und Weiterverfolgung der systematischen Tötung von Gewissensgefangenen wegen ihrer Organe. Wir sprechen von Menschen des Falun Gong-Glaubens, des christlichen Glaubens, die verfolgt wurden, von Menschen, die im Gefängnis sind und Angehörige anderer ethnischer Gruppen.“

Mehrere Abgeordneten-Kollegen von Shannon beteiligten sich an der Debatte und äußerten ihre Meinung.

Der Abgeordnete Patrick Grady aus Glasgow Nord sagte:

„Viele der von ihm aufgeworfenen Fragen sind für viele unserer Wähler von Belang. Einige haben in dieser Angelegenheit Kontakt mit mir aufgenommen und ich habe auch Fragen eingereicht, die sich aufgrund des Kontakts mit den Wählern ergaben. Teilt er meine Enttäuschung über den leichten Mangel an Engagement der Regierung zu diesem Thema? Wir verstehen, dass sie sich positiv und sensibel der chinesischen Regierung gegenüber verhalten muss, aber die Besorgnis von so vielen Wählern sollte ernst genommen werden.“

Der Abgeordnete Martyn Day, der Linlithgow und East Falkirk vertritt, äußerte, dass die „Qualität der Information, die übermittelt wurde, hervorragend war“. Er fasste die Diskussion Shannons zusammen:

„Der Herr Abgeordnete sagte zwei Dinge, die ich wiederholen will, weil sie die Gesamtheit der Debatte für mich zusammenfassen. Er sagte, dass das, was in China geschieht, ,fast zu schrecklich ist, um es zu glaubenʼ, und er unterstrich die krasse Realität. So muss als Botschaft hinausgehen, dass wegen der Nachfrage nach ihren Organen Menschen auf Abruf getötet werden.“

Der Abgeordnete Shannon beendete die Debatte mit folgenden Worten:

„Ich fordere die Regierung dringend auf, intensiv daran zu arbeiten, dass diese Thematik auf internationaler Ebene behandelt wird, damit wir gemeinsam sicherstellen können, dass wir China wirksam dazu bringen können, den Organraub zu beenden. Wenn wir das können, wird dieses Haus [Unterhaus] mit denen [Abgeordnetenhäusern] der restlichen Welt zusammenarbeiten, die für eine Beendigung dieser schändlichen und schrecklichen Art von Organtransplantation sind.“

Link zur gesamten Debatte: https://hansard.parliament.uk/commons/2016-10-11/debates/415E2EC0-F4D8-4E94-AD76-D980010ACD69/ForcedOrganRemovalChina

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