Bauliche Errungenschaften des Kaisers Yongle in der Ming Dynastie

Jede Dynastie in der chinesischen Geschichte hatte ihre eigene Stilrichtung in Bezug auf Architektur, Kleidung, Kultur und Kunst. In diesem Artikel werden drei Bauwerke des Kaisers der Ming Dynastie beschrieben.

Kaiser Yongle, (1360 – 1424 n. Chr.), Nachkomme von Zhu Di, war der dritte Kaiser der Ming Dynastie (1368 – 1644 n. Chr.). Während seiner Herrschaft in den Jahren 1402 bis 1424, gab er den Bau der Verbotenen Stadt im heutigen Peking in Auftrag, sowie den taoistischen Baukomplex auf dem Berg Wudang und den Porzellan-Turm in Nanjing. Alle drei Bauwerke wurden mit leuchtenden, farbenfrohen und glänzenden Fliesen verkleidet. Sie unterschieden sich von den traditionellen Gebäuden mit weißen Mauern und dunklen Fliesen.

1. Schönheit von kolorierter Glasur – der Porzellan-Turm von Nanjing

Der Porzellanturm von Nanjing heißt im Chinesischen „Tempel vergoltener Dankbarkeit“ und wurde auf Anweisung von Kaiser Yongle geplant und errichtet. Der gesamte Turm, nicht nur die Ziegeln auf dem Dach, bestand aus kolorierten, glasierten Ziegeln.

In der damaligen Zeit waren die Menschen mit dem Bau von Häusern aus Stein oder Holz vertraut. Es war eine Seltenheit ein ganzes Gebäude aus glasierten Ziegeln zu errichten. Der neunstöckige, achteckige Yongle Porzellan-Turm von Nanjing hatte einen Sockel mit einem Durchmesser von knapp 30 Metern und eine Höhe von etwa 79 Metern. Er bestand sowohl innen, als auch außen, aus glasierten Porzellanziegeln.

Die Besonderheit war: Außer einem Pfeiler an der Spitze, gab es in der gesamten Bausubstanz kein einziges Holzelement. Glasierte und kolorierte Porzellanziegel wurden zusammengefügt und bildeten die Struktur des Turmes, innen wie außen. Es war das außergewöhnlichste Bauwerk in glasierter Ziegel-Bauweise.

Als primäres Baumaterial wurde glasiertes Porzellan ausgewählt, das wegen seiner Brillanz und seines Glanzes, kunstvoll seine Pracht entfaltete.


Zeichnung des Porzellanturmes von Nanjing vor seiner Zerstörung in den 1850er Jahren während der Taiping Rebellion

Die Künstler bemalten die Porzellanziegeln mit Fresken, unter anderem mit Abbildungen von Lotusblumen, göttlichen Tieren und himmlischen Wesen. Die Ziegel wurden unter hohen Temperaturen gebrannt, und verliehen der Glasur einen einmaligen farbigen Glanz.

Der einzelne Ziegel war auch nicht einfarbig. Mit der mehrfarbigen Glasur wurde ein größeres Farbenspektrum erreicht. Diese Ziegel wurden dann zusammengesetzt und bildeten den Turm.

Die Herstellung von Fresken auf den Ziegeln unterschied sich völlig von den Skizzen auf Papier oder Öl auf Leinwand. Da gab es nicht so viel Platzes wie an der Decke der Sixtinischen Kapelle. Es war eine besondere künstlerische Herausforderung, Figuren und Szenen auf den kleinen Ziegeln abzubilden. Trotzdem wurden viele bezaubernde Szenen dargestellt.

In der westlichen Kunst kennen wir Engel mit Flügeln und Pferde mit Flügeln. Doch nur wenige Menschen wissen, dass diese Abbildungen auch auf den glasierten Ziegeln des Yongle Porzellanturmes zu sehen waren. Darunter befanden sich himmlische Wesen mit Flügeln, fliegende himmlische Pferde, göttliche Tiere, die aussahen wie Ochsen mit Flügeln, majestätische Löwen, heimische Elefanten, Lotusblumen und Lotusblätter. Die Bilder waren lebendig und auserlesen.

In den alten Zeiten klebten die Leute Papier über ihre Fenster, um bestimmte Lichteffekte zu erreichen. Einige reiche Familien benutzten dafür Stoffe. An den Fenstern des Yongle Porzellanturmes wurden zu diesem Zweck Muschelschalen eingesetzt. Sie waren extrem dünn geschliffen, um das Licht filtern zu können. Sie wurden „Helle Ziegel“ genannt und waren das durchscheinendste Material vor der Einführung von westlichem Glas.

Während der Ming und Qing Dynastien war der etwa 79 Meter hohe Turm in der Nacht bis zur Spitze beleuchtet. Das durch die transparenten Muschelschalen strahlende Licht, machte ihn zu einem Märchenpalast. Der Turm konnte von jeder Ecke von Nanjing aus gesehen werden; seine optische Wirkung erhöhte das Bewusstsein der Menschen für die buddhistische Kultur.

Ausländische Diplomaten waren fasziniert von diesem Beispiel chinesischer Kultur. Während der Qing Dynastie (1644 – 1912) war der Porzellanturm von Nanjing bei der europäischen Aristokratie weit bekannt. Für viele war es ein Lebenstraum, seine Großartigkeit persönlich zu erleben.

2. Die Schönheit blauer Glasur – Taoistische Architektur auf dem Berg Wudang


Glasierte Ziegel in Pfauenblau auf den Dächern eines taoistischen Bauwerks auf dem Berg Wudang

Der taoistische Gebäudekomplex wurde auf Anordnung des Kaisers Yongle errichtet. Beim Bau wurden großflächig blaue glasierte Ziegel verwendet. Die pfauenblauen Ziegel der Dächer der taoistischen Bauwerke heben sich von der reinen, ruhigen Bergregion ab. Sie betonen die taoistische Pracht. Diese Gebäude besitzen geschichtete Dachvorsprünge (Traufen) und bemalte Säulen und Balken, eine natürliche Kombination von Beschaulichkeit mit exquisiter Pracht. Der taoistische Baukomplex von Wudang förderte die Popularität des Taoismus unter der Ming Bevölkerung.


Skulptur eines geflügelten, ausatmenden Pferdes auf dem taoistischen Gebäude am Berg Wudang

Erstaunlich sind auch die Pferde auf dem Giebel dieses taoistischen Gebäudes. Sie sind geflügelt und atmen aus, was bei den Betrachtern Bewunderung und Respekt für die göttliche Welt hervorrufen sollte.

Neben den glasierten blauen Ziegeln, bietet der bauliche Komplex auch gegossene, goldbeschichtete Kupferkomponenten. Der Goldpalast auf dem Berg Wudang ist - bis heute - das größte in Kupfer gegossene und mit Gold beschichtete Bauwerk. Trotz der verschiedenen Witterungseinflüsse in über 500 Jahren, ist seine ursprüngliche Großartigkeit bis heute erhalten geblieben.

Der goldene Palast besteht aus einzelnen Metallteilen, die präzise und solide zusammengesetzt wurden. Das Design ist vergleichbar mit dem des Porzellanturmes (zusammengesetzt aus glasiertem Porzellan). Eine einzige Fehlanpassung eines winzigen Teilchens, würde die Konstruktion des gesamten Gebäudes in Frage stellen. Die heutigen Menschen staunen über die Weisheit der alten Baumeister, die bei ihren Werken von göttlichen Wesen inspiriert wurden.

3. Die Schönheit der hellgelben Glasur – Die Verbotene Stadt von Peking

Die Gebäude der verbotenen Stadt in Peking, die Kaiser Yongle errichten ließ, wurden mit hellgelben Fliesen gestaltet. Die Legende besagt: Himmlische Paläste sind eine reiche, blühende Welt aus prunkvollen Gebäuden und unterschiedlichen Bauten, wie Pavillons, Plattformen, Türmen und Balkonen. Die Paläste, Geländer, Durchgänge und Pavillons in der Verbotenen Stadt zeigen die Charakteristiken himmlischer Paradiese. Die Erhabenheit ihrer Bauten, die bemalten Säulen und Balken und die farbigen glasierten Fliesen sollen die kaiserliche Herrlichkeit vermitteln.

Fazit

Kaiser Yongle verwendete für den Bau des Porzellanturmes und des taoistischen Baukomplexes mehr Zeit, Energie und Ressourcen, als für die Errichtung der Verbotenen Stadt. Der sparsame Kaiser Yongle, der keinen Alkohol trank und geflickte Kleider trug, war gewissenhaft in der Führung des Landes. Er kümmerte sich um die alltäglichen Menschen, die unter seiner Herrschaft gediehen. Der Kaiser fühlte sich berufen, den buddhistischen Porzellanturm von Nanjing und den taoistischen Baukomplex auf dem Berg Wudang mit den hochwertigsten Materialien und dem besten Design zu erbauen, um damit die Großartigkeit der Welten der Buddhas und Gottheiten darzustellen. Nur sie verdienen die großartigste Architektur.

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