Kultivierungserfahrung

Vorgetragen auf der europäischen Fa-Konferenz zum Erfahrungsaustausch in Wien 2015
 

Verehrter Meister!Liebe Mitpraktizierende,

Im Jahr 2008 fing ich an, Falun Dafa zu praktizieren, doch ich sage immer, dass ich mit der wahren Kultivierung erst 2010 begann, weil ich dann erst anfing, die drei Dinge zu tun.

Zuerst möchte ich allen mitteilen, dass ich meinen Erfahrungsbericht für die europäische Fa-Konferenz wirklich bis zur ersten angegebenen Frist abgeben wollte, doch verschiedene Ängste hielten mich zurück, so dass ich schließlich zu spät war. Eines Tages schrieb ich einem Mitpraktizierenden, wie wichtig es sei, dass er einen Erfahrungsbericht darüber schreibe, wie er anderen die Übungen beibringt. Denn mir hatte es viel geholfen, ihm zuzuhören. Er bestätigte, dass dies wahrscheinlich gut wäre, dass ihn jedoch einige Ängste davon abhalten würden, zum Beispiel dass er nicht gut genug wäre und ihn vielleicht jemand kritisieren würde. Genau das waren auch die Ängste, die bei mir hochkamen. Doch es war interessant, dass sie so tief versteckt waren, dass ich sie erst Stunden später erkannte. Ich dachte die ganze Zeit daran, was ich ihm antworten könnte, doch ich konnte ihm erst antworten, als ich verstand, dass es genau die Eigensinne waren, die ich loslassen sollte.

Folgende Zeilen des Meisters kamen mir in den Kopf:

„Bei uns wird das Karma meistens durch zwischenmenschliche Reibereien in Bezug auf die Xinxing umgewandelt, normalerweise zeigt es sich auf diese Weise. Die Leiden, die man bei den Konflikten und bei den zwischenmenschlichen Reibereien erträgt, sind sogar stärker als jene Schmerzen. Ich sage, die körperlichen Leiden sind am leichtesten zu ertragen, Zähne zusammenbeißen, dann vorbei. Bei den zwischenmenschlichen Intrigen und Kämpfen ist es am schwierigsten, das Herz zu beherrschen.“ (Li Hongzhi, Zhuan Falun, 2012, Seite 225-226)

Dann entstand ein Gedanke in meinem Kopf: „Wenn es immer noch möglich wäre, einen Erfahrungsbericht für die Fa-Konferenz abzugeben, dann würde ich keinen Rückzieher mehr machen.“ Wenige Stunden nach diesem Gedanken kam eine E-Mail vom Europäischen Dafa-Verein, in der stand, dass die Abgabefrist für die Artikel verlängert worden sei. Ich konnte meinen Augen kaum trauen. Es war wie ein Hinweis des Meisters. Und ich hatte mir ja gesagt, wenn es noch möglich wäre, dann würde ich einen Bericht schreiben ... und so fing ich damit an.

1. Meine Mutter verließ die Erde

Am 2. August 2014 bekam ich einen Anruf um 12 Uhr mittags, als ich aufrichtige Gedanken aussandte. Die Nachricht traf mich wie ein Blitz aus heiterem Himmel: Meine Mutter hatte uns verlassen. Bis dahin wusste ich nicht, dass man überhaupt solche Schmerzen haben konnte. Zuvor dachte ich, dass ich schon viel erlebt hätte. Außerdem bin ich eine Falun Dafa-Kultivierende, die weiß, dass das Leben auf der Erde nur ein Zustand ist. Doch in diesem Moment blieb für mich die Welt stehen. Ich wollte so schnell wie möglich nach Hause zu meinem Vater, der zwei Autostunden von mir entfernt wohnte. So fuhr ich mit meinen Mitpraktizierenden los, die auch meine Familienangehörigen sind. Ich hatte das Gefühl, dass ich ihnen nicht zeigen konnte, was ich fühlte, weil sie es nicht verstehen würden. Ich bin eine Kultivierende. Ich musste das leicht nehmen - sagte ich zu mir selbst. Der Hintergrund der Geschichte ist, dass eine der größten Ängste meiner Kindheit früher darin bestand, meine Mutter zu verlieren ... und nun, an diesem heißen Sommertag, als ich gerade mal 24 Jahre alt war, wurde ich damit konfrontiert.

Monatelang konnte ich nicht darüber hinwegkommen. In den ersten Wochen musste ich mich schnell erholen, weil die Tian Guo Marching Band nach Ungarn kam, was in der Tat für uns, meine Mitpraktizierenden und auch für die Lebewesen in Ungarn eine große Angelegenheit war. Ich wollte meine Mitpraktizierenden und die Lebewesen nicht im Stich lassen, so tat ich, was zu tun war und bat den Meister, mir dabei zu helfen, über die Sache hinwegzukommen.

Ich lernte fleißig das Fa und stieß dabei auf die folgende Stelle im Zhuan Falun:

„Das wahre Leben eines Menschen ist der Urgeist und die Mutter, die deinen Urgeist geboren hat, ist deine wahre Mutter. In der Sechs-Wege-Reinkarnation waren deine Mütter Menschen und auch nicht Menschen, unzählige. Wer ist deine Mutter und wer sind deine Kinder? Nach dem Tod kennt keiner mehr den anderen; wie auch immer, das Karma, das du schuldest, musst du zurückzahlen. Im Nebel können die Menschen so etwas einfach nicht loslassen. Mancher kann seine Kinder nicht loslassen, er sagt, wie gut sie waren, sie sind gestorben; oder wie gut seine Mutter war, sie ist auch gestorben, er ist so niedergeschlagen, dass er fast nicht mehr leben will. Hast Du nicht überlegt, dass das so gekommen ist, um dich zu quälen? Auf diese Weise machen sie dir das Leben schwer.” (Li Hongzhi, 2012, Seite 357-358)

Viele Male rezitierte ich diese Stelle und versuchte mein Bestes zu tun, um meine Gefühle loszulassen. Sobald die Aktivitäten mit der Tian Guo Marching Band vorbei waren, fühlte ich, dass ich meiner menschlichen Seite etwas nachgeben konnte. Nun konnte ich weinen und mein Herz den Schmerzen hingeben. Leider war das sehr menschlich und es war ziemlich hart, danach wieder zu mir selbst zurückzufinden.

Viel Hilfe erhielt ich durch die Überarbeitung der Übersetzung des Zhuan Falun mit einer Mitpraktizierenden. Wir arbeiteten fast jeden Morgen 1,5 bis 2 Stunden daran. Ich kann dem Meister für dieses Arrangement nicht genug danken. Durch dieses Arrangement war ich gezwungen, das Fa mit hoher Konzentration zu lernen. Wir lasen nicht nur zusammen, sondern wir korrigierten auch die Übersetzung. Deshalb musste ich äußerst aufmerksam sein. Die Kraft des Fa war erstaunlich. Ebenfalls half mir die grenzenlose Barmherzigkeit der Mitpraktizierenden, die mir durch ihre eigenen Erfahrungen zur Seite stand. Ich war sehr froh, dass sie mich nicht verurteilte und nicht sagte, wie ich sein sollte.

Durch das Lernen des Fa kann alles gelöst und jeder Test überwunden werden. Vielleicht nicht sofort und vielleicht fallen wir im Prozess mehrmals hin, aber wir können immer wieder aufstehen. Mittlerweile erinnert mich der Verlust meiner Mutter auch an eine wichtige Tatsache, nämlich, dass unsere Zeit begrenzt ist. Wie sehr ich auch alles besser machen wollte, um mit ihr verbunden zu sein, ihr mehr zu helfen, ich kann es jetzt nicht mehr. Ich kann das Rad der Zeit nicht zurückdrehen. Aber ich habe immer noch die Chance, mich selbst besser zu kultivieren und die drei Dinge besser zu machen, um mehr Lebewesen zu erretten.

2. Teilnahme am Projekt Ride to Freedom

Der zweite Teil meines Erfahrungsberichtes ist eng mit dem ersten Teil verbunden. Als ich nämlich verstand, wie dringend die Errettung der Lebewesen ist, erhielten wir gerade die Nachrichten über das Projekt Ride to Freedom, denn dieses Projekt beinhaltete auch das Loslassen der Eigensinne in jeglicher Hinsicht. Als ich mehr über das Projekt erfuhr, war ich ein wenig erschrocken. Ich dachte, dass es nicht leicht für mich werden würde. Ich hing an so vielen Dingen und stellte es mir sehr schwer vor, keine eigene Privatsphäre zu haben. Die Tour würde mehr als sechs Wochen dauern. Das ängstigte mich, doch dann fand ich diesen Abschnitt in der Fa-Erklärung des Meisters „Dafa-Jünger müssen das Fa Lernen“:

“Aus der Sicht dieser Lebewesen ist es so: Um mich erretten zu können, musst du meine Ebene erreichen und diese mächtige Tugend haben, erst dann kannst du mich erretten. Wie kannst du mich erretten, wenn du jene mächtige Tugend nicht hast und meine Höhe nicht erreichst? Also lassen sie dich hinfallen, Leiden ertragen, sodass deine Eigensinne beseitigt werden und deine mächtige Tugend aufgebaut wird. Erst wenn du eine bestimmte Ebene erreicht hast, kannst du sie erretten.” (Li Hongzhi, Fa-Erklärung in Washington DC 2011, 16.07.2011)

Danach dachte ich, dass dies wirklich eine große Chance war, meine Eigensinne nach Bequemlichkeit und Faulheit loszulassen. Dabei wusste ich nicht einmal, wie groß diese Chance tatsächlich war.

Zuerst stellten wir das Projekt unserer Familie und unseren Freunden vor. Ihre Reaktion überraschte mich. Zuvor waren sie nicht wirklich an unseren Bemühungen interessiert, die Verfolgung zu beenden. Jetzt nahmen sie glücklich an der Selfie-Kampagne teil, bei der man ein Foto mit uns zusammen machte und es in den sozialen Medien postete. Wir schrieben eine kurze Erläuterung dazu, was sie mit diesem Foto unterstützen würden und die Hintergründe der Aktion. Zum Beispiel: „Wir nehmen diese 5.000 km lange Tour von LA nach DC auf uns, um auf die Kinder aufmerksam zu machen, die durch die Verfolgung von Falun Gong zu Waisen wurden. Danke, dass ihr uns unterstützt!” Auf diese Weise konnten alle Freunde und Follower desjenigen diese Bekanntmachung sehen.

Mein Verständnis ist, dass das eine sehr gute Sache war, weil sie damit öffentlich erklärten, dass sie auf der Seite des Dafa standen. Ich fand, dass allein die Vorbereitung es schon wert war, an dem Projekt teilzunehmen. Währenddessen musste ich viele Dinge loslassen, vor allem Eigensinne an materiellen Dingen. Das Projekt startete mit einem großen Budget, das in der Zwischenzeit jedoch schnell eintrocknete. So wurde es eine viel größere finanzielle Investition, als wir ursprünglich angenommen hatten. Wir wussten auch, dass wir unterwegs Ausgaben haben, jedoch viel weniger Einnahmen haben würden.

Die Zeit rückte immer näher und immer mehr Schwierigkeiten traten auf. Mehrere Praktizierende verließen das Projekt. Ich wusste, dass wir nicht aufgeben durften, wir mussten standhaft vorankommen.

Kurz bevor wir Ungarn verließen, bekamen wir die Gelegenheit, an einer viertägigen Veranstaltung teilzunehmen, die eine der meist besuchten Veranstaltungen in unserer Lebensumgebung war. Ich war noch nie bei diesem Ereignis dabei gewesen, so wusste ich nicht genau, was uns erwartete. Für gewöhnlich war es so, dass diese Veranstaltung vom Regen weggeschwemmt wurde. Es sah ganz danach aus, als wäre es dieses Mal wieder so. Am ersten Tag standen wir den ganzen Tag im Regen und es blies ein eisiger Wind. Manchmal machten wir das Foto, während einer von uns den Regenschirm hielt und der andere das Foto machte. Wir gaben nicht auf, wir konnten nicht aufgeben. Am zweiten Tag regnete es nur am Morgen und am vierten Tag setzte der Regen erst sein, als die Veranstaltung beendet war. Wir machten viele Fotos und erklärten vielen Menschen die wahren Hintergründe über die Verfolgung von Falun Dafa. Wir konnten mit Ride to Freedom an mehreren Veranstaltungen teilnehmen und alle liefen sehr gut. Und es war nicht nur so, dass die Menschen auf diese Weise von der Verfolgung erfuhren, sondern sie wollten uns auch aktiv unterstützen. Und fast alle erzählten uns, wie fantastisch diese Kinder seien, die ihre Sommerferien für solch einen noblen Zweck hergaben, obwohl sie erst Teenager waren.

3. Die Tour

Schon während des Fluges machte ich mir Sorgen. Ich sorgte mich um mein mangelhaftes Englisch und wie ich es schaffen sollte, jeden Tag zu überstehen. Ich fragte mich, wie gut ich es schaffen würde, meinen Eigensinn loszulassen und die Schwierigkeiten leicht zu nehmen. Ich wählte die Strategie, standhaft die Übungen zu praktizieren, das Fa zu lernen und aufrichtige Gedanken auszusenden. Immer wenn ich eine freie Minute hatte, machte ich eines dieser Dinge. Zur gleichen Zeit wurde ich allmählich mit meinen Ängsten konfrontiert.

Die dritte Nacht verbrachten wir in der Einöde. Wir besaßen nur eine Plane. Es war ein interessantes Gefühl, der Tatsache gegenüber zu stehen, nichts tun zu können. Ich konnte nicht fliehen, ich musste dort schlafen und ich fing an zu schwitzen … ich hatte große Angst vor Spinnen, Schlangen und Insekten. Ich dachte daran, zur Toilette zu gehen, um meine Stärke wieder zu erlangen. Als ich auf dem Weg dorthin war, warnten mich die anderen sogar, dass ich überall aufmerksam schauen sollte, bevor ich die Toilette betreten würde, um sicherzustellen, dass nicht etwas auf mich hüpfte ... Ich wusste nicht mehr, ob ich lachen oder weinen sollte. Dann fand ich eines der Mädchen des Teams dort, die sich fürchtete, in die Tür einzutreten. Ohne einen Gedanken öffnete ich die Tür, überprüfte den Ort und ließ sie eintreten.

Diese Situation ließ mich erkennen, dass ich eine Praktizierende war und alles, was passierte, kein Zufall war. Wir sind alle ein Teil davon. Ich kann nicht zulassen, dass meine Angst mich besiegt, weil dann wirklich eine Schlange oder etwas Ähnliches erscheinen wird. Der Fashen des Meisters ist bei uns. Wenn mein Glaube an den Meister und das Fa rein ist, kann mir nichts passieren. Auf diese Weise kann ich dem ganzen Team am besten helfen, da ich ja auch für sie verantwortlich bin.

Im Zhuan Falun sagt unser Meister:

„Mein Fashen weiß alles, er weiß alles, was du denkst, er kann alles tun. Wenn du dich nicht kultivierst, kümmert er sich nicht um dich; wenn du dich kultivierst, hilft er dir bis zum Ende.” (Li Hongzhi, 2012, Seite 258)

Dieses Verständnis half mir, selbst die schwierigsten Situationen zu überstehen, indem es mich daran erinnerte, dass nichts passieren konnte.

Jede Minute eines jeden Tages war eine ständige Prüfung, ob wir bedingungslos an den Meister und das Fa glauben; ob wir in der Lage sind, in jeder Situation zuerst an die anderen zu denken und unsere Eigensinne loszulassen. Ich denke, dass wir bis zu einem bestimmten Grad damit Erfolg hatten und viele Lebewesen erretteten.

Obiges stellt nur mein gegenwärtiges Verständnis auf meiner begrenzten Ebene dar. Bitte zeigt barmherzig auf, wenn etwas nicht angemessen ist.

Danke Meister
Danke Mitpraktizierende!

Texte und Informationen von dieser Website können mit Quellenangabe grundsätzlich weiterverwendet werden.