Schweiz: Pressekonferenz zu den 1,5 Millionen Unterschriften gegen den Organraub an Lebenden in China

Am 10. Dezember 2013 gab die Organisation DAFOH (Doctors against Forced Organ Harvesting, Ärzte gegen erzwungene Organentnahmen) in einer Pressekonferenz in Genf bekannt, dass in den letzten fünf Monaten 1,5 Millionen Unterstützer aus über 50 Ländern eine Petition gegen den Organraub an lebenden Falun Gong-Praktizierenden durch die KPCh unterzeichnet haben.


Pressekonferenz der DAFOH in Genf, Schweiz

Die Petition enthielt die drei Forderungen, 1. die VR China aufzufordern, die erzwungenen Organentnahmen bei verhafteten Falun Gong-Praktizierenden sofort zu beenden, 2. Untersuchungen, die zur Anklage der Täter führen, durchzuführen und 3. die chinesische Regierung als Hauptverantwortlichen der erzwungenen Organentnahmen aufzufordern, die brutale Verfolgung gegen Falun Gong-Praktizierende zu beenden.

Am Vorabend des internationalen Menschenrechtstages überreichte eine Delegation, bestehend aus ehrenamtlichen Mitgliedern der Organisation, die Petition an die UN-Hochkommissarin für Menschenrechte.


Die Mitglieder der Delegation, bestehend aus drei Ärzten und drei Rechtsexperten (v.l.n.r.): Dr. Torsten Trey, Präsident von DAFOH, Carlos Iglesias, spanischer Menschenrechtsanwalt und Rechtsberater von DAFOH in Europa; David Matas, kanadischer Menschenrechtsanwalt; Prof. Dr. Francis Navarro, französischer Chirurg und Professor an der Medizinischen Universität; Theresa Chu, Menschenrechtsanwältin und Rechtsberaterin von DAFOH in der Asien Pazifik Region; Dr. Adnan Sharif, britischer Experte für Nierentransplantationen und Mitglied des Beratungskomitees von DAFOH

Dr. Torsten Trey bestätigte auf der Pressekonferenz, dass die DAFOH weiterhin über dieses Thema informieren würde. Um diese unmenschlichen Verbrechen zu beenden, seien weitere weltweite Anstrengungen erforderlich.

Er nannte die aktuellen Zahlen der diesjährigen Petition: „In nur fünf Monaten wurden in 50 Ländern 1,5 Millionen Unterschriften gesammelt. Das ist eine große Anzahl.“

Dr. Torsten Trey

Dr. Trey hob hervor, dass der Wille von 1,5 Millionen Menschen nicht übersehen werden dürfe. Seinen Informationen zufolge gebe es weltweit noch mehr Unterstützer, die jedoch durch die Festsetzung der Einreichungsfrist keine Chance mehr gehabt hätten, rechtzeitig zu unterschreiben. In diesem Punkt würden die Bemühungen fortgesetzt werden.

Dr. Trey erklärte: „Zuerst werden wir aber das diesjährige Ergebnis der Petition einem breiteren Publikum näherbringen. Das heißt, wir werden mit den Leuten reden und den Vertretern aus politischen und medizinischen Bereichen sagen, dass die Forderungen von 1,5 Millionen Menschen nicht ignoriert werden dürfen.“

DAFOH wiederholt Forderungen

Am 9. Dezember führte die Delegation ein halbstündiges Gespräch mit der UN-Hochkommissarin für Menschenrechte, in der sie ihre bisherigen Forderungen wiederholte. Gleichzeitig legte sie einen schriftlichen Antrag vor, in dem die Vereinten Nationen auffordert werden, weitere umfassende Untersuchungen zur Aufklärung der Verbrechen der erzwungenen Organentnahme an Gewissensgefangenen, überwiegend Falun Gong-Praktizierenden, einzuleiten.

Der kanadische Menschenrechtsanwalt David Matas und das ehemalige kanadische Parlamentsmitglied, David Kilgour, hatten im Jahr 2006 umfangreiche Ermittlungen zu den Vorwürfen der erzwungenen Organentnahmen in der VR China durchgeführt. Sie kamen zu dem Schluss, dass bei ca. 41.500 Transplantationen, bei denen die Herkunft der Organe unbekannt war, die Organe von lebenden Falun Gong-Praktizierenden gegen ihren Willen entnommen wurden.

Trotz der ständig wachsenden Zahl der Beweise und dem internationalen Druck schweigt das chinesische Regime bisher zu diesen Vorwürfen.

Die Mitglieder der Delegation forderten von den Vereinten Nationen, das Schweigen zu durchbrechen und das Thema öffentlich zu diskutieren.


Frau Theresa Chu, Rechtsberaterin der DAFOH für die Asien-Pazifik Region

Frau Theresa Chu, Rechtsberaterin der DAFOH für die Asien-Pazifik Region, erklärte in einem späteren Interview, dass sie mit der Hochkommissarin Navanethem Pillay darüber gesprochen habe. Es ging dabei um die offenen Fragen nach dem Verbleib der verschollenen Falun Gong-Praktizierenden und die Existenz von weiteren Konzentrationslagern in China, in der Falun Gong-Praktizierende auf Nachfrage zum Organraub missbraucht werden. Sie habe darauf gedrängt, dass die chinesische Führung diese Fragen beantworte.

Während der Pressekonferenz sagte Frau Chu: „Es geht hierbei nicht nur um die Frage der Beendigung der Verfolgung von Falun Gong, sondern darum, einen Völkermord im 21. Jahrhundert zu beenden.“

Frau Chu bezifferte die Zahl der gesammelten Unterschriften in zehn asiatischen Ländern mit 920.000, darunter mehr als 10.000, die von Ärzten stammten.

Herr Matas forderte die Hochkommissarin auf, weitere eigenständige Ermittlungen in die Wege zu leiten. Im Hinblick auf die im letzten Jahr vorgelegte Petition hob er erneut die Dringlichkeit hervor und verlangte eine schriftliche Bestätigung der Kommissarin, dass dieser Schritt vollzogen werde.

Medizinische Gemeinschaft plädiert für Gerechtigkeit

Dr. Adnan Sharif, ein Transplantationsspezialist aus Großbritannien und Mitglied der DAFOH, erläuterte bei der Pressekonferenz, dass es aus medizinischer Sicht mehrere unerklärbare und den medizinischen Normen widersprechende Phänomene rund um die Transplantationen in China gegeben habe. Zum Beispiel enthielten die aus China extrahierten Daten Beschreibungen über sehr kurze Wartezeiten bei Herz- oder Lungentransplantationen, die bei freiwilligen Spendern unmöglich einzuhalten seien.

Es gebe keine logischen Gründe, weshalb Gefangene häufigen Blutuntersuchungen und körperlichen Untersuchungen unterzogen werden sollten. Ohne einen medizinischen Nutzen würden die häufigen Untersuchungen der Individuen keinen Sinn ergeben. Direkte Beweise zu sammeln, sei schwierig, aber alle verfügbaren Beweisstücke der verschiedenen Ermittler weltweit würden für die Tatsache sprechen, dass der Organraub in China tatsächlich stattfinde.

Ziel des Aufrufs an die Vereinten Nationen sei aber nicht nur, die Bestätigung dieser Verbrechen, sondern die an diesen Transplantationen beteiligten Ärzten zu bewegen, die Verbrechen zu erkennen, sich davon zu distanzieren und zu ethisch seriösen Praktiken zurückzukehren.

„Wir müssen bestrebt sein, die ethischen Standards der Transplantationsmedizin weltweit anzuheben“, sagte er zusammenfassend.

Mehrere medizinische Fachleute äußerten sich im Anschluss an die Pressekonferenz tief besorgt zu diesem Thema und machten weitere Vorschläge zur Beendigung der Verbrechen.

Khelfa Mourad, Apotheker, dankte der DAFOH für ihre Bemühungen um die Petition mit 1,5 Millionen Unterschriften und die Weitergabe ihrer Informationen an verschiedene Regierungen und NGOs. „Für mich ist dies ein großer Schritt vorwärts“, sagte er. Gleichzeitig forderte er die Organisation auf, ihre Anstrengungen fortzusetzen.

Weltweite Bemühungen zur Beendigung der Verfolgung


Dianwara Biro, Direktor von Interfaith International, spricht sich ebenfalls für ein Ende des Völkermordes in China aus

Herr Dianwara Biro, Direktor von Interfaith International, würdigte die Anstrengungen der DAFOH und äußerte, dass die internationale Gemeinschaft sich jetzt gemeinsam darum bemühen sollte, die Verfolgung von Falun Gong durch das kommunistische Regime in China zu beenden. „Wir können diesen Völkermord nicht akzeptieren, noch weniger dürfen wir zuschauen, dass er im 21. Jahrhundert fortgesetzt wird. Wir müssen Maßnahmen ergreifen, um ihn zu stoppen", forderte er.

Biro schlug vor, dass die Vereinten Nationen alle bisher vorliegenden Beweise und die entsprechenden Informationen über die erzwungenen Organentnahmen an alle Mitgliedstaaten des Menschenrechtsrates weiterleiten sollten. Er begründete die Wichtigkeit dieses Schrittes damit, dass die Persönlichkeiten, die von diesen Gräueltaten erfahren, wiederum andere informieren. Das sei wichtig, denn bei einem Schweigen zu diesem Völkermord mache man sich zum Komplizen dieser Verbrechen.

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