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Britische Zeitung Guardian berichtet über die Verfolgung von britischen Praktizierenden und deren Verwandten in China
Peter Beaumont Guardian.co.uk, Samstag, 18. Juli 2009 Die Männer der Brigade für Nationale Sicherheit Chinas kamen am 08. Juni gegen 22.00ok Das Verbrechen von Qiao Yongfang und seiner Frau, Yan Dongfei, beide im Alter von 60 Jahren und Bürger der Stadt Huhot in der Inneren Mongolei war, Praktizierende der verbotenen Falun Gong Religioin zu sein, welche in China mehrere Zehnmillionen Anhänger hat. Zehn Jahre nachdem das Verbot von Falun Gong von Chinas früherem Führer Jiang Zemin angeordnet worden war und mit einer brutalen Niederschlagung seiner Anhänger begann, werden Gläubige wie die Eltern von Qiao immer noch verfolgt, und das trotz internationaler Proteste. Die einzige Änderung ist, dass die Verfolgung nun geheimer abläuft. Neben neuerlichen Protesten in Großbritannien, wurde heute auch ein Marsch von der chinesischen Botschaft nach Chinatown abgehalten, um den Jahrestag der Niederschlagung von Falun Gong zu markieren. Dabei haben Natalie Qiao und eine frühere Gefangene die anhaltenden Misshandlungen beschrieben und somit einen detaillierten Einblick gewährt, wie diese vom chinesischen Staat als Feinde angesehenen Menschen behandelt werden. Jeder, der religiöse Feiern praktiziert, die außerhalb offiziell sanktionierter Kanäle liegen, wie Mitglieder der inoffiziellen Katholischen Kirchen oder der Protestantischen Hauskirchen, riskiert Haft. Andere riskante Gruppierungen schließen Muslime in der Xinjiang Uighurischen Autonomen Region ein, besonders jene, von den Behörden als religiöse Extremisten, gebrandmarkten. Falun Gong ist am rauhesten behandelt worden. Unterstützer außerhalb Chinas behaupten, dass seit dem Jahre 1999 über 2.000 Menschen in Gewahrsam gestorben sind und die UN gibt an, dass die Mitglieder dieser Gruppe unproportional unter jenen enthalten sind, die unter Folter und Misshandlung leiden. Das ist es, was Qiao - die am Montag eine Petition an Downing Street einreichen will - am meisten fürchtet. „Sie nahmen meine Eltern nach Einbruch der Dunkelheit mit. Sie wollen nicht, dass die Menschen das wissen. Die Verfolgung geschieht beinahe im Untergrund“, sagte die 35jährige Einkäuferin, die in Watford lebt. „Ich erhielt einen Anruf von einem Angehörigen meiner Familie in China. Sie hatten versucht, meine Eltern anzurufen und ein fremder Mann beantwortete den Anruf und wollte wissen, wer anruft. Sie tun dies, um andere Mitglieder von Falun Gong zu finden.“ „Mein Onkel suchte dann das Haus meiner Eltern auf. Der Hausmeister wollte nicht darüber sprechen, erzählte aber schließlich, was passiert war. Doch auch dann wollte die lokale Polizei nicht zugeben, dass meine Eltern verhaftet worden sind. Sie sagten, sie wüssten nichts. Zum Schluss erfuhren wir von einem Freund bei der Polizei, dass sie in die Gefängnisanstalt Nummer Eins gebracht worden seien.“ „Es wird uns nicht erlaubt, mit ihnen zu sprechen. Als wir die Nationalen Sicherheitsbrigaden anriefen, sagten diese, meine Eltern würden nicht kooperieren. Sie haben keine Falun Gong verleumdenden Briefe geschrieben oder die Namen von anderen Falun Gong-Praktizierenden preisgegeben. Meine entfernteren Familienangehörigen weigerten sich anfänglich zu glauben, was da vor sich geht. Sie sagten, die Verfolgung von Falun Gong sei vorüber. Doch sie geschieht jeden Tag.“ Natalie hat wegen der gut belegten Berichte über ernsthafte Misshandlungen von Falun Gong Gefangenen, die sich weigern ihren Glauben aufzugeben, sowie der dunklen, unbewiesenen Anschuldigungen, dass manche in Haft gestorben sind, weil sie ihrer Organe beraubt wurden, große Angst vor dem, was ihren Eltern bevorsteht. Annie Yang, eine Antiquitätenhändlerin, die nach London floh, nachdem sie aus der Umerziehung im Arbeitslager entlassen wurde, weiß aus erster Hand, was die Eltern von Qiao durchmachen. „Ich wurde im März 2005 festgenommen“, sagte sie. „Ich lebte in Peking und war eine Praktizierende von Falun Gong. Sie kamen am Abend zu mir. Ich bin eine alleinstehende Mutter und war mit meinem 16jährigen Sohn zusammen. Nur einer der Männer trug eine Uniform. Keiner von ihnen zeigte eine Identitätskarte.“ Sie berichtet weiter: „Ich sagte zu ihnen, dass ich Mutter sei. Doch sie nahmen mich mit und ließen meinen Sohn allein zurück. Sie brachten mich in eine Gefängnisanstalt, wo sie mich 40 Tage lang ohne Zugang zu einem Anwalt festhielten. Zum Schluss sagten sie zu mir, ich sei zu zwei Jahren Arbeitslager verurteilt worden, weil ich Mitglied von Falun Gong sei.“ Entsprechend der Darstellung von Yang war es bis 2004 üblich, physische Gewalt anzuwenden, um Mitglieder zum Widerruf zu bringen und weitere Namen preiszugeben. Sie wurde einer heimtückischeren Misshandlung ausgesetzt. „Das Lager stellt Handschuhe her. Doch mir wurde nicht erlaubt zu arbeiten oder ausreichend Nahrung oder Getränke zu bekommen, bis ich meinen Glauben widerrief. Ich wurde gezwungen, 21 bis 22 Stunden auf einem Stuhl zu sitzen. Den Rücken musste ich gerade halten, meine Knie und Füße zusammenpressen und meine Hände flach auf meine Schenkel legen. Mir wurde gesagt, ich dürfe meine Augen nicht schließen. Wenn ich das täte, würden sie mich wüst beschimpfen.“ „Wenn ich etwas trinken wollte, musste ich sagen: ‚Bitte Klassenführer…’ und bevor ich meine Tasse abstellte: ‚Bitte Klassenführer…’ Die einzige Nahrung die ich bekam, waren 30 Gramm chinesische Bohnen. Es war hart und bitter, kein Gemüse. Ich wurde ganz dünn. Es war auch so heiß. Um die 40°C. Und sie gaben mir nicht genug Wasser.“ “Nach drei Monaten hielt ich es nicht mehr aus. Ich war beinahe verrückt. Ich widerrief. Sie zwingen dich dazu. Sie sagen, wenn du nicht mitmachst, werden wir deine Strafe verlängern. Gegen mein Gewissen gab ich ihnen auch Namen bekannt.“ Die Verfolgung von Falun Gong ist umso absonderlicher, was die Unbedenklichkeit hinsichtlich dieser Religion anbelangt. Ohne eine formale Führerschaftsstruktur und keinerlei Rolle einer Mitgliedschaft als solcher, folgen Anhänger der im Jahre 1992 von Hr. Li Hongzhi gegründeten Religion, sogenannten traditionellen Qigong Praktiken für geistige und körperliche Entwicklung, wie dies in der Falun Gong Literatur detailliert dargestellt ist. Ohne formale Rituale der Anbetung, sind deren Lehren "Wahrhaftigkeit, Barmherzigkeit, Nachsicht". Falun Gong, das in einigen Aspekten zu einem großen Teil aus allgemein verbreiteten Ideen der alternativen chinesischen Medizin hervorging, wurde als eine Bedrohung für den chinesischen Staat betrachtet, nachdem 10.000 seiner Praktizierenden sich im April 1999 beim Hauptsitz der Kommunistischen Partei Chinas zu einem stillen Protest aufstellten, um sich über Angriffe auf ihre Mitglieder zu beklagen, eine Aktion, die zwei Monate später zu deren Verbot führte. […] Kate Allen, die Direktorin von Amnesty International Großbritannien, welche den Fall von Qiao verfolgte, sagte: “Dies ist eine herzzerreißende Geschichte – die Eltern von Natalie waren dabei, Großbritannien zu besuchen, um Ende des Monats ihre Enkelkinder zu sehen. Nun aber, anstatt sich auf einen Familienbesuch vorzubereiten, ist Natalie in Sorge um ihre Sicherheit in einer chinesischen Gefängnisanstalt. „Niemand sollte wegen seines friedlichen religiösen Glaubens eingesperrt werden. Yang Dongfei und Qiao Yongfang sollen sofort und bedingungslos freigelassen werden, solange die chinesischen Behörden sie nicht wegen eines international anerkannten Verbrechens anklagen können und ihnen ein faires Verfahren einräumen.“
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