Veröffentlicht in de.clearharmony.net am: Donnerstag, 20. September 2007      
Neue Westfälische (Deutschland): Neue Hüfte für Folteropfer
Nach Operation im Vincenz-Krankenhaus hofft Zhen Wang auf ein normales Leben

Von Burkhard Battran

Brakel. Auf seine Krücken gestützt und nur ganz langsam und unter Schmerzen kann sich Zhen Wang (30) bewegen. Am Montag hat ihm Privatdozent Dr. Rolf Haaker, Chefarzt der orthopädischen Abteilung des Brakeler St.-Vincenz-Hospitals zum zweiten Mal innerhalb eines Jahres eine Hüftgelenksprothese eingesetzt.

"Es gibt keinen Grund zur Sorgen, die Operation ist bestens verlaufen und im Anschluss an die Reha wird der Patient wieder schmerzfrei und ohne Krücken gehen können", sagt Haaker.

Damit ist ein vorläufiger Schlussstrich unter ein jahrelanges Martyrium gezogen, das ein trauriges Licht auf die Großmacht China und ihren Umgang mit Menschenrechten wirft. Der Bauingenieurstudent hat zwei Jahre in einem Arbeitslager verbringen müssen, wo er brutal gefoltert wurde. "Am 25. April 2003 haben fünf Zellengenossen im Auftrag der Anstaltsleitung auf mich eingeschlagen und mir dabei beide Hüftgelenke gebrochen", erzählt Zhen Wang.

2001 wurde der damals 24-Jährige in Shanghai verhaftet und ohne Gerichtsverfahren in ein Arbeitslager gesteckt. Sein Vergehen: Wang ist Anhänger der Falun- Gong-Bewegung. "Es handelt sich dabei um eine friedliche buddhistische Meditationsübung, die jedoch wie alle orthodoxen Religionen in China verboten ist", erläutert Wangs Ehefrau Anke (28). Die Bielefelder Mediengestalterin engagiert sich ehrenamtlich als Mitarbeiterin der Internationalen Gesellschaft für Menschenrechte in der Asylhilfe. Ende 2004 war Zhen Wang mit der Hoffnung nach Deutschland gekommen, als politischer Flüchtling anerkannt zu werden. Das behördliche Asylverfahren läuft noch.

"Die Arbeitslager rund um Shanghai dienen dem Organhandel. Den Häftlingen werden Organe entnommen. Da keine Anfrage vorlag, zu der mein Gewebetyp gepasst hätte und ich mit meiner gebrochenen Hüfte auch nicht mehr arbeiten konnte, wurde ich aus dem Lager entlassen", erzählt Wang in knapper Form. Als Falun-Gong-Anhänger hatte er keine Aussicht, irgendwo zu arbeiten. Auch sein Studium konnte er nicht fortsetzen.

Ende 2004 verließ Wang schließlich China. "Ich war Zeuge, wie gute Freunde verschwanden und nie wieder auftauchten, ein anderer ist an seinen Folterverletzungen im Arbeitslager gestorben, auf mich hatten die Wärter drogensüchtige Mitgefangene angesetzt, die dafür belohnt wurden, dass sie mich schlugen und erniedrigten", erzählt Wang.

In Deutschland wurde Zhen Wang erstmals überhaupt ärztlich behandelt. In China habe man ihm jede medizinische Hilfe untersagt. Das St.-Vincenz-Hospital in Brakel ist auf Hüftoperationen spezialisiert. "Weil
es sich hier um einen sehr jungen Patienten handelt, haben wir ihm eine so genannte Kappenprothese eingesetzt, die ihm eine größtmögliche Bewegungsfreiheit erlaubt", erläutert Chefarzt Haaker.

Zhen Wang, der bereits sehr gut deutsch spricht, will nach der Reha sein Studium fortsetzen und ein normales Leben führen. Nach China will er nie wieder zurück.


Höxtersche Kreiszeitung / Neue Westfälische , 15.09.2007



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