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Die Neue Epoche: „Chinas Staatsfeind Nummer Eins“ vor dem Brandenburger Tor
In der Geschichte der Kommunistischen Partei Chinas (KPCh) sind immer die Menschen, welche einen anderen Glauben und eine andere Ideologie als sie haben, „Chinas Staatsfeinde", seien es die buddhistischen Tibeter, die romtreuen Christen, die Demokraten, nicht zuletzt auch die Praktizierenden der Meditationsschule Falun Gong. Sie sollten alle bekämpft werden. Seit 1999 werden 100 Millionen Falun Gong-Praktizierende, die meditieren und ihr Leben nach den drei Prinzipien Wahrhaftigkeit, Barmherzigkeit und Nachsicht richten als „Chinas Staatsfeind Nummer Eins" bekämpft. Rund zwei Drittel aller in China gefolterten Personen seien Falun Gong-Praktizierende, so der UNO-Sonderberichterstatter für Folter, Manfred Nowak.
„Die Verfolgung von Falun Gong dauert jetzt schon acht Jahre. Sie muss sofort beendet werden!", sagt Marianne Klotzbach. Die kleine Berliner Hausfrau steht - mit inzwischen von Sonne und Hitze leicht gerötetem Gesicht - schon seit Stunden vor dem Brandenburger Tor, redet mit Passanten und verteilt Flugblätter. Zum achten Jahrestag der Verfolgung der Meditationsbewegung Falun Gong in China hat sie zusammen mit anderen Berlinern eine Mahnwache auf dem Pariser Platz vor dem Brandenburger Tor organisiert. Sie selbst praktiziert Falun Gong seit neun Jahren. Seit nunmehr sechs Jahren demonstriert sie jede Woche zwei Mal auf der Jannowitzbrücke gegen die Verfolgung, direkt vor der chinesischen Botschaft - auch bei Wind, Regen oder Kälte. „Die Anwohner hier kennen mich inzwischen gut. Sie begrüßen mich sofort, wenn sie mich sehen. Die meisten haben von mir Informationen über die Verfolgung bekommen und wissen jetzt genau, was in China passiert", erzählt Marianne Klotzbach. Jedes einzelne Gespräch, das sie dort auf der Brücke führt, bringt sie ein Stück weiter an ihr Ziel, die Vorgänge in Chinas Arbeitslagern und psychiatrischen Anstalten öffentlich bekannt zu machen: Grausamkeiten wie Folterungen, Gehirnwäsche, das Einflößen von Psychopharmaka und die illegalen Organentnahmen an lebenden Menschen. „Chinas Staatsfeind Nummer Eins" Von 1992 bis 1999 bekam Falun Gong wegen der guten Wirkung auf die Gesundheit der Bevölkerung offene Unterstützung von der KP Chinas. Am 20. Juli 1999 aber wurde die Meditationsschule von demselben Regime verboten. Seitdem ist es illegal und sogar gefährlich Falun Gong in China auszuüben: Arbeitslager oder Gefängnis und Folter drohen. Falun Gong ist seit 1999 für die KPCh zu „Chinas Staatsfeind Nummer Eins" geworden - noch vor Taiwan, so die herrschende Meinung im Inland wie im Ausland von den chinesischen Demokraten und großen Menschenrechtsorganisationen wie Amnesty International, IGFM und von Chinaexperten. Der UNO-Sonderberichterstatter für Folter, Manfred Nowak, bestätigte in seinem Bericht, dass rund zwei Drittel aller in China gefolterten Personen Falun Gong-Praktizierende sind. Die Menschenrechtsorganisation CIPFG, die Koalition zur Untersuchung der Verfolgung von Falun Gong in China, hat mindestens 3.061 Foltertote seit 1999 dokumentiert. Eine noch größere Anzahl vor allem junger Menschen wurde für den lukrativen Verkauf ihrer Organe ermordet. Der Untersuchungsbericht von David Matas und David Kilgour spricht von 41.500 mutmaßlichen Opfern. „Die Wirkung von Falun Gong auf China ist offensichtlich" Nach der Untersuchung hat der kanadische Menschenrechtsanwalt David Matas bezüglich der Meditationpraxis einen klaren Standpunkt: Die Wirkung von Falun Gong auf China sei offensichtlich sehr wichtig und die Auswirkungen seien sehr groß. Ansonsten würde das chinesische Regime Falun Gong nicht in solchem Ausmaß unterdrücken. Die Meditationsart sei auch deshalb so wichtig, weil es in China so viele Praktizierende gäbe. „Nicht nur die Tatsache, dass sie so zahlreich sind, es ist auch die Ideologie, die sich vom Kommunismus unterscheidet", sagt Matas. Falun Gong sei tief in der chinesischen Tradition verwurzelt, der Kommunismus aber nicht. Ohne die KPCh gäbe es heutzutage in China ein paar Christen und ein paar Tibeter, aber der Großteil der Bevölkerung würde Falun Gong praktizieren. Fackellauf für die Menschenrechte vor den Olympischen Spielen 2008 Martin Duffner, Informatiker, spricht bei Passanten gerne den „Fackellauf für die Menschenrechte" an. Dieser wurde von der Koalition zur Untersuchung der Verfolgung von Falun Gong in China (CIPFG) ins Leben gerufen und soll alternativ zum olympischen Fackellauf auf die gravierende Menschenrechtslage in China aufmerksam machen. Hoffnung auf ein Ende „Ich wünsche sehr eine baldige Beendigung der Verfolgung durch internationale Aufmerksamkeit und hoffe, dass der Fackelzug seinen Sinn erfüllt", erklärt die Berliner Schauspielerin Ruth Spichtig. Sie zeigt an jenem sonnigen Samstag ihren Bekannten aus Frankreich das Brandenburger Tor. Die Folterbilder, die am Infostand ausgestellt sind, findet sie erschreckend. Man würde am liebsten nur wegschauen. Zugleich glaubt sie aber auch, dass es sich dabei um eine Tatsache handelt, vor der man nicht die Augen verschließen solle. „Wenn ich mich ohne jeglichen Gedanken tief in die Meditation versenke, dann spüre ich meinen Ursprung", sagt die junge Berliner Chinesin und Falun Gong-Praktizierende Yawen Zheng. Am wichtigsten sei, sich nach den drei Prinzipien zu richten: Wahrhaftigkeit, Barmherzigkeit und Nachsicht. Diese geistige Haltung sei der Grund, warum das kommunistische Regime Falun Gong bisher nicht auslöschen konnte. „Falun Gong ist eine große Herausforderung für die KPCh", sagt Zheng. Ginge der Druck der internationalen Gemeinschaft so weit, dass die KPCh das Veranstaltungsrecht für die Olympischen Spiele verliert, wäre die Chance einer Beendigung der Verfolgung von Falun Gong groß. Der alternative Fackellauf der CIPFG hat für Zheng deswegen eine besondere Bedeutung. „Jeder kann das unterstützen. Das ist für jeden hier im Westen eine Herausforderung des Gewissens!"
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