Veröffentlicht in de.clearharmony.net am: Donnerstag, 11. August 2005      
Eine kurze Diskussion über “Das Selbst kultivieren”

In der halb-göttlichen chinesischen Kultur wird die Erhöhung von Charakter und Moral, auch „Kultivierung des Selbst“ genannt, die Grundlage für die Handhabung von Familie, Verwaltung einer Regierung und dafür, der ganzen Welt Frieden zu bringen.

Das Buch Große Lernen (Da Xue) ist einer der chinesischen Wissenschaftsklassiker. Es umfasst nur etwa zweitausend Zeichen, doch wegen seiner wichtigen moralischen Lehrsätze, wird es als eines der vier wichtigsten Bücher von Konfuzius verehrt. Das Große Lernen wurde vor über zweitausend Jahren geschrieben. Während der Song Dynastie (12. Jahrhundert) wurde es eines der verlangten Textbücher für alle akademischen Prüfungen. Das Große Lernen zielt auf Kultivierung des Selbst als Voraussetzung für die Administration einer Regierung; Das Ziel für einen Administrator, das Selbst zu kultivieren war, das Land weise zu regieren und der Welt Frieden zu bringen. Es stellt die Beziehung dar, zwischen dem Erhöhen seines Selbst und dem Verwalten einer Regierung.

Die Einführung besagt: „Was das Große Lernen lehrt, ist die erhabene Tugend darzustellen; die Menschen zu erneuern; und in der höchsten Güte (Vortrefflichkeit) zu ruhen.“ “Erhabene Tugend darzustellen“ bedeutet die großen Tugenden zu verkünden, welche der Himmel dem Menschen verliehen hat; „Menschen erneuern“ bedeutet, das Volk mit Barmherzigkeit und Güte zu behandeln; „In der höchsten Güte (Vortrefflichkeit) zu ruhen“ setzt den Standard auf der reinen Ebene von Güte, wie sie im Konfuzianismus besprochen wird.

Das Große Lernen besagt weiterhin, in Bezug auf die Verkündung der großen Tugenden, das Land muss regelgerecht verwaltet werden. Um das Land regelgerecht zu verwalten, muss man in der Lage sein, die Familie gut zu lenken. Um die Familie gut zu lenken, muss man sich selbst kultivieren. Vom Herrscher bis zum gewöhnlichen Bürger, muss jeder mit dem Kultivieren des Selbst beginnen. Es gibt da keine Ausnahme.

Nun, wie kultiviert man sich selbst? Im Große Lernen heißt es weiter: „Der Wunsch, sich selbst zu kultivieren, führt dazu, dass man das eigene Herz verbessert und erfordert, dass man in seinen Gedanken aufrichtig ist. Zu wünschen, in seinen Gedanken aufrichtig zu sein, verlangt, sein Wissen aufs Äußerste auszuweiten. Solche Wissenserweiterung ruht in der Erforschung von Dingen.“

„Die Herzen zu verbessern“ verweist darauf, abgewichene Emotionen und Wünsche einzuschränken. Für menschliche Wesen ist es normal, Ärger, Angst, Beglückung und Trauer zu empfinden. Doch man sollte versuchen, unangemessene Emotionen und Wünsche zu zügeln.

“In seinen Gedanken aufrichtig zu sein”, verweist darauf, ehrlich und selbst-diszipliniert zu sein, ob mit andern oder allein, sowohl in Gedanken als auch in Handlungen.
„Die Erforschung von Dingen“ und „Wissenserweiterung“ sind die Grundlage des Prozesses. Die „Dinge“ und „Wissen“ verweisen auf Ethik und moralische Prinzipien. Anders ausgedrückt, Man kann nur wirklich aufrichtig sein, wenn man den moralischen Standard begreift; nur dann kann man sein Herz verbessern und damit beginnen, sich selbst zu kultivieren.
„Selbstkultivierung“ ist das Ziel der Erforschung von Dingen, Wissenserweiterung, Aufrichtigsein und Verbesserung des Herzens. Nur wenn der Charakter vervollkommnet ist, was den höchsten Standard in Das Große Lernen darstellt, ist eine Person in der Lage, seine Familie zu lenken, das Land zu regieren und der Welt Frieden zu bringen.
Was beinhaltet die Kultivierung des Selbst? In Gesprächen mit Graf Lu Ai, listete Konfuzius sechzehn Punkte auf:

1. Ruhe und Geduld
2. Anspruchslosigkeit und Wachsamkeit
3. Achtung und Höflichkeit
4. Loyalität und Vertrauen
5. Treue. “Angesichts persönlicher Interessen, Gerechtigkeit nicht zu vergessen.“
6. Aufrichtigkeit und Standhaftigkeit. „Kann nur allmählich erreicht, nicht erzwungen werden; kann zerstört, aber nicht gedemütigt werden.“
7. Bereitschaft, das Leben für Gerechtigkeit hinzugeben. „Leben mit Güte und Rechtschaffenheit trotz eines gewalttätigen Regimes.“
8. Angemessenheit in Kleidung und Verhalten
9. Sprechen für die Unterprivilegierten
10. Breitgefächertes Wissen und vertrauenswürdige Handlungen; Aufgabe der Eigeninteressen und gute Kooperation mit anderen
11. Entdecken und fördern von Talenten
12. Freunde zuvorkommend behandeln
13. Aufrechterhaltung eines hohen moralischen Standards
14. Wahrhaftig mit sich selbst sein und nicht seine Meinung wegen der Aussagen von Autoritäten ändern.
15. Die Tugend der eigenen Freunde wertschätzen. „Zusammenhalten, weil sie die selben moralischen Ziele haben.“
16. Jeden gütig behandel.

Mencius fasste den Charakter einer moralischen Person wie folgt zusammen: „Außerstande sein, wegen Geldes oder Macht, unzüchtig oder korrumpiert zu werden, nicht durch Armut und harsche Bedingungen schwankend und nicht beugsam wegen Macht und Gewalt.“

Außer der Güte bedeutet die Kultivierung des Selbst, Dinge mit Angemessenheit zu tun. Konfuzius lehrte seine Schüler: „Schaut oder sprecht oder handelt, erst wenn es angemessen ist.“ Er verlangte von seinen Schülern, angemessen und höflich zu handeln. Aufrichtigkeit, Vertrauenswürdigkeit, Fleiß, Bedürfnislosigkeit, Selbst-Disziplin und Güte standen für die Chinesen im Altertum in enger Beziehung zu ihrer Erziehung in Angemessenheit und Höflichkeit.




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